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LBK Hamburg

Ohne Fingerspitzengefühl

Als der private Krankenhausbetreiber Asklepios die Hälfte der Hamburger Landesbetriebe Krankenhaus (LBK) übernahm, blickten Insider staunend nach Hamburg. Trotz eines ablehnenden Bürgervotums hatte der frischgebackene Erste Bürgermeister Ole von Beust die Häuser privatisiert – ein mutiger, politisch nicht ungefährlicher Akt.

Ballast des Hamburger Haushalts sollte abgeworfen werden. Am Ende könnte sich herausstellen, dass von Beust sich eine schwere persönliche Last aufgeladen hat. Asklepios agierte von der ersten Stunde an politisch ungeschickt. Statt erst einmal Vertrauen zu schaffen und die beunruhigten Hamburger Bürger zu besänftigen, vergraulte die Führung die bewährte und mit den Hamburger Medien vertraute Presseabteilung – ein schwerer Fehler. Der inzwischen geschasste Hamburger Asklepios-Chef Heiner Meyer zu Lösebeck brachte mit seinem Führungsstil Mitarbeiter und Öffentlichkeit gegen Asklepios auf. Auch die verantwortlichen Senatoren gingen auf Distanz zu ihrem favorisierten privaten Krankenhausbetreiber.

Nun sind Unternehmen keine politischen Gruppierungen, aber sie sind Teil der Gesellschaft und stehen ihr gegenüber in öffentlicher Verantwortung. Für private Krankenhausbetreiber, die zudem wesentliche Teile öffentlicher Verantwortung – wie die medizinische Sicherung der Bürger – übernehmen, ist politische Sensibilität geradezu eine Daseinsvoraussetzung. Es wird gefährlich, wenn ein Mann wie Ulrich Marseille öffentlich feststellen kann: “Asklepios kann mit seiner Marktmacht selbst den Senat politisch vor sich hertreiben”.

Wie anders dagegen verläuft der Privatisierungsprozess bei der Universitätsklinik Gießen/Marburg. Auch hier gilt es, vielfältige politische Rücksichten zu nehmen. Und auch hier verläuft sicherlich nicht alles nach den Vorstellungen der übernommenen Mitarbeiter. Dennoch hat die Rhön-Führung es unter der Leitung von Ge­rald Meder verstanden, den meisten Minen auszuweichen. Während in Hessen der zur Verfügung gestellte Sozialfonds von 30 Millionen Euro für Härtefälle bei der Personalumstukturierung nicht voll ausgeschöpft wurde, stehen in Hamburg etwa 2.000 LBK-Flüchtlinge vor den Türen des Senats.

In der Hansestadt wird demnächst wieder gewählt, und Ole von Beust mag sich im Stillen schon einmal gewünscht haben, er hätte nach der letzten Wahl anders entschieden. Sein Kontrahent Michael Naumann, SPD-Spitzenkandidat und Zeit-Herausgeber, nutzt jedenfalls die LBK-Misere geschickt, um Stimmung gegen von Beust zu machen. Sollte der über den LBK stürzen, dann hätte Asklepios den privaten Krankenhausbetreibern einen Bärendienst erwiesen.

Gunter Murzin
kma 09/2007 - Seite: 003

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