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ÖVKT-Tagung in Pörtschach 2008

Nachhaltige Krankenhaustechnik

Haben Krankenhäuser, die die Umwelt belasten, Ressourcen verschwenden und die Gesundheit ihrer Mitarbeiter aufs Spiel setzen, eine Zukunft? Wohl kaum – in dieser Frage herrschte Konsens auf der diesjährigen ÖVKT-Tagung. Doch wie soll es aussehen, das nachhaltige Krankenhaus, und was können TechnikerInnen zu seiner Erschaffung beitragen?

Vom 24. bis 26. September diskutierten die Österreichischen KrankenhaustechnikerInnen auf ihrer diesjährigen Jahrestagung Antworten auf diese brisanten Fragen. Dass das rein von monetären Überlegungen beherrschte Krankenhausmanagement der zurückliegenden Jahrzehnte nicht geeignet ist, eine auf Dauer leistungsstarke und ganzheitlich gesundheitsfördernde stationäre Versorgung zu gewährleisten, wird immer deutlicher. Nur wenn soziale, ökologische und ökonomische Aspekte gleichermaßen berücksichtigt und unter einen Hut gebracht werden, entstehe letztendlich Nachhaltigkeit, betonte Karl Purzner vom Wiener Krankenanstaltenverbund. In einem Modellhaus – dem Otto-Wagner-Spital – konnte dort bereits bewiesen werden, dass ein ausgewogenes und gleichwertiges Nebeneinander der drei Unternehmenssäulen durchaus möglich ist, dass sich Wirtschaftlichkeit, Umweltschutz und Menschenfreundlichkeit nicht zwangläufig widersprechen.

Wolle man sich auf lange Sicht nicht das eigene Wasser abgraben, müsse man die verknappenden Ressourcen so sparsam wie nur möglich einsetzen. Sollen sich auch morgen noch engagierte Mitarbeiter um das Wohl der Patienten bemühen, muss man sich heute um den Erhalt von deren Leistungsfähigkeit und um ihre Zufriedenheit bemühen. Will man vermeiden, dass das Krankenhaus zum krank machenden Haus wird, dann muss der Umwelt- und Gesundheitsschutz dort mindestens so wichtig sein wie das liebe Geld.
„Wer solche Vorträge hört und an die eigene Situation denkt, kann schon in die Verzweiflung geraten“, merkte Purzner dazu verständnisvoll an und rettete die Teilnehmer der Tagung mit einem Clip von Madonna vor der drohenden Depression: „Hey you, don‘t give up. There‘s still a chance for us!“ Diese Chance zu ergreifen, erfordere allerdings ein rigoroses Umdenken, das Rühren an Tabus und die Entwicklung einer völlig neuen Lernkultur im Krankenhaus. Sämtliches vorhandenes Wissen müsse in anstehende Entscheidungen einfließen und viel effektiver genutzt werden. Allein durch die Ideen und das Wissen der eigenen Mitarbeiter lasse sich sehr viel bewegen. Dieses Potenzial liege derzeit jedoch in den meisten Krankenhäusern brach. Zudem müssten probate Lösungskonzepte konsequenter, konzentrierter und kooperativer verfolgt werden. Dass im Krankenhaus sehr viele anerkanntermaßen gute Konzepte und Maßnahmen nicht genutzt werden – wie zum Beispiel auch der Einsatz regenerativer Energien – sei weniger ein Technik- als viel mehr ein Kosten- und auch Motivationsproblem, betonte Josef Spitzer von der Johanneum Researsch Forschungs­gesellschaft mbH, Graz.
Die Möglichkeiten der TechnikerInnen, zu mehr Nachhaltigkeit ihrer Krankenhäuser beizutragen, sind vielfältig: Ökologisches Bauen, weitestgehende Energieeffizienz, der sparsame Umgang mit Ressourcen sind nur einige Themen, deren Möglichkeiten und Grenzen in Pörtschach ausführlich behandelt wurden. Der Architekt Tom Guthknecht geht mit seinen Forderungen noch weiter: Planer und TechnikerInnen müssen sich an der Entwicklung strategischer Konzepte beteiligen, die das Überleben ihrer Häuser sichern. Denn „das Krankenhaus der Zukunft ist zunächst ganz einfach eines, das es weiterhin gibt“. Da eine Steigerung der Einnahmen im medizinischen Bereich durch das derzeitige System schlicht nicht möglich sei, sollten die Krankenhäuser vor allen Dingen danach trachten, sich neue Einnahmequellen zu erschließen: durch einen Wellnessbereich beispielsweise, durch Fitnessstudios, eine Patientenlounge im Wartebereich und vieles mehr. Dem Ideenreichtum seien hier praktisch keine Grenzen gesetzt. Das Heil weiterhin in der Optimierung von Einzelprozessen zu suchen, führe seiner Meinung nach in eine Sackgasse. Verbesserte Teilbereiche optimieren nicht gleichzeitig das Gesamtsystem. Und: Das Hauptproblem der Krankenhäuser liege ganz klar auf der Einnahmen- und nicht auf der Ausgabenseite.

Dieser kleine Einblick in einen Teil des Tagungsgeschehens zeigt: In Pörtschach wurde auf hohem Niveau und kreativ an den Gesundheitszentren von morgen gearbeitet. „Die Büßergeneration für unser wenig nachhaltiges Handeln ist bereits geboren“, mahnte Detlef Mostler, Präsident der Österreichischen KrankenhaustechnikerInnen. Sie treten ein schwieriges Erbe an und sollten Unterstützung erfahren.

Maria Thalmayr
kma 11/2008 - Seite: 168-168

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