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Nach der Wahl
Kunterbunt und widersprüchlich

Die neueste Ausgabe des E-Mail Newsletters “klinik@news”, ein kostenloser Info-Service für unsere Leser, berichtet über höchst widersprüchliche Nachrichten aus der Gesundheitswirtschaft. Zum einen erwarten die Ärzteverbande nach der Bundestagswahl einen “Stillstand in der Gesundheitspolitik”, zum anderen berichten die privaten Träger über permanentes Wachstum und der Markt für Medizintechnik expandiert weltweit überproportional. Ob Kommunale oder Private, Krankenhausträger entwickeln pfiffige Marketingstrategien, wie zum Beispiel die Universitätsklinik Köln mit dem Bau eines Vier-Sterne-Hotels, oder eine Studie weist nach, dass die Privatpatienten das Gesundheitswesen mit etwa 8,5 Milliarden Euro stützen. Andererseits fordern Sozialpolitiker von CDU/CSU und SPD soziale Gerechtigkeit mit dem Schlagwort “Solidaritätsprinzip” und gleichzeitig berichtet “klinik@news” über erstaunliche medizinische Innovationen, die unser Leben nicht nur erleichtern, sondern auch verlängern, aber auch die Gesundheitskosten in die Höhe treiben. Die Wirtschaftswissenschaftler sehen in der Gesundheitswirtschaft den Markt von Morgen mit den größten Arbeitsmarktchancen und die Politiker beklagen die Unfinanzierbarkeit des Gesundheitswesen als Folge der Überalterung unserer Gesellschaft.

Mit diesen wenigen Stichpunkten aus einer Ausgabe von “klinik@news” wird deutlich, wie diffus die öffentliche und politische Wahrnehmung über unser Gesundheitswesen ist. Aus den täglichen Verlautbarungen der Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und SPD kann man entnehmen, wie erstaunt beide Verhandlungsseiten über die große Breite an Übereinstimmungen sind, bei dem Themenkomplex “Gesundheitswesen” prallen die Gegensätze jedoch voll aufeinander. “Kopfpauschale” oder “Bürgerprämie” sind zu ideologischen Fesseln geworden, die zwar wahlkampftauglich aber auch lösungshemmend wirken. Bert Rürup, der wohl ideologiefreieste aller Theoretiker, meinte auf dem Frühjahrsempfang der Deutschen Krankenhausgesellschaft, dass es egal sei, für welches System die Politik sich entscheidet, bezahlt werden müssen die Gesundheitskosten und der medizinische Fortschritt wie auch immer. Und Horst Seehofer, das soziale Gewissen der CSU, plädiert für soziale Gerechtigkeit und warnt vor finanzieller Überforderung des “kleinen Mannes”, und gleichzeitig mahnt er mehr Geld für das Gesundheitswesen an.

Richtig ist, dass sich das Gesundheitswesen in den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik zu einem geldfressenden Ungetüm entwickelt hat. Richtig ist auch, dass sich im Gesundheitswesen Pfründe entwickelt haben, die den normalen Kassenpatienten teuer zu stehen kommen. Man denke nur an die Lebensarbeitszeitverträge für Chefärzte, an die Gehälter der Standesbürokraten (von Kassenärztlicher Vereinigung angefangen bis hin zu den Bossen der Krankenkassen), man denke nur an die bis vor wenigen Jahren herrschende Managementunfähigkeit mancher Verwaltungsleitungen mit kommunalen Dilettanten. Aber, dies gehört zur Fairness, mit dauernden Deckelungen hat man das Gesundheitssystem zu Lasten der Leistungserbringer – wie Mediziner und Pflegekräfte – arm geschrumpft. Wenn heute die Krankenhäuser mit ausgefeilten Marketingstrategien um die Patienten kämpfen, aber ihre Mitarbeiter, von Stress gezeichnet, natürlicherweise mehr Frust denn Lust auf den Patienten rüberbringen, dann beist sich die Katze in den Schwanz. In welcher Branche unserer Wirtschaft wird Ethik so groß gefordert und gerechter Lohn so klein geschrieben wie in unseren Krankenhäusern?

Kurzum: Die Gesundheitswirtschaft ist das, was sie im Namen trägt: Wirtschaft. Autos werden bezahlt, weil man sie will. Gesundheit gehört bezahlt, weil man sie braucht! Es wird Zeit, das wir dies erkennen und der Gesundheitswirtschaft die Rahmenstrukturen geben, die sie für eine hoffentlich große Entwicklung braucht. Es geht um unser Leben.  <<

KMA 10/2005 - Seite: 003

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