Inhaltsverzeichnis

Editorial

Namen & Nachrichten

Rechtsdepesche

Namen & Nachrichten

Politik

Unternehmen & Märkte

Unternehmen & Märkte - Börse

Technologie

Management

Facility Management

Spezial

Beruf & Karriere

FKT Nachrichten

ÖVKT Nachrichten

Blick in die Wirtschaft

Kommentar

Vorschau

PDF   Kommentieren   E-Mail

Erst wieder in 200 Jahren?

Wirksamer Hochwasserschutz

Am 13. August 2002 wurde das Gelände des Krankenhauses Dresden-Friedrichstadt ohne Vorwarnung überflutet. Das Hochwasser – ein sogenanntes 200-jähriges Hochwasser –
verursachte 40 Millionen Euro Schaden. Seitdem wird über Fragen zum Hochwasserschutz diskutiert. Rechtfertigt die niedrige Eintrittswahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses den Verzicht auf angemessene Schutzmaßnahmen?

Darüber hinaus ist noch eine weitere wichtige Frage zu beantworten: Können Hochwasserschutzmaßnahmen, wenn ein Ereignis nur in sehr großen Abständen eintritt, betriebsfähig gehalten werden?

Es war zunächst nicht die Elbe, die die Keller des 950-Betten-Hauses voll­laufen ließ, sondern die zwei Kilometer entfernte Weißeritz. Normalerweise fließen 1 bis 2 Kubikmeter Wasser in der Sekunde das scheinbar harmlose Flüsschen hinunter. Am 13. August 2002 waren es aufgrund sintflutartiger Regenfälle 430. Das Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt galt bis dahin als nicht hochwassergefährdet. Die Elbe kam ein paar Tage später und flutete das Souterrain des Krankenhauses Friedrichstadt ein zweites Mal. Ein vergleichbares Hochwasser erlebte die sächsische Landeshauptstadt zuletzt im Jahr 1847. Sofern sich das Wetter an Statistiken hält, sollte also für die nächsten 155 Jahre erst einmal Ruhe sein – möchte man meinen.

Möchte man meinen, heißt: Hier ist der Wunsch der Vater des Gedanken. Meteorologen und Klimaforscher stellen uns eine andere Realität in Aussicht: Extreme Wetterverhältnisse, Hitzeperioden, Stürme und länger andauernder Starkregen, so steht es überall zu lesen, werden uns künftig häufiger in Atem halten. Haben angesichts solcher Prog­nosen die alten Richtwerte überhaupt noch Gültigkeit? Ist ein 200-jähriges Hochwasser überhaupt noch ein solches? Wer garantiert, dass Weißeritz und Elbe nicht schon sehr viel früher wieder über die Ufer treten?

Risiken lassen sich rechnerisch als Produkt aus Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenshöhe bewerten. Auch wenn die Eintrittswahrscheinlichkeit eines 200-jährigen Hochwassers sehr gering ist, sollte doch die enorme Schadenshöhe von 40 Millionen Euro Anlass zur Beunruhigung sein. Nach dem Motto „Vorsorge ist besser als Nachsorge“ ist es allemal günstiger, derart sensible Gebäude wie Krankenhäuser vor eventuellen Hochwässern zu schützen, als weitere Millionen für erforderlich gewordene Sanierungsmaßnahmen zu berappen. Vor diesem Hintergrund scheint es Peter Bartels, Technischer Leiter im Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt, unverständlich, dass Stadt und Land zwar die Mittel für die Hochwasserschadensbeseitigung bereitwillig, schnell und unbürokratisch zur Verfügung stellten, jedoch nicht einen Cent für die seiner Ansicht nach dringend erforderlichen vorbeugenden Schutzmaßnahmen wie Schotts oder Pumpen lockermachten.

Natürlich habe das Krankenhaus mittlerweile auf eigene Rechnung einiges unternommen, um beim nächsten Hochwasser nicht wieder „abzusaufen“. Zum Beispiel wurden die Kellereingänge mit Schotts versehen, die einen Wassereinbruch zwar nicht ganz verhindern, die Menge und die Geschwindigkeit des eindringenden Wassers aber deutlich verringern könnten. Einer Naturkatastrophe vom selben Ausmaß wie im Jahr 2002 wäre man jedoch nach wie vor schutzlos ausgeliefert. So wird man in den nächsten 15 Jahren wohl bei jedem stärkeren Regen sorgenvoll in den grauen Himmel blicken – so lange dauert es nämlich noch, bis regionale Hochwasserschutzmaßnahmen wie Rückhaltebecken, Talsperren und Überflutungswiesen fertiggestellt sind und die Elbmetropole zuverlässig vor Überflutungen schützen. Dresden wappnet sich durch derartige Vorkehrungen für ein 100-jähriges Hochwasser. Dass gleich wieder ein 200-jähriges kommen wird, mag sich keiner der Verantwortlichen ausmalen.

