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Lüftungstechnik

Die Normen und ihre Umsetzung

Unter dem Leitthema ”Es liegt was in der Raumluft” beschäftigten sich die rund 60 Teilnehmer einer Fortbildungsveranstaltung der FKT-Regionalgruppe NRW-Süd einen Tag lang ausschließlich mit Klima- und Lüftungstechnik und den dazugehörigen Brandschutzmaßnahmen – vor allem im OP.

Im Mittelpunkt standen dabei natürlich die entsprechenden Regelwerke VDI 6022, DIN 1946/4 sowie VDI 2071/1 und ihre Umsetzung in die Praxis. Lüftungsgeräte für Krankenhäuser müssen so beschaffen sein, dass ein physiologisch günstiges Raumklima und eine hygienisch einwandfreie Qualität der Innenraumluft gewährleistet sind. Wartung, technischer Funktionskontrolle und Hygieneüberwachung kommt hierbei ein hoher Stellenwert zu. Die Rahmenbedingungen sind in der DIN VDI 6022 enthalten. Herbert Schartmann, VDI, Sachverständiger für Lüftungsgeräte, erörterte die wichtigsten Anforderungen an die Klimatechnik, wie zum Beispiel:

  • Die verwendeten Materialien müssen geruchsneutral und gesundheitlich unbedenklich sein.
  • Hygienekontrollen müssen möglich sein.
  • Ventilator, Filter, Be- und Entfeuchter müssen zugänglich und einsehbar sein.
  • Filter möglichst zweistufig (empfohlen F5 und F7, besser F7 und F9).
  • Taupunktunterschreitungen im Filter vermeiden.
  • Befeuchter aus Kunststoff oder Edelmetall.
  • Befeuchterwanne muss entleerbar sein.
  • Kühler mindestens 1 Grad Gefälle.
  • Kühler nicht vor Filter oder vor Schalldämpfer.
  • Ventilator mit Ablauf und Stopfen, ab Baugröße 400 mit Revisionsstopfen.

Außerdem legte Schartmann den Tagungsteilnehmern den sachgerechten Betrieb, Instandhaltungsmaßnahmen und die Durchführung hygienischer Kontrollen an Lüftungsanlagen dar.

Für die Belüftung hygienisch besonders anspruchsvoller Bereiche wie zum Beispiel OPs gelten in Deutschland zwei Regelwerke parallel. Prof. Dr. Rüdiger Külpmann, Leiter der Sektion RLT in der DGKH, referierte über Inhalt und Stand der DIN 1946/4 und VDI 2167/1. Für beide Regelwerke sieht der Hygieneprofi in verschiedenen Punkten noch Überarbeitungsbedarf. Seiner Meinung nach sollten sie ohnehin dringend zu einem zusammengefasst werden. Das Hauptproblem für die Anwender: Die DIN 1946/4 enthalte wie so viele europäische Normen nur Zielvorgaben, aber keine Kochrezepte.

Entsprechend schwierig gestalte sich die Umsetzung. Sie fordert eine dynamische Schutzzone durch Herstellung einer turbulenzarmen Verdrängungsströmung in ausreichender Größe über dem OP-Feld und über den Instrumententischen. Sehr diffizil für die Krankenhäuser erweisen sich hier die Instandhaltung, hygienische Kontrollen und der laufende Nachweis der Schutzfunktion, zumal die Rolle der Raumluft als Ursache für postoperative Wundinfektionen nach wie vor umstritten ist. Wichtig sei es für die juristische Absicherung, Verantwortlichkeiten klar abzugrenzen und schriftlich zu dokumentieren und ein Pflichtenheft für das entsprechende Qualitätsmanagement zu erarbeiten. Da bei den Sachverständigen auf diesem Gebiet derzeit noch große Kenntnisunterschiede anzutreffen seien, prüfe erst, wer sich vertraglich binde.

Külpmann erörterte mögliche Raumkonzepte, Sanierungsansätze beim Anlagenbestand und auch Wege, Energie einzusparen. Bei alledem betonte er, müsse man sich jedoch vor Augen halten, dass die Energiekosten nur 5 bis 8 Prozent der Jahreskosten für die OP-Raumklimatisierung ausmachen. Sicher sinnvoll ist, dass beide Normen erhöhte Anforderungen an Oberflächen, Zugänglichkeit, Reinigungsfähigkeit für Geräte und Kanalnetz in hygienerelevanten Bereichen sowie an die Luftdichtigkeit stellen. „Die Aufgaben der Krankenhaushygiene beim Betrieb von RLT-Anlagen in medizinischen Einrichtungen“ war das Thema von Wolfgang Büchel. Unter Berücksichtigung des Infektionsschutzgesetzes, des Landeskrankenhausgesetzes, der Krankenhaushygieneverordnung NRW, der Arbeitsstättenverordnung, der Biostoffverordnung und der Trinkwasserverordnung zeigte Büchel auf, wie die hygienische Abnahme und Kontrolle aller Sanierungs-, Um- und Neubauvorhaben von Krankenhausbereichen einschließlich ihrer technischen Einrichtungen ordnungsgemäß durchgeführt wird und was bei der Routineüberwachung oder Störfällen zu tun ist.

Rolf-Werner Stumpf, förderndes Mitglied der FKT, beantwortete den Tagungsteilnehmern die durch die vorangegangenen Referate heraufbeschworene Frage nach dem „Was nun?“ und brachte die Praxisprobleme zur Sprache. Anlagen, die vor Erscheinen des Weißdrucks der VKI 6022 fertiggestellt wurden, gelten als Altanlagen mit Bestandsschutz. Der Wartungs- und Instandhaltungszustand dieser Anlagen muss den Anforderungen der DIN 6022 Blatt 1 in der überarbeiteten Fassung vom April 2006 entsprechen. Bei RLT-Anlagen mit hohem Alter weist die Glasvlieskaschierung oft Beschädigungen auf. In den beschädigten Bereichen kann es zu einer Freisetzung von Mineralfasern an die Luft kommen. Die freigesetzten Fasern sind gemäß TRGS Paragraf 21 als potenziell kanzerogen einzustufen. Die Innenseiten aller Gerätekammern sollte man in solchen Fällen mit verzinktem Stahlblech faserdicht verkleiden.

Oft finde man heute, so Stumpf weiter, außerdem Anlagen vor, bei denen sich eine Sanierung aufgrund der räumlichen Situation sehr schwierig gestalte. Geräte müssen zerlegt und wieder zusammengebaut werden. Die Planungskosten werden in solchen Fällen oft unterschätzt. Bevor sich die Betreiber von alten RLT-Anlagen trennen, sollten daher intensive Beratungsgespräche stattfinden. Oft sei eine Sanierung in Etappen eine gesunde Alternative, besonders vor dem Hintergrund, dass diese Kosten versteckte Kosten sind, die zwar der Bausubstanz und dem Patienten nutzen, aber für die Klinik selber nur einen Kostenverursacher darstellen. Von vielen Fachplanern werde diese Vorgehensweise in der heutigen schnelllebigen Wegwerfgesellschaft jedoch leider meist nicht ins Auge gefasst.


Die FKT auf der Medica

Während der diesjährigen Medica vom 19. bis 22. November in Düsseldorf wird die Fachvereinigung Krankenhaustechnik in bekannter Manier auf dem Ausstel­lungsstand der kma in Halle 15 Stand A34 mit vertreten sein. Der Vorstand steht seinen Mitgliedern hier am 21. November von 11 bis 12 Uhr für persönliche Gespräche zur Verfügung.

Maria Thalmayr
kma 10/2008 - Seite: 085-086

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