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NRW-Mitte tagt in Belgien

Die Energie liegt uns zu Füßen

Im belgischen Antwerpen wird derzeit tief in die Erde gebohrt. Geothermie soll das innovative Sint-Vincentius Krankenhaus schon bald mit Wärme und Kälte versorgen. Über diese krankenhaustechnische Pionierarbeit zur Bewahrung der Schöpfung informierte eine Fortbildungsveranstaltung der Regionalgruppe NRW-Mitte direkt vor Ort – ein kleines Highlight.

Die Möglichkeit, die eigenen Landesgrenzen zu verlassen, um mit einem Blick in die belgischen Krankenhausgesellschaften den eigenen Erfahrungshorizont zu erweitern, nutzten 10 Teilnehmer der Regionalgruppe NRW-Mitte. Die Vorstellung von zwei Krankenhäusern der Klinikgruppe GZA Ziekenhuis und eine Fachinformation über innovative Konzepte für Schiebetüren standen auf dem Programm.

Roger Albertijn, Technischer Direktor der Kliniken der GZA Ziekenhuis und Erster Vorsitzender des belgischen Verbandes für Krankenhaustechnik (VTDV), bereitete seinen Berufskollegen aus Deutschland einen freundlichen Empfang. In seinem Einführungsvortrag erläuterte er die Bedeutung der Klinikgruppe GZA und hier insbesondere der beiden Krankenhäuser Sint-Vincentius und Sint-Jozef. Bei 422 Betten und rund 1.000 Mitarbeitern werden hier jährlich circa 18.300 stationäre Patienten behandelt. Dazu gehören auch um die 2.250 Geburten. Für die medizinische Versorgung stehen 140 Ärzte zur Verfügung. Insbesondere das Krankenhaus Sint-Jozef hat eine große Bedeutung für die Region über die Ortsgrenzen hinaus. Hier spielt die Kontaktpflege zu den niedergelassenen Ärzten eine herausragende Rolle. Im Rahmen von Corporate Identity arbeiten die Mitarbeiter der GZA nach einem Leitsatz, der vor allem auch die christliche Lebenseinstellung und die gesellschaftliche Verantwortung zum Gemeinwohl deutlich zum Ausdruck bringt.

Im Anschluss an den Vortrag waren die Teilnehmer eingeladen, in einem Rundgang durch das Sint-Jozef Krankenhaus die innovativen Raumkonzepte, vor allem auch in den Bereichen der Geburtshilfe/Sanitärzellen und der Zentralen Aufnahme kennenzulernen. Die Besichtigung der renovierten Wöchnerinnenstation war durchaus eine Besonderheit. Bei begrenzten vorgegebenen Raumkapazitäten wurden hier sehr attraktive Patientenzimmer mit integrierten Wasch- und Nasszellen geschaffen. Wenn man in einer Klinik von einer Wohlfühlatmosphäre sprechen kann, dann ist das Sint-Jozef Krankenhaus ein gelungenes Beispiel dafür, wie dies mit geschickter Materialauswahl und Raumkonzeption erreicht wird. Gleichzeitig sind die medizinische und pflegerische Versorgung natürlich im vollen Umfang möglich.

Später ging es weiter in das Sint-Vincentius Krankenhaus, ein städtisches Krankenhaus der Allgemein- und Grundversorgung. Es ist durch seine innerstädtische Lage räumlich sehr begrenzt. Albertijn stellte die nicht immer einfachen Rahmenbedingungen für die Erneuerung von wesentlichen Teilen des Krankenhauses vor. Unter anderem  ist hier für einzelne Bauteile auch der Denkmalschutz zu berücksichtigen. Als besondere  Herausforderung will man hier nun eine sehr innovative Energieversorgung aufbauen. Auf Ini­tiative von Roger Albertijn hat man sich dazu entschlossen, die energetische Grundversorgung über einen Erdwärmespeicher zu realisieren. Dieses bisher einmalige Projekt wird von der EU entsprechend gefördert. Die Möglichkeiten der Erdwärmespeicherung beziehungsweise Geothermie stellte Bert Lemmers vor. Er erörterte verschiedene Möglichkeiten der geologischen Energieversorgung/Energiespeicherung wie die direkte Nutzung des Grundwassers, die Erstellung von Kavernen und Tiefenbohrungen.