Was heißt das nun für sein Krankenhaus, fragt sich Bartels. Sollte er dennoch entsprechende Maßnahmen ergreifen, um auch für den Worst Case eines 200-jährigen Hochwassers vorbereitet zu sein? Wie können Hochwasserschutzmaßnahmen für die nächsten 200 Jahre geplant, instand gehalten und von Generation zu Generation weitergereicht werden? Gern würde sich der engagierte Technische Leiter über diese Frage mit anderen Betroffenen austauschen, in der FKT ein Forum für allgemeingültige Lösungen und Standards schaffen. Wer hat – im wahrsten Sinne des Wortes – nah am Wasser gebaut und möchte an einem solchen Forum mitwirken? Interessenten mögen sich bitte bei der Geschäftsstelle melden. 


Ein 40-Millionen-Sanierungsprojekt

Bauen und Behandeln
Noch steckt den Mitarbeitern des Krankenhauses Dresden-Friedrichstadt das Jahrhunderthochwasser von Weißeritz und Elbe in den Knochen. Das oft schwierige Nebeneinander von Bauen und Behandeln prägte in den letzten Jahren ihren Alltag. Der Technische Leiter Peter Bartels kämpft seitdem gegen das Vergessen und für einen besseren Hochwasserschutz.

850 Patienten mussten am 13. August 2002 binnen Stunden aus dem Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt evakuiert werden. Das Hochwasser hatte praktisch die gesamte Technik, Elektroversorgung, Heizung, Lüftung und Gasversorgung lahmgelegt. Nur Trinkwasser und Sauerstoff standen noch zur Verfügung. Betroffen waren 19 Gebäude mit medizinischer Nutzung und Verwaltung, die erst seit drei Monaten in Betrieb befindliche zentrale Abteilung für Physiotherapie mit einer Therapiebadeanlage beispielsweise, die Strahlentherapie mit zwei Linearbeschleunigern, das urologische Röntgen, die Zentralsterilisation und Archive, Teilbereiche der Küche sowie vor allem eben die gesamte technische Infrastruktur.

Nach ersten Einschätzungen der Technik hätte das Haus eigentlich zwei Jahre lang geschlossen und komplett saniert werden müssen. Dann stellte man sich jedoch die Fragen: „Kann eine Stadt wie Dresden zwei Jahre lang auf eine Kapazität von fast 1.000 Betten verzichten? Sollten 1.800 Mitarbeiter auf der Straße stehen? Die Antwort auf beide Fragen war ein klares Nein. Und so begann mit enormem Kraftaufwand eine Phase der Sanierung im laufenden Betrieb. Schon am vierten Tag nach der Flut wurde in der Klinik ein Kind geboren, und es konnten einige Patienten behandelt werden.

Man begann da, wo am wenigsten kaputt war, wo man mit dem geringsten Aufwand wieder eine medizinische Versorgung gewährleisten konnte, arbeitete mit Notstrom, improvisierten Gas- und Wärmeversorgungsanlagen und OP-Containern sowie mit Planern und Firmen, die das Krankenhaus und seine Anlagen kannten. „Teilweise wurde gebohrt und gehämmert, während Ärzte nur ein Stockwerk höher operierten. Über improvisierte Baustellentelefone konnten die OP-Teams bei Bedarf für Ruhe sorgen, dann stand das Geschehen auf der Baustelle für einige Minuten still“, berichtet Bartels von den extremen Bedingungen, unter denen die Patienten in Friedrichstadt mitunter versorgt werden mussten.

Eine medizinische Auslastung wie vor dem Hochwasser wurde ab August 2003 – nur ein Jahr später! – wieder erreicht. Die Wiederherstellung der technischen Anlagen war Anfang 2004 weitgehend abgeschlossen, und bis Ende 2006 waren dann auch alle baulichen Hochwasserschäden beseitigt.

Ein Sanierungsprojekt dieses Ausmaßes zeigt eindrucksvoll, was durch engen Dialog zwischen Medizin und Technik, durch gegenseitiges Verständnis und Rücksichtnahme, durch unbürokratisches Handeln und politische Hilfe sowie vor allem durch hoch motivierte Helfer geleistet werden kann, resümiert Bartels. Dennoch möchte er das alles nicht noch einmal erleben. Die Sanierung im laufenden Betrieb hatte einen Nachteil: Alles musste an derselben Stelle wieder errichtet werden. Künftig möchte der erfahrene Technische Leiter seine immer noch im Keller befindlichen technischen Anlagen vor Hochwasser schützen, den Hochwasserschutz im Krankenhaus zum
Thema machen.

Maria Thalmayr
kma 01/2009 - Seite: 068-069

Kommentar hinzufügen

Hinweis: Kommentare können von allen Besuchern gelesen werden. Nutzen Sie daher bitte die Kommentarfunktion ausschließlich für einen Kommentar zu diesem Artikel. Allgemeine Fragen zum Artikel können Sie gerne über das Kontaktformular an uns richten.

Ihr Name:*
Betreff:*
Kommentar:*
Sicherheitscode:* 

Bitte Lösung der gestellten Rechenaufgabe eintragen!
 
* Pflichtfelder