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IFHE-Europe
Erinnerung und Ausblick

Straßburg, Europarat, 5. September 2005: Die IFHE-Europe wird gegründet. Für die Beteiligten ein Anlass, an die langen Jahre der europäischen Annäherung zu erinnern und künftige Herausforderungen in den Blick zu nehmen. Die FKT-Nachrichten dokumentieren die Gründungsansprachen von FKT-Präsident Reinfried Sure und WGKT-Präsident Christoph Hartung.

Ein Traum wird Wirklichkeit
Reinfried Sure


Verehrte Kollegen,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

die Idee einer Zusammenarbeit von Verbänden aus der Krankenhaustechnik europaweit wurde nicht erst die letzten zwei Jahre diskutiert. Im deutschen Verband FKT wurde die Diskussion über die Realisierung einer möglichen Zusammenarbeit exakt am 3. Oktober 1989 begonnen, als die Mauer in Berlin fiel.
Gestatten Sie mir daher einen kleinen historischen Rückblick zur Gründungsgeschichte der IFHE-Europe.
Der Vorstand der FKT tagte zu diesem Zeitpunkt in einem abgelegenen Hotel im Taunus bei Wiesbaden. Es sollten neue Aufgaben und Ziele für die Zukunft der FKT in mehreren Arbeitsgruppen entwickelt werden. Die Aufgabe in meiner Arbeitsgruppe bestand darin, die Kontakte zu anderen Verbänden herzustellen und mögliche Arbeitstitel für eine Zusammenarbeit zu entwickeln. Wir hatten einen Traum. Wir wollten in zehn Jahren einen Europäischen Verband gründen und einen Europäischen Kongress organisieren.

Im Jahr 1991 besuchte ich einen Kongress über Abfallmanagement für Krankenhäuser auf der Hôpital Expo in Paris und traf dort neben vielen anderen europäischen Kollegen den ehemaligen Präsidenten Christian Dürr vom Schweizer Verband der Spitalingenieure. Wir hatten einen sehr regen Gedankenaustausch über das Thema europäische Zusammenarbeit. Christian Dürr erzählte mir, dass es einen europäischen Normenentwurf gibt, der aus Sicherheitsgründen den Einbau von Trenntransformatoren in jedes ärztliche Untersuchungszimmer vorsieht, und berichtete mir von dem europäischen Normenstreit über die medizinischen Gasfarben und Steckverbindungen. Wir beschlossen eine engere Kontaktaufnahme mit dem Ziel, gegen diese aus technischer Sicht unsinnigen Vorhaben vorzugehen.
Dies war der Grundstock für eine erste gemeinsame Zusammenarbeit. Daraufhin fand ein erstes Treffen mit Beteiligung von Kollegen aus Dänemark, Niederlande, Österreich, Schweiz und Deutschland in Lörrach bei Basel statt. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit war ein gemeinsamer Einspruch bei der europäischen Normenkommission. Die Normen wurden zurückgezogen bzw. geändert. Dadurch wurden im Gesundheitswesen in ganz Europa mehrere Milliarden Euro an Umrüstungskosten eingespart.

Nach unserer Wahl zum Vorstand der FKT besuchten Sebastian Paulus und ich mehrere Kongresse unserer Kollegen in Frankreich: Nizza im Oktober 1992, Alès en Cévennes im Oktober 1993, Dijon im Oktober 1994 sowie Bordeaux im Oktober 1995. Ich freue mich, dass die damaligen Organisatoren Yanick Ginel und Daniel Jacques heute hier anwesend sind.
Mit den französischen Kollegen wurden gemeinsame Arbeitsgruppen gebildet mit dem Ziel, die Ausbildung von Krankenhausingenieuren zu vertiefen. Eine Gruppe von Kollegen der ANIHEB, heute IHF (Ingénieurs Hospitaliers de France), besuchte mit ihrem Präsidenten Jean Paul Rosso sowie Michel Duc, ebenfalls heute hier anwesend, gemeinsam mit uns mehrere Krankenhäuser in Deutschland. Es wurde eine Kooperationsurkunde unterzeichnet mit dem Vorhaben einer engen Zusammenarbeit von ANIHEB, FKT und FBMT. Im Jahr 1995 unterstützten die Präsidenten der FKT maßgeblich die Gründung des österreichischen Verbandes ÖVKT. Mit der ÖVKT bestehen heute sehr enge Kooperationen, die gepflegt werden und die genauso wie die entstandenen Kooperationen mit Belgien, den Niederlanden, Dänemark, Frankreich und der Schweiz Bestand haben.

