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Doppelte Einsicht
Porträt Peter und Christoph Lohfert

Alle reden vom Sparen in der Medizin, doch drei Jahrzehnte Krankenhausberatung haben die Lohfert-Zwillinge gelehrt: Das ist viel zu kurz gesprungen. Ihre Überzeugung ist: Die Probleme im Gesundheitswesen sind nur durch radikales Umdenken zu beheben. Nur wer den Patienten und dessen Bedürfnisse in den Mittelpunkt seiner Arbeit stellt, wird auch wirtschaftlich erfolgreich sein.

Geld macht nicht glücklich”, sagen Christoph und Peter Lohfert. Man hört dies oft von Menschen, die eben kein Geld haben, aber gerne welches hätten und eine Rechtfertigung für ihr Leben bis dahin brauchen. Doch den Lohfert-Zwillingen mangelt es keineswegs an Geld. Und ums private Glück geht es ihnen auch nicht, wenn sie das sagen. Ihnen geht es um die Gesundheitswirtschaft, in der nach ihrer Auffassung genügend Geld vorhanden ist, das Glück sich aber dennoch nicht einstellen will. Die Lohferts sind Inhaber der Lohfert & Lohfert AG mit Sitz in Hamburg und Kopenhagen. Seit mehr als 30 Jahren ist das Beratungsunternehmen in Deutschland und Dänemark anerkannt. Kernkompetenz ist die Entwicklung von medizinisch-ökonomischen Steuerungssystemen für Krankenhäuser und Universitätskliniken sowie von Methoden zur Investitionsplanung und -steuerung.
Die Büroräume am Hamburger Rothenbaum sind hell und modern, und würde man sagen, die Lohferts seien altmodisch, wären sie zu Recht beleidigt. Dennoch erinnert einiges an den beiden auf angenehme Weise an die guten alten Zeiten, beispielsweise dass sie ausnehmend höflich sind und aufmerksame Zuhörer – in einem Gespräch, das eigentlich ihnen gilt. “Wir fangen bei unseren Projekten immer mit der traditionellen Funktionsanalyse an”, sagt Christoph Lohfert und sein Zwillingsbruder Peter vollendet den Satz: “Und stellen dann regelmäßig fest, dass es nicht wahr ist, dass im Medizinsystem kein Geld vorhanden ist. Es wird nur falsch verteilt.” Wiederum Christoph: “Außerdem wird es häufig genug in Prozesse investiert, die aus Sicht des Patienten unsinnig sind. ”

Über Zwillinge gibt es viele Geschichten, aber man weiss nie so ganz genau, was davon Dichtung ist und was Wahrheit. An den doppelten Lottchen etwa hat uns besonders erfreut, wie die kleinen Mädchen ihre Lehrer an der Nase herumgeführt haben. “Bei uns war das genauso”, sagt Peter Lohfert. Die Lohferts haben sich tatsächlich in der Schule abgewechselt, der eine, Peter, konnte Fremdsprachen nicht so gut, der andere hatte Angst vor Matheprüfungen. Da war es für die eineiigen Zwillinge ein Leichtes, den jeweils anderen in unangenehmen Situationen auf der Schulbank zu vertreten. “Wir haben das auch auf der Hochschule weitergemacht”, sagt Peter und findet das bis heute sichtbar komisch. Peter Lohfert hat Architektur studiert, Christoph Maschinenbau. “Da haben wir uns gegenseitig ausgeholfen. Ich war in irgendwelchen Vorlesungen von Christoph und der hat für mich aquarelliert.” Und das hat nie einer bemerkt.
Die beiden sehen sich so ähnlich, dass selbst engste Mitarbeiter sie manchmal nicht unterscheiden können. Bis zum Studium sind sie auch fast denselben Weg gegangen, sagen sie. Der eine hat sich zwar mehr für Musik, der andere mehr für das Filmen interessiert, aber vieles sonst war identisch. Als sie gemeinsam an die Uni Hannover gingen, blieb es im Prinzip auch dabei. “Die Uni hieß zu der Zeit noch technische Hochschule, und Architektur und Ingenieurwissenschaft sind ja fast parallele Studiengangänge gewesen.”

