Inhaltsverzeichnis

Editorial

Namen & Nachrichten

Recht

Politik

Wirtschaft

Börse

Technologie

Management

Facility Management

Spezial

Beruf & Karriere

FKT Nachrichten

ÖVKT Nachrichten

Branche

Kommentar

Vorschau

PDF   Kommentieren   E-Mail

Mit alpinen Überlebensstrategien

Die 2. ECHE vereint Europas Krankenhaustechniker

Bei seinen zahlreichen Expeditionen, in diesem Punkt ist Reinhold Messner schonungslos selbstkritisch, habe er sich letztendlich immer nur der Bewältigung des Nutzlosen gewidmet. Nicht so die Technischen Leiter im Krankenhaus. Ihr täglich Brot ist das Management des Nützlichen und Notwendigen, und dennoch können sie von Reinhold Messner eine Menge lernen:

Der ebenso eloquente wie charismatische Südtiroler Extrembergsteiger eröffnete die zweite europäische Konferenz über Krankenhaustechnik (ECHE) in Wien – damit sorgte das Gastgeberland Österreich für eine sehr individuelle Note – mit alpinen Weisheiten für die unternehmerische Anwendung. “Hauptsache, man weiß, wo der Berg steht”, lautet Messners erste und wichtigste Regel. Mit anderen Worten: Man muss seine Ziele klar definieren und sich auch mit dem Weg dorthin auseinandersetzen. Motivation entsteht für Reinhold Messner daraufhin aus der absoluten Identifikation mit dem gesetzten Ziel, das zu erreichen mitunter auch einen enormen Leistungswillen bis hin zur Leidensfähigkeit erfordert. Was auf den ersten Blick lächerlich banal klingt, beinhaltet im Grunde die wichtigsten unternehmerischen Voraussetzungen für den immer härter werdenden Konkurrenzkampf auf dem Gesundheitsmarkt. Die Krankenhäuser kommen nicht länger umhin, ihre Ziele klar zu definieren, sogenannte kurative Leitbilder zu entwickeln und Strategien zu erarbeiten, wie sie die gesetzten Ziele erreichen, ihre Leitbilder mit Leben erfüllen wollen. Bei der Umsetzung ihrer Ziele sehen sich die Verantwortlichen in den Krankenhäusern mitunter einem enormen Leistungsdruck gegenüber. Motivation kann auch hier aus der Identifikation mit dem Ziel entstehen. “Die Wahrheit von heute wird dabei nicht selten umgeworfen und durch eine neue ersetzt”, gibt Messner weiter zu bedenken. Glaubte man bis vor kurzem noch, dass die Besteigung von 8000ern ohne Sauerstoffflaschen unmöglich wäre, musste sich die Zunft der Bergsteiger von Reinhold Messner diesbezüglich eines Besseren belehren lassen. Auch die Erneuerung der Krankenhäuser wird Querdenker und Revolutionäre brauchen, die alte Strukturen aufbrechen und etwas Neues, bisher vielleicht für unmöglich oder undenkbar Gehaltenes wagen, um den gewünschten Fortschritt zu erzielen. Mit der oft anzutreffenden Vehemenz auf dem Status quo oder althergebrachten Thesen zu beharren, bringt die Krankenhäuser nicht weiter.

Der Reiz des Bergsteigens, erörtert Messner den Antrieb seines Handelns, liege wohl im Widerstand gegen den immer wieder herausgeforderten Tod. Auch hieraus lässt sich durchaus eine, wenn auch makabere, Parallele zum Gesundheitswesen ableiten. Unternehmerisches Handeln im Krankenhaus wird derzeit für alle Beteiligten – allen voran auch für die Technischen Leiter – mehr und mehr zum Kampf gegen die allen Häusern drohende Schließung oder für die Technik auch zum Kampf gegen das Outsourcing. Fehler zu machen, nicht ausreichend motiviert zu sein oder die eigenen Fähigkeiten nicht richtig einzuschätzen, kann auch im Krankenhaus letale Folgen haben und/oder ins unternehmerische Aus führen.

Um ihre Krankenhäuser davor zu bewahren und mit aktuellsten Kenntnissen an der Gestaltung nachhaltiger und zukunftstauglicher Strategien mitarbeiten zu können, trafen sich in Wien an die 500 Technische Leiter, Krankenhausplaner, Vertreter der die Krankenhäuser beliefernden Industrie, Dienstleister und andere – eben alle, die mit der Technik im Krankenhaus im weitesten Sinne zu tun haben –, um neueste Erkenntnisse und bewährte Methoden und Verfahren auszutauschen. Das Programm der 2. ECHE trug Messners alpinen Weisheiten, übertragen auf die Herausforderungen in der Krankenhaustechnik, in allen Bereichen Rechnung: Von der Erarbeitung klarer Ziele und der Entwicklung individueller Zukunftsvisionen über die Motivation und die strategische Planung bis hin zum technischen Querdenken und dem so wichtigen Umwelt- und Klimaschutz waren in Wien alle Bergsteigerregeln bestens ins Metier der Krankenhaustechnik übersetzt und mit ansprechenden Inhalten gefüllt worden. Selbst dem Hang des Extrembergsteigers zu besonders hohen Bergen trug das Allgemeine Krankenhaus der Stadt Wien als Veranstaltungsort Rechnung. Das AKH ist mit seinen 36 Universitätskliniken und Universitätsinstituten, 2189 Betten und umfangreichen Forschungs- und Lehreinrichtungen auf 850.000 m2 Raumfläche einer der größten Betriebe Österreichs und Europas auf einem Standort. Es konnte im Rahmen des umfassenden Besichtigungsprogramms und auch in zahlreichen Vorträgen immer wieder mit Extremen und Superlativen aufwarten und bildete allein schon durch diesen Gigantismus ein informatives Highlight für die Besucher.

