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Porträt

Karin Gräppi: In der Ruhe liegt ihre Kraft

Sie ist mittendrin in ihrem ganz eigenen German Way of Life: von der Arzthelferin zur Helios-Konzerngeschäftsführerin. Bescheiden und pragmatisch, wie sie ist, schreibt sie vieles ihrem Entdecker und Förderer Lutz Helmig zu, aber sie war es ohne Frage, die die Chancen ergriff, die sich ihr boten, und etwas Außergewöhnliches aus ihnen machte.

Konzentriert ist sie. Überlegt und sympathisch strahlt sie eine Ruhe aus, auf die sich das Gegenüber erst einmal einstellen muss. Doch sie sucht nicht nach Floskeln oder Allgemeinplätzen, ihre Antworten sind authentisch und klar formuliert. Karin Gräppi, der Name rührt von ihrer Ehe mit einem Schweizer, ist alles andere als neu im Geschäft, und doch sind keinerlei Abnutzungserscheinungen erkennbar. Solange man nicht ihre Zeit verschwendet durch Zuspätkommen oder Nicht-auf-den-Punkt-Kommen, kann man sicher sein, dass das eigene Anliegen auf offene Ohren und eine ernsthafte Auseinandersetzung stößt. Sie begegnet den Leuten auf Augenhöhe. Das macht es auch sogenannten niederen Rängen einfach, auf sie zuzugehen und die eigenen Anliegen vorzutragen. Extrem wichtig für eine Frau in ihrer neuen Position als Konzerngeschäftsführerin (ab Januar 2010) und mit ihrem Verantwortungsbereich: Personalentwicklung und Pflege.

Chancen erkennen und annehmen

Die Wiege ihrer Ausgeglichenheit steht in einem 800-Seelen-Dorf in Hessen, wo sie als viertes von fünf Kindern des Großbauern am Ort geboren wurde. Man kann sie sich gut vorstellen als ausgleichendes Element in einem großen Gewusel, das aber mit ihrer eigenen Beharrlichkeit dann doch immer ans Ziel gekommen ist. Ihre berufliche Laufbahn beginnt in der Klinik Oberwald Grebenhain, wo sie nach ihrer Ausbildung zur Arzthelferin und Wirtschaftsassistentin ihren ersten Job antritt. Eine Belegarztklinik, 30 Mitarbeiterinnen, 11 Ärzte, in der Lutz Helmig Miteigentümer ist. Sie selbst hatte sich bis dato noch keine Gedanken um ihr weiteres Fortkommen gemacht, doch als Helmig sie kennen lernt, ermutigt er die junge Frau, mehr zu wollen; und wenig später findet sich Gräppi in ihrer ersten Führungsposition mit 30 Mitarbeitern wieder. Sie leitet die Gemeinschaftspraxis in der Klinik und verdient sich erste Sporen, die nicht unbeachtet bleiben. Als Helmig sein erstes Haus in Volkach übernimmt, auch heute noch die kleinste Helios-Klinik mit 40 Betten, bietet er ihr den Job der stellvertretenden Verwaltungsleiterin an. Sie nimmt an, ohne lange Bedenkzeit, und unterschreibt ihren ersten Helios-Vertrag. Ihre Eltern sind stolz auf sie, auch wenn sie etwas Zeit brauchen, um zu verstehen, dass Frauen Karriere machen, wo Familie und Kinder doch auch so schön sind.

Pfleglich mit der Pflege umgehen

In dem Rahmen dieser Tätigkeit mehren sich die Schnittstellen zum Krankenhausmanagement. „Das war auf einmal eine Nummer zu groß“, resümiert sie. „Ich habe da gemerkt, dass nur eine Arzthelferinnenausbildung ein bisschen zu wenig ist, um perspektivisch auf die Leitung eines Krankenhauses zu schielen. Also habe ich berufsbegleitend noch eine betriebswirtschaftliche Ausbildung drangehängt.“ Es sollte nicht zu ihrem Schaden sein.

Zugute kam ihr auch, dass Helios praktisch mit kleinen Häusern groß geworden ist, so hatte auch Gräppi Zeit, sich selbst, ihr Können und ihren Ehrgeiz an lösbaren Aufgaben weiterzuentwickeln. Wo andere aus Niederlagen lernen müssen, ging es bei ihr selbst eigentlich immer nur nach oben, weiß sie. Ihre schwerste Zeit war die, erinnert sie sich, in ihrer Anfangsstation, der Grebenhainer Klinik, als sie aus dem Team von Praxismitarbeiterinnen zur Leiterin gemacht wurde. Dem Widerstand begegnete sie mit doppelter Anstrengung. Danach hatte sie die Menschen, die um sie herum waren, immer auch für sich einnehmen können. An Missgunst oder gar Niedertracht kann sie sich nicht erinnern. Im Gegenteil, als sie jetzt den Ruf in die Geschäftsführung bekam, haben sich die Leute aus ihrer Region gefreut, dass ihre Chefin den Sprung gemacht hat, erzählt sie mit einem Schmunzeln.



Privat, aber nicht geheim

Was tun Sie für Ihre Gesundheit?
Ich treibe sehr viel Sport und versuche, viel zu schlafen.

Welche sind Ihre Gesundheitssünden?
Ich gehe gern gut essen.

Wie sieht Ihr Aussteigertraum aus?
Ein kleines Häuschen in den Schweizer Bergen mit Seeblick.




Die Erfahrung, ihren Beruf von der Pike auf gelernt zu haben, hält sie auch heute noch für einen Wert an sich, den es unbedingt zu bewahren und weiterzugeben gilt. „Wichtig ist mir, die Bodenhaftung nicht zu verlieren. Deswegen bin ich froh, dass ich die Position der Regionalgeschäftsführerin für die Region Süd weiterführen kann. So bleibe ich nah am Klinikalltag dran.“ So kommt es nicht von ungefähr, dass sie sich um die Fachgruppe Pflege aktiv beworben hat. „Mein besonderes Augenmerk gilt der Pflege, für deren Fachgruppe ich im Konzern auch verantwortlich bin. Mir ist wichtig, dass die Entwicklung in diesem Bereich Schritt halten kann und mehr wahrgenommen wird. Schließlich ist sie die größte Berufsgruppe in unserem Unternehmen. Ich versuche, die Tür aufzumachen, durchgehen müssen sie jedoch selbst.“ Auch das noch ein prägendes Überbleibsel aus ihrer Helmig-Zeit. Talente suchen, fordern und fördern. Und da die