Aufgrund der geologischen und räumlichen Verhältnisse am Sint-Vincentius Krankenhaus hat man sich dazu entschlossen, die Grundversorgung mit Energie dort mithilfe von Tiefenbohrungen zu gewährleisten. Unter dem Krankenhaus wird nun ein Erdwärmespeicher erstellt. Über eine Wärmepumpe wird aus diesem natürlichen Reservoir im Winterhalbjahr die Heizung unterstützt. Im Sommer wird derselbe Erdwärmespeicher zur Deckung einer Grundlast im Bereich der Raumkühlung verwendet. Zu diesem Zweck werden unterhalb des zukünftigen Krankenhauses 80 Tiefenbohrungen bis zu einer Tiefe von 150 m erstellt. Nach dem Vortrag von Lemmers besichtigten die Teilnehmer die Baustelle, wo man derzeit in die Tiefe bohrt und anschließend die Erdwärmesonden einbringt – ein nicht alle Tage zu bewunderndes „Schauspiel“.

Das Projekt ist nicht nur technologisch interessant, es hat mit seiner Leuchtturmfunktion auch eine herausragende Bedeutung für die Umweltpolitik. Die Bemühungen der Krankenhäuser, regenerative Energiequellen zu nutzen, können einen wesentlichen Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung leisten. Da es hier noch sehr viel Pionierarbeit zu leisten gibt, ist das Engagement der Initiatoren besonders wichtig. Allen Technischen Leitern ist bewusst, dass sie erhebliche Mehrarbeit auf sich nehmen, um den Weg in die Routine zu bereiten. Für die Verbreitung dieser Technologien könnte die FKT über ein spezielles Forum eine große Unterstützung sein.

Eine weitere technische Innovation wurde von Jürgen Steverding, Mitarbeiter bei einem holländischen Türenanbieter, vorgestellt. Das Unternehmen produziert Schiebetüren, die die Effekte des Magnetismus für besondere Leichtgängigkeit und Verschleißarmut nutzen.

Als Fazit kann festgehalten werden: Der Austausch der Kollegen über die Landesgrenzen hinaus stellte für beide Seiten eine wertvolle Erfahrung dar und sollte in jedem Fall bei entsprechender Themenauswahl weiter vertieft werden.



Landesgruppentagung in Köln

Finanzierbare Technik
Am 16. September 2009 wird auf der Landesgruppentagung der Nordrhein-Westfalen in Köln Martin Blasig in einem kritischen Vortrag unter anderem erörtern, warum eine sichere Technik für deutsche Krankenhäuser immer schwieriger zu finanzieren ist und inwieweit sich hier die Umstellung auf pauschale Fördermittel dennoch günstig auf das Sicherheitsniveau so mancher Klinik auswirken dürfte.

Weitere Themen der Veranstaltung sind:

 

  • Reform der Krankenhausfinanzierung – unterschiedliche Klinikpreise im stationären Sektor, wer hat das Nachsehen?
  • Sonderentgelte im Krankenhaus, dargestellt am Beispiel der nicht ärztlichen Wahlleistungsunterkunft
  • Regelleistung oder Wahlleistung – der Patient hat die Wahl
  • Systemcheck: Mehr Sicherheit für Eigenhersteller von Medizinprodukten
  • Maßstäbe setzen, Chancen nutzen, Energiekosten senken
  • Optimierung der Kälteerzeugung im KWK-Erzeugerpool
  • Einsatz von Gefahrstoffen unter Berücksichtigung von Controlling und Risikomanagement im Krankenhaus
  • Zukunftsweisende Löschtechnik für Kliniken
  • Planung einer Brandschutzgroßübung im Krankenhaus

Wolfgang Siewert, der die Veranstaltung organisiert, freut sich, möglichst viele Teilnehmer nicht nur aus Nordrhein-Westfalen, sondern aus ganz Deutschland auf dieser mit topaktuellen und zukunftsweisenden Inhalten reich bestückten Tagung zu begrüßen. Sie findet beim TÜV Rheinland statt.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.fkt.de.

Michael Goepfert, Maria Thalmayr
kma 08/2009 - Seite: 081-082

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