Dann verschlägt es Peter Lohfert nach Dänemark, weg von Christoph. “Wir sind mit unseren Eltern viel gesegelt und waren mit dem Boot oft in Dänemark, konnten auch die Sprache.” Zu der Zeit, Anfang der 60er-Jahre, war mit moderner Architektur in Deutschland nicht viel los, da ging es noch um Wiederaufbau. Dänemark sei damals führend gewesen, insbesondere im Krankenhausbau. Peter fängt auch gleich in diesem Bereich an zu arbeiten und noch einmal zu studieren – Medizin. Bis Christoph es nicht mehr aushalten kann und seinen Bruder fragt, ob sie nicht wieder etwas gemeinsam machen sollen. Zu diesem Zeitpunkt waren sie Mitte 30 und hatten beide bereits ein zweites Studium absolviert. Christoph hatte neben der Ingeneurwissenschaft noch Betriebswirtschaft studiert. “Das war genau überlegt. Wir wussten, dass wir etwas in Richtung Betreuung von Krankhäusern machen wollten und da musste einer etwas von Betriebswirtschaft verstehen.” Gemeinsam gründen sie dann das Institut für Funktionsanalyse, das später in die Lohfert & Lohfert AG umstrukturiert wird.
Das klingt fast als hätte es eine Art Masterplan gegeben, aber beide sagen übereinstimmend, dass vieles in ihrem Leben auch Zufall war. “Wobei”, fügt Christoph Lohfert hinzu, “wir sind schon strukturiert.” Das mache einen Großteil ihrer Arbeit und ihres Erfolges aus. “Das ist die Herausforderung der Zukunft: Wir leben im Gesundheitsbereich immer noch in Strukturen und mit Elementen, die Jahrzehnte alt sind.” Und das wollen die Lohferts ändern. Auf die Frage, warum sie stets als Brüder zusammen gearbeitet haben, antworten beiden wie aus einem Munde: “Das hat mit Qualität zu tun.”

1.500 Projekte haben sie mittlerweile bearbeitet und sie betreuen ihre Klienten über einen langen Zeitraum. “Wir schlagen nicht nur Prozessänderungen vor, sondern wir bleiben auch bei der Umsetzung am Ball.” Das kann je nach Größe des Krankenhauses bis zu sechs Jahre dauern, die sie dazu nutzen, immer wieder neu zum Nachdenken darüber anzuregen, wie der kranke Mensch in den Mittelpunkt gerückt werden kann. Das Konzept der Lohferts ist einfach: Für den Patienten erforderliche Leistungen dürfen auf keinen Fall rationiert werden. Leistungen dagegen, die für den Patienten nicht sinnvoll sind, müssen eliminiert werden. “Unser Unternehmen assistiert der Medizin bei der Frage, welche Prozesse neu zu gestalten sind, damit medizinisch unsinnige Leistungen von vornherein unterbleiben.” Und es zeigt sich, dass das dann auch wirtschaftlich sinnvoll ist.