Für den deutschsprachigen Bereich wurde daraufhin D-A-CH gegründet. D steht für Deutschland, A für Austria/Österreich und CH für die Schweiz. Mit Beteiligung der Niederländer fanden unter D-A-CH regelmäßige Treffen der Präsidenten statt. Bei diesen Treffen war ein Thema immer wieder im Vordergrund: Bildung einer europäischen Gesellschaft für Krankenhaustechnik, um die speziellen technischen Fragestellungen im europäischen Gesundheitswesen gemeinsam zu bearbeiten.

Der Traum von 1989 rückte langsam näher.

Ein zu jeder Zeit willkommener Treffpunkt für die Weiterentwicklung unseres Traumes waren die Veranstaltungen der TK Hannover unter Leitung der WGKT mit Professor Otto Anna und Professor Christoph Hartung. Hier trafen sich nicht nur Europäer, hier trafen sich Gesundheitsingenieure international.

Die Deutschen Verbände WGKT und FKT waren seit Bestehen der FKT eng verbunden. Ich darf daran erinnern, dass der im letzten Jahr verstorbene Professor Otto Anna Gründungsinitiator der FKT war und die beiden Gesellschaften WGKT und FKT bis zu seinem Ableben immer wieder innovativ belebt hat. Hier in Hannover wurde der Traum einer europäischen und auch internationalen Kooperation immer deutlicher. Es wurde aber auch deutlicher, dass eine Kooperation in Europa nur unter der internationalen Gesellschaft IFHE sinnvoll ist.
Bei der Globalisierung der Märkte weltweit spüren wir den wirtschaftlichen Druck auf das Gesundheitswesen mit all seinen positiven und negativen Auswirkungen. Hier werden die zukünftigen Aufgabengebiete der IFHE-Europe liegen.
Bei dem Council Meeting 2004 in Orlando haben die Europäer ihr Anliegen zur Gründung einer Europagruppe vorgetragen. In Antwerpen wurde in diesem Jahr entschieden, eine europäische Gruppierung während des in Deutschland stattfindenden Kongress von FKT und WGKT zu gründen. Der Ort Straßburg mit Sitz des Europarates, des Europaparlaments und der Europäischen Menschenrechtskommission ist heute der Gründungsort der IFHE-Europe.

Heute, am 5. September 2005, 16 Jahre oder 5.816 Tage nach dem 3. Oktober 1989, wird mein Traum Wirklichkeit. Ich danke allen an diesem Prozess beteiligten Freunden und Kollegen.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.


Man kann nicht in die Zukunft schauen,
aber man kann
den Grund für etwas Zukünftiges legen –
denn Zukunft kann man bauen
Antoine de Saint-Exupéry



Professionalisierung als Herausforderung
Prof. Dr. Christoph Hartung

Die nationalen Gesundheitssysteme in Europa verändern sich und passen sich dabei an. Ähnliche Entwicklungen sind sowohl bei den so genannten “Beveredge-Nationen”, die ihre Gesundheitssysteme hauptsächlich durch Steuern finanzieren (Finnland, Portugal, Großbritannien, Irland, Dänemark, Italien, Spanien), als auch bei den so genannten “Bismarck-Nationen”, die ihre Gesundheitssysteme durch Sozialversicherungen finanzieren (Frankreich, Niederlande, Luxemburg, Deutschland), einschließlich Österreich, Griechenland und Belgien, die eine Position zwischen beiden Gruppen einnehmen, zu beobachten.

Mit der europaweiten Einführung der DRG-Systeme auf Basis von ICD und ICPM bzw. ähnlichen Systemen werden Krankenhäuser auf der Basis von Fallpauschalen für ihre Dienste bezahlt werden. Krankenhäuser sollen so motiviert werden, effizienter zu managen. EG-Ländern wird so ermöglicht, ihre eigenen Services in ganz Europa vergleichen zu können. Es wird erwartet, dass Klinikbetten weniger werden. Die Zahl der Behandlungen wird wegen der wachsenden Lebenserwartung steigen. Die mittlere Dauer eines Krankenhausaufenthaltes wird abnehmen. Der Anteil privat finanzierter Ausgaben wird größer und damit die freie Entscheidung des Patienten für eine Behandlung der eigenen Wahl. Der Markt wird europäischer. Krankenhäuser werden ihr Management mit Fokus auf ihr Kerngeschäft professionalisieren.

