Inhaltsverzeichnis

Editorial

Namen & Nachrichten

Recht

Namen & Nachrichten

Politik

Wirtschaft

Börse

Management

Facility Management

Spezial

Beruf & Karriere

FKT Nachrichten

ÖVKT Nachrichten

Branche

Kommentar

Vorschau

PDF   Kommentieren   E-Mail

Gesundheitswirtschaft

Risiko-Struktur-Ausgleich

Was an Begrifflichkeiten gewaltig aufgetürmt wird, hat oft wenig mit dem zu tun, worum es eigentlich geht. Strukturelle Risiken werden in unserem Gesundheitswesen längst durchgereicht.

Die Politik „delegiert“ die gesellschaftlichen Risiken wie Arbeitslosigkeit, kürzere Beschäftigungszeiten, demografische Auswirkungen an die Krankenversicherungen. Gleichzeitig werden die gesetzlich deklarierten Risikozulagen wie Tabak-, Alkohol- und Ökosteuer gesamtgesellschaftlich kassiert und der Gesundheitswirtschaft entzogen. Zum „Ausgleich“ dafür dürfen die Krankenversicherungen die Morbiditätsrisiken auf die Leistungserbringer durchreichen, mit dem strukturellen Effekt sinkender Punktwerte für niedergelassene Ärzte und erodierender Einnahmen für Krankenhäuser oder Reha-Kliniken.

Politisch beliebig werden den Anbietern in der Gesundheitswirtschaft „Sanierungsbeiträge“ abverlangt. Zu Risiken und Nebenwirkungen dieser Heilmittel erfahren wir nichts. Patienten sollen beteiligt, aber nicht belastet werden. Zum Ausgleich delegiert der Einzelne die Kosten seines Gesundheitsrisikos zurück an die so genannte Solidargemeinschaft.

Die Weihnachtszeit ist die Zeit des Friedens, der Freude und der Hoffnung. Freuen wir uns: Der Risiko-Struktur-Ausgleich funktioniert! Ob er durch DMP und IVS oder die Streitereien um kassenartenübergreifende Finanztransfers besser oder schlechter werden soll, ist eigentlich unerheblich. Dem Bürger wird fälschlicherweise immer noch suggeriert, dass die Möglichkeiten in unserem Gesundheitswesen nahezu unbegrenzt und die Teilhabe am medizinisch-technischen Fortschritt allen uneingeschränkt zugänglich sei.

Zu beklagen ist, dass die Gesundheitswirtschaft von der konjunkturellen Belebung unserer Volkswirtschaft abgekoppelt ist und weiterhin (ver-)ordnungpolitisch stranguliert wird. Zu beklagen ist auch das Risiko, dass eine strukturelle Erneuerung dem Ausgleich der politischen Koalitionäre geopfert wurde.
Gesundheitswesen oder Gesundheitswirtschaft? Zu hoffen bleibt auf die Zeit nach der großen Koalition oder auf unser aller Einsicht, dass man Risiken für den Ausgleich vermeiden sollte. Nur dann wären Nebenindikationen, wie die allseits weiter wuchernde Bürokratie, wirkungsvoll zu therapieren und eine gesunde Gesellschaft als Leitbild der künftigen Entwicklung glaubhaft zu formulieren.

Der Verband der Krankenhausdirektoren hat dazu mit acht Thesen einige vernünftige Vorschläge parat. Zum Beispiel, Prävention und private Vorsorgeaufwendungen steuerlich anzuerkennen. Das könnte dem kränkelnden Gesundheitswesen bei der Salutogenese helfen und Risiken bestehender Strukturen ausgleichen – mit oder ohne Gesundheitsfonds.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern eine frohe Weihnacht und ein gesundes und erfolgreiches 2007.


Mirko von Restorff
kma 12/2006 - Seite: 003

Kommentar hinzufügen

Hinweis: Kommentare können von allen Besuchern gelesen werden. Nutzen Sie daher bitte die Kommentarfunktion ausschließlich für einen Kommentar zu diesem Artikel. Allgemeine Fragen zum Artikel können Sie gerne über das Kontaktformular an uns richten.

Ihr Name:*
Betreff:*
Kommentar:*
Sicherheitscode:* 

Bitte Lösung der gestellten Rechenaufgabe eintragen!
 
* Pflichtfelder