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Gesundheitswirtschaft

Ein „automatischer Stabilisator”?

In diesen Wochen und Monaten gewöhnt sich eine staunende Öffentlichkeit an unfassliche Minuszahlen: schuldenfinanzierte öffentliche Mehrausgaben in Milliardenhöhe; ein Absturz der Wirtschaftsleistung um fünf Prozent; 2010 wieder eine Arbeitslosenquote in Richtung fünf Millionen.

Gegen alle Erfahrungen in Deutschland kompensiert die private Konsumnachfrage derzeit den Konjunktureinbruch in den (exportabhängigen) Industriezweigen. Ein weiterer Stabilisator der deutschen Volkswirtschaft ist die Gesundheitswirtschaft – mit rund elf Prozent Anteil am Bruttoinlandsprodukt kein geringes Gegengewicht zu dem Maschinenbau und der Chemie. Die Gesundheitswirtschaft, ein „automatischer Stabilisator“?

Muss beim Systemvergleich zwischen angelsächsischen und kontinentaleuropäischen Volkswirtschaften in Zeiten der Krise das Verhältnis von Markt und Staat neu justiert werden? Spielt der deutsche Sozialstaat mit hoher Abgabenquote, Regulierung und Umlagefinanzierung seine Vorteile gegen „Kapitalismus pur“ aus? Ist der Reformer Barack Obama gar ein Anhänger des europäischen Sozialmodells? Vor vorschnellen Schlussfolgerungen wird gewarnt: Dass die Krise bei vielen Menschen noch nicht richtig angekommen ist, liegt an vielfältigen Markteingriffen und Sofortmaßnahmen mit Verzögerungseffekt. Es wäre nicht das erste Mal, dass in den USA Gesellschaft und Volkswirtschaft durch ein hohes Maß an Flexibilität tiefer abstürzen und schneller wieder aufsteigen als in Deutschland.

Richtig bleibt aber, dass die Stabilität von Angebot, Nachfrage und Finanzierung in der deutschen Gesundheitswirtschaft die volkswirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung dieser Branche gerade in der Wirtschaftskrise stärken. Richtig bleibt, dass die gesundheitliche Grundversorgung auf hohem Niveau für alle garantiert bleiben muss. Richtig bleibt aber auch, dass das deutsche Gesundheits­wesen eher an Überregulierung als an Marktradikalität leidet.

Es bleibt also genug zu tun, um Qualität und Effizienz des Gesundheitswesens im internationalen Vergleich zu optimieren und die Dynamik des Zweiten Gesundheitsmarktes zu erschließen. Auf dem Hauptstadtkongress wird der neue Bundeswirtschaftsminister aufzeigen müssen, wie die Wachstums- und Beschäftigungschancen der Gesundheitswirtschaft genutzt werden sollen. Ulla Schmidt wird die positive Wirkung des „Wettbewerbsstärkungsgesetzes“ nachzuweisen versuchen. Ansonsten gilt: Die nächste Gesundheitsreform kommt (nach der Wahl) bestimmt.

Florian Gerster
kma 05/2009 - Seite: 003-003

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