Unterstützende Funktionen, wie die der Krankenhaustechnik, werden zunehmend als gemeinsame Aufgabe in Kooperation mit dem externen Service realisiert werden. Die Verteilung und Trennung von Verantwortlichkeiten innerhalb eines Netzwerkes werden ein wesentlicher Bestandteil des Krankenhaus(technik)-Managements sein. Kontinuierliche Fortbildung und Wissensmanagement der Angestellten wird somit unerlässlich und muss in die tägliche Arbeit integriert sowie kontrolliert werden, um definierte hohe Leistung halten zu können.

Klassische Kerndienste werden durch Wellness-Angebote erweitert. Serviceprofile folgen dabei den Prinzipien des freien Marktes: Angebot und Nachfrage. Das frühere autonom funktionierende Krankenhaus wird in ein Gesundheitszentrum mit breitem kurativem Angebot übergehen. Somit werden die erforderlichen Kooperationen mit der unterstützenden Gesundheitsindustrie komplexer und umfangreicher.

Wir beobachten diese Veränderungen in unseren europäischen Gesellschaften. Ihre Auswirkungen auf die Krankenhaustechnik können durch gemeinsame europäische Bemühungen effektiver bewertet werden: Notwendige Lösungen können ausgearbeitet und als Empfehlungen auf einem europäischen Level veröffentlicht werden. Die Dienstleistungs- und die produzierende Industrie können integriert werden, um Einsichten in Haupt-Arbeitsabläufe in Kern- und sekundären Krankenhausbereichen zu gewinnen. Die Folgen europäischer Veränderungen können erkannt  werden, bevor sie auf nationalem Level zu wirken beginnen. Zusammenkünfte, anlässlich derer solche Belange bewertet wurden, fanden bis jetzt, wenn überhaupt, nur auf nationalem Level statt. Die Notwendigkeit solcher Treffen ist jedoch zu einer gemeinsamen europäischen Herausforderung geworden. Ich knüpfe daher große Erwartungen an die morgen beginnende erste europäische Konferenz “Krankenhaustechnik in Europa – Status und künftige Herausforderungen”, deren wissenschaftliche Leitung dem von mir vor einem Jahr gegründeten “Kompetenzzentrum für Technisches Gesundheitswesen” (ECCHE) übertragen wurde und zu der wir über 600 Tagungsteilnehmer aus 15 europäischen Ländern erwarten.

Seit den 90er-Jahren evaluieren wir die Effekte der sozial-politischen, demographischen, epidemiologischen, ökonomischen und technologischen Veränderungen auf die Krankenhaustechnik. Wir schlugen eine einheitliche Vorgehensweise vor, die Prozessorientierung und ökonomische Kooperation als Alternative zur Unterstützung der kurativen Leistung favorisiert. Die Arbeitsabläufe in der Krankenhaustechnik erscheinen auf drei Ebenen: einer strategischen, einer administrativen und einer kooperativen in partnerschaftlichen Allianzen mit der Industrie. Strategisch von Belang sind die Entwicklung von Kosten, Personal, Servicequalität und Einrichtungszielen. Auf der administrativen Ebene muss das Management der Arbeitsabläufe gestaltet werden – wie die Organisation von Service, Arbeiten und deren systembasierte Kontrolle. Auf der operativen Ebene ist das Betreiben der Gebäude, der Anlagen und der Geräte eine umfassende Herausforderung. Die Botschaft ist klar: Wir müssen professionalisieren, um bessere Leistung und professionelle Wertschätzung zu erreichen! Es ist Zeit, in europäischer Offenheit aufeinander zuzugehen, um unter einem professionellen Dach Krankenhaustechnik gemeinsam zu gestalten. Das Kompetenzzentrum ECCHE steht für die wissenschaftliche Koordination des derzeit aus zwölf europäischen Fachgesellschaften bestehenden europäischen Netzwerkes “IFHE-Europe” zur Verfügung.

Mit der Unterzeichnung der Urkunde über die Gründung einer Europäischen Föderation über Technik im Gesundheitswesen innerhalb der International Federation of Hospital Engineering ” wird das Fundament für diese engere Zusammenarbeit gelegt. Ich wünsche allen Beteiligten bei deren weiterer Gestaltung eine glückliche Hand!

KMA 11/2005 - Seite: 168

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