Diese simplen Einsichten sind keineswegs selbstverständlich. Schaut man sich den langen Entwicklungszeitraum der Qualitätsentwicklung und -sicherung in der medizinischen Versorgung an, gewinnt man schnell den Eindruck, es geht nicht in erster Linie um den Patienten. Arbeitsgruppen und Fachgesellschaften waren zu sehr damit beschäftigt, ein neues System zu erfinden. Besonders umfassend in der Datenerhebung, höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen genügend und sehr detailliert sollte die Qualität in deutschen Krankenhäusern erfasst werden. Herausgekommen ist eine achtbare, ja auch international anerkannte Arbeit, die die Bundesgeschäftsstelle für Qualitätssicherung geleistet hat. Mit dieser Akribie wird wohl nirgends auf der Welt stationäre Qualitätssicherung betrieben.
Doch kommt sie auch beim Patienten an? Ist sie praxistauglich für diejenigen, die tagtäglich Qualität im deutschen Gesundheitswesen produzieren sollen? Nein. Zur ersten Frage: Da, wo schon Qualität produziert wird, profitiert der Patient ohnehin. Viel wichtiger ist es also, wie geht das System mit Ausreißern um? Am strukturierten Dialog gibt es Kritik, solange dieses Verfahren veranstaltet wird. Mal funktioniert er, mal nicht. Das kann kein ernsthafter Umgang mit Qualitätsdefiziten sein. Zur zweiten Frage: Die zusätzliche Erfassung der BQS-Daten in den Krankenhäusern stellt eine unzumutbare Arbeitsbelastung für die Krankenhäuser dar. Nicht jedes Haus leistet sich eine Kraft für die Datendokumentation. Doch die Erhebung von Qualitätsdaten darf kein Selbstzweck sein.
Die wenig am Patienten orientierte und umständliche Qualitätssicherung hat die Selbstverwaltung zu verantworten. Jetzt hat der Gesetzgeber dem Gemeinsamen Bundesausschuss vorgegeben, welcher Anbieter zu wählen ist, wenn es um die Entwicklung einer sektorenübergreifenden Qualitätssicherung geht: nämlich ein fachlich unabhängiges Institut. Fachlich unabhängig war die BQS nie. Zu sehr haben sich die Gesellschafter direkt oder indirekt eingemischt. Nun ist die Zeit des cleveren Landarztes Joachim Szecsenyi vom Aqua-Institut gekommen. Doch auch er wird sich beweisen müssen.
Inhaltsverzeichnis
Ausgabe

kma 08/2009
Editorial
Namen & Nachrichten
Herzinfarkt
Zertifikat für CPUSeite: 8Geschäftsführung
StellungswechselSeite: 12Umfrage
Immer mehr IGeL in ArztpraxenSeite: 12
Rechtsdepesche
Namen & Nachrichten
Pfizer
GigantomanischSeite: 15
Politik
Interview
Nicht vereinnahmen lassenSeite: 20Automobilverband
Der MusterschülerSeite: 25Lobbyarbeit
Man sieht sich immer zweimalSeite: 28
Unternehmen & Märkte
Völker
Wenn Porschefahrer Betten bauenSeite: 30UKE-Neubau
Der Optimismus bleibtSeite: 34Energietechnologien
Ehrgeiziges ProjektSeite: 40Klinik-Aktien
SommerlethargieSeite: 42HSK Rhein-Main
KraftlosSeite: 44
Technologie
Herzklappen
Kampf um den KatheterSeite: 48
Management
Spezial
Leasing
Tomographen, Tische, TelefoneSeite: 60
Facility Management
Beruf & Karriere
Blick in die Wirtschaft
FKT Nachrichten
ÖVKT Nachrichten
Kommentar
Vorschau
Aqua-Institut
Den Unabhängigen gehört die Zukunft
Was sollte eine moderne Qualitätssicherung leisten? Nun, in erster Linie sollte sie dem Patienten zugutekommen. Und zwar direkt und unmittelbar. Der Patient ist das Zentrum all dieser Bemühungen. Wenn er von Qualität profitiert, profitiert das gesamte Gesundheitssystem.
Ingrid Mühlnikel
kma 08/2009 - Seite: 090-090









Kommentar hinzufügen