Auch wenn in erster Linie Österreicher, Deutsche und Schweizer die Foren der ECHE füllten, war das internationale Flair der Veranstaltung doch deutlich spürbar. Das simultan ins Englische und Französische übersetzte, vorzugsweise deutsche Tagungsprogramm war mit Beiträgen vor allem aus Skandinavien, Benelux, Frankreich und Italien gut durchwachsen. Sie zeigten deutlich, dass es durchaus Themen gibt, in denen man von der in anderen Nationen üblichen Vorgehensweise lernen und profitieren kann – und sei es nur aus der Art und Weise, wie an die Themen herangegangen wird. In Frankreich beispielsweise wurde der Umweltschutz als Thema sehr viel später erkannt als in den sogenannten D-A-CH-Ländern. Nachahmenswert erscheint jedoch die Konsequenz, mit der der Umweltschutz in Frankreich nun umgesetzt wird.

Auch der internationale Austausch während der gut genutzten Kommunikationspausen führte deutlich sichtbar dazu, dass Europas Krankenhaustechniker wieder ein Stück enger zusammenrückten. Dennoch sieht Detlef Mostler in diesem Punkt noch ein deutliches Verbesserungspotenzial der ECHE. Europäische Wirklichkeit zu leben, würde bedeuten, dass in Zukunft deutlich mehr Krankenhausvertreter die Reise ins Ausland wagen, um sich dort mit ihren Berufskollegen aus anderen europäischen Mitgliedsstaaten auszutauschen. “Dazu müssen wir alle wohl noch lernen, ein Stück mehr über unseren nationalen Tellerrand zu blicken”, mutmaßt der Präsident des Österreichischen Verbandes der KrankenhaustechnikerInnen (ÖVKT).

Dennoch blickt Mostler mit berechtigtem Stolz auf die 2. ECHE zurück. Für ein so kleines Land wie Österreich und eine ebenso kleine Technikervereinigung wie dem ÖVKT war es eine große Herausforderung, eine europäische Veranstaltung auszurichten, die mithilfe des Hauptsponsors, der Vamed-Gruppe, mit Bravour gemeistert wurde. Mehr als 40 Vorträge, deren Referenten in aller Regel hielten, was der Titel versprach, eine große Industrieausstellung und nicht zuletzt ein überaus gelungenes Rahmenprogramm machten die diesjährige ECHE wieder zu einer bedeutenden Kommunikationsplattform in Sachen Krankenhaustechnik. Bleibt nur zu hoffen, dass sich auch für die nächste geplante ECHE in zwei Jahren ein Veranstalter findet, damit das zarte Pflänzchen europäischer Zusammenarbeit in der Krankenhaustechnik weiterhin wachsen und gedeihen kann.



Querdenken in der Technik
Dass Wahrheiten von heute morgen schon überholt sein können, wie Reinhold Messner in seinem Eröffnungsvortrag anlässlich der ECHE so treffend darstellte, zeigte in Wien unter anderem ein Vortrag von Martin Scherrer vom Experimental-OP in Tübingen über die Notwendigkeit ableitfähiger Böden im OP. Obwohl weder die heute zum Einsatz kommenden Narkosemittel noch die im OP benutzten Desinfektionsmittel und Operationsmethoden Risiken aufwerfen, die den Einsatz ableitfähiger Böden weiterhin erfordern würden, hält man in den meisten Krankenhäusern daran fest, OPs mit diesen sehr viel teureren Belägen auszustatten. Doch es gibt auch in der Krankenhausszene bereits Quer- und Vordenker: Jörg Demmler, Leiter des Bereichs Technik bei der Rhön-Klinikum AG, ist einer von ihnen. In der innovativen Klinikkette werden OPs nicht länger mit ableitfähigen Böden ausgestattet – ohne negative Folgen für Patienten und Personal, versteht sich. Man müsse zwischendurch eben immer wieder den Sinn und Zweck der im Krankenhaus ergriffenen Maßnahmen hinterfragen, vor allem wenn sie teures Geld kosten, betont Demmler. Fallen die Gründe weg, die Sicherheitsvorkehrungen wie einen ableitfähigen Boden erfordern, mache es wenig Sinn, weiterhin an dieser Vorgehensweise festzuhalten. Dass OPs mit ableitfähigen Böden ausgestattet wurden, war in erster Linie im Einsatz des Narkosegases Halothan begründet. In Verbindung mit Sauerstoff kann Halothan ein explosives Gas bilden. Da dieses Narkosegas heute jedoch in kaum mehr einer Klinik zum Einsatz kommt, gibt es keinen Grund, warum man OPs nach wie vor mit ableitfähigen Böden ausstatten sollte.

Mehr zum Vortragsprogramm der 2. ECHE in Wien lesen Sie im Technik-Supplement der KMA im Dezember.

Maria Thalmayr
kma 10/2007 - Seite: 104

Kommentar hinzufügen

Hinweis: Kommentare können von allen Besuchern gelesen werden. Nutzen Sie daher bitte die Kommentarfunktion ausschließlich für einen Kommentar zu diesem Artikel. Allgemeine Fragen zum Artikel können Sie gerne über das Kontaktformular an uns richten.

Ihr Name:*
Betreff:*
Kommentar:*
Sicherheitscode:* 

Bitte Lösung der gestellten Rechenaufgabe eintragen!
 
* Pflichtfelder