Die Lohferts haben Freude an Kultur. Der eine spielt Harfe, der andere fotografiert in professioneller Qualität. Sie sprechen achtungsvoll von ihren Mitarbeitern, die wiederum stolz von ihren Chefs erzählen. Der Geschäftsbericht beginnt mit den Worten des Philosophen Seneca: “Wir haben nicht zu wenig Zeit, aber wir verschwenden zu viel davon.” Diese Anmerkung veranlasst die beiden, darüber nachzudenken, dass man viel Zeit für die Dinge aufwenden sollte, die man wirklich bewegen will. Und ihr Fazit: Unser Leben hat für den, der es haushälterisch verwendet, einen weiten Spielraum.
Trotz ihrer Liebe zu Philosophen sind Christoph und Peter Lohfert ganz und gar von dieser Welt: “Als wir die Nase von der Lufthansa voll hatten, weil wir immer mit Verspätung angekommen sind, haben wir den Flugschein gemacht.” Jetzt fliegen sie zu allen Terminen selbst, und auch ihre Kollegen müssen sich nicht mehr auf fremde Airlines verlassen. Inzwischen haben die Lohferts ihr sechstes Flugzeug, im Moment sogar zwei: eine Kingair, die in Hamburg stationiert ist, und eine kleinere Turbocharge Beach Bonanza. Letztere ist aber eben nur die Kleine, die als Zubringer genutzt wird, die Kingair hat dann schon sieben Plätze. Jährlich bringen es die Zwillinge auf mehr als zweihundertfünfzig Flüge. “Wenn man ehrlich ist, muss man sagen, dass Fliegen sogar viel weniger anstrengend ist als Autofahren. Alles ist präziser, und das ganze Cockpit ist wesentlich professioneller ausgestattet”, entgegnet Christoph Lohfert dem Einwand, ob das nicht viel zu anstrengend und gefährlich sei.

Die Lohferts sind einen Schritt weiter als viele andere. Sie denken in der Medizin an Netzwerke und nicht an fachorientierte vertikale Ausrichtungen. Fragt man danach, was Lohfert & Lohfert von anderen Beratungsunternehmen unterschiedet, dann heißt es: “Ein Punkt ist da ganz wichtig: Wir sind angstfrei.” Denken in Systemen ist ihnen wichtig. “Sie dürfen vor einem C4-Professor nicht das Zittern anfangen, sonst wird das nichts.” Die Lohferts wollen Medizinorganisationen modernisieren und ihnen den Weg in die Zukunft ebnen, immer zum Wohle des Patienten. Das ist ihre Vision und die Triebfeder für die täglich Begeisterung für ihre Arbeit. Und auf die Frage nach der Zukunft, ob es für die Endsechziger nicht langsam Zeit wird, ans Aufhören zu denken, kommt wie aus der Pistole geschossen und unisono die Antwort: “Hier wird im Sattel gestorben.”  <<
Sara Stern

Fotos: Volkmar Otto

 


 

Zur Person
Peter Lohfert
hat an der Technischen Hochschule Hannover und an der Königlichen Kunsthochschule Stockholm Architektur studiert. Er war von 1962 bis 1964 Projektleiter für Krankenhausbau in Stockholm, Lund und Kopenhagen. 1969 gründen die Zwillinge Lohfert das Institut für Funktionsanalyse Kopenhagen. 1973 promoviert Peter in Berlin zum Dr. Ing. und studiert bis 1981 Medizin in Kopenhagen, mit abschließender Approbation und Promotion. Peter Lohfert ist Vorstand der Lohfert & Lohfert AS in Kopenhagen.

 


 

Zur Person
Christoph Lohfert ist Dr. Ing. Diplom-Kaufmann und Vorstand der Lohfert & Lohfert AG Hamburg. Christoph hat Ingenieurwissenschaften an der Technischen Hochschule Hannover studiert und an der Universität Hamburg Betriebswirtschaft. Währenddessen war er in leitenden Positionen in der Finanzwirtschaft und später Generalsekretär im Tumorzentrum Hamburg. 1969 gründet er mit seinem Bruder Peter das Institut for Funktionsanalyse og Hospitalsprojektering in Hamburg, 1975 übernimmt er die Leitung der Betriebsstätte in Hamburg. Seit 1985 ist Christoph Lohfert Geschäftsführer des Instituts für Funktionsanalyse im Gesundheitswesen, das 2002 umstrukturiert wird in die Aktiengesellschaft Lohfert & Lohfert AG. Die Zwillinge Lohfert wurden 1937 im Abstand von zehn Minuten geboren.

Sara Stern
kma 07/2006 Seite: 064

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