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Gesundheitswirtschaft
Praktizierte Marktwirtschaft

Das Gesundheitswesen ist sensibel, interessengesteuert und schwer kalkulierbar. Schon der Begriff hat etwas unklares, schwer zu fassendes. Die Scheu der Politik, in einem solchen Umfeld ordnungspolitische Entscheidungen zu treffen, ist verständlich. Dagegen verbinden sich mit dem Begriff Gesundheitsmarkt vergleichsweise klare Vorstellungen. Marktgeschehen weckt zumeist positive Assoziationen. Warum? Weil wir aus einem vielfältigen Angebot wählen können, weil wir eine gewisse Vorstellung vom Wert der Waren und von deren Preise haben.

Die Besitzstandswahrer des Gesundheitswesens behaupten, Gesundheit sei keine Ware, Patienten keine Kunden, die Gesundheitswirtschaft kein Markt. Zugegeben: Blut ist ein besonderer Saft, und Gesundheit ist ein besonderes Gut. Aber müssen deshalb Gesundheitsdienstleistungen wie im Sozialismus rationiert, geplant und zugeteilt werden? Zuteilungsmechanismen überleben sich normalerweise in dem Moment, wo das Angebot die Nachfrage übersteigt. In der Gesundheitswirtschaft ist das seit vielen Jahren so. Dies wird sowohl von der Politik als auch von Brancheninsidern immer wieder festgestellt.

Und die Gesundheitswirtschaft ist die treibende Innovationskraft und das aussichtsreichste Wachstumssegment unserer hoch entwickelten Volkswirtschaft. Hier schlummern enorme wirtschaftliche Potentiale im In- und Ausland. Weshalb dann das Zögern und die politische Schamhaftigkeit, die Branche als dynamisches Element für die Zukunftssicherung der Volkswirtschaft zu akzeptieren?

In Wirklichkeit existiert die heile Traumwelt der Politik längst nicht mehr, regelt der Markt seine Fragen ganz alleine. Der Ausverkauf der in öffentlicher Trägerschaft befindlichen Krankenhäuser und Sozialeinrichtungen ist in vollem Gange, Privatisierung ein lukratives Geschäft – nicht nur für die beteiligten Wirtschaftsprüfer und Berater. Wer die Gunst der Stunde zu nutzen weiß, realisiert große Vermögenswerte. Der Verkaufspreis der Helios-Kliniken etwa übertraf den Jahresumsatz der Klinikkette um 300 Millionen Euro. Welche Branche bietet mehr?

Oder nehmen wir den Streik der Ärzte für das, was er ist: Der erfolgreiche Kampf einer Berufsgruppe für ihre eigenen Interessen. Für das Ergebnis kann man dem Marburger Bund den Respekt nicht versagen. Die Ärzte haben ihren “Marktwert” erkannt und dessen Anerkennung durchgesetzt. Andere Berufsgruppen werden folgen. Wer noch nicht verstanden hat, mag dies beklagen. Für alle anderen ist es praktizierte Marktwirtschaft.  <<

kma 08/2006 Seite: 003

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