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Privatisierung

Unschuld verloren

Die Privatisierung einer kommunalen Klinik hat für alle Beteiligten erhebliche Auswirkungen. Die Kommune erleidet zunächst einen Gesichtsverlust, hat sie sich doch außer Stande gezeigt, aus eigener Kraft den Erhalt eines für notwendig erachteten Krankenhauses sicher zu stellen. Andererseits wird sie mit der Privatisierung ein erhebliches Haushaltsrisiko los und kann sich vor den Bürgern damit brüsten, in ihrem Sinne die drohende Schließung verhindert zu haben.

Der private Erwerber muss sofort nach Übernahme meist erhebliche Mittel in die Sanierung der Klinik investieren – in den Bau wie auch in die Ausstattung und die Neuorganisation der Abläufe. Andererseits erhält er bei richtiger Auswahl einen wertvollen Baustein für sein Portfolio und kann so seine Marktposition stärken.

Die Beschäftigten der Klinik sehen sich veränderten Arbeitsbedingungen ausgesetzt. Das tendenziell bequeme Leben im Schutz des öffentlichen Tarifrechts nimmt ein Ende. Mehr Engagement und Eigenverantwortung sind gefragt, meist gibt es zunächst einmal finanzielle Einbußen. Andererseits bleiben für die meisten die Arbeitsplätze erhalten, und nach bisherigen Erfahrungen nimmt nach einer Anlaufzeit die Arbeitszufriedenheit unter privater Führung eher zu.
Nun hat mit Helios zum ersten Mal ein Privater eine Klinik nach zweijährigem Sanierungsversuch an die Kommune zurückgegeben, die das Krankenhaus mangels Alternativen endgültig schließen muss. Im baden-württembergischen Herbolzheim gibt es jetzt regelmäßig Demonstrationen, und die Krankenhauswelt wird nie mehr sein wie zuvor, ist doch klar geworden, dass auch für die Privaten die Bäume nicht in den Himmel wachsen.

Auf der Suche nach den Ursachen, hört man verschiedene Erklärungen. Die Fresenius-Tochter Wittgensteiner Kliniken AG, die im Jahr 2002 74 Prozent der Anteile übernommen hatte, verstand eben einfach zu wenig von Akutkrankenhäusern und hat sich schlicht verkalkuliert, sagen die einen. Nach der Übernahme von Helios durch Fresenius haben die dann zuständigen Helios-Manager eine Entscheidung, die nicht in ihre Strategie passt, zulasten der Kommune korrigiert, sagen die anderen.

Jedenfalls hat Helios und haben mit ihm alle privaten Betreiber ihre Unschuld verloren. Privatisierungen werden künftig anders verlaufen. Die Betriebswirte werden vorsichtiger rechnen, was ihre Bereitschaft weiter verringern wird, strategische Kaufpreise zu zahlen. Schon im letzten Jahr verliefen Verkaufsverfahren oft zäh und langwierig, wurden häufig nicht die von der Politik erwünschten Preise erzielt. Jetzt dürften die meisten kleinen Problemkliniken, zumal in ungünstigen Randlagen, komplett unverkäuflich geworden sein. Damit bleibt die Politik künftig auf den finanziellen Folgen ihrer verfehlten Krankenhauspolitik sitzen und muss auch die Schläge selbst einstecken, die mit Klinik-Restrukturierungen oder gar Schließungen einher gehen. 

kma 01/2007 - Seite: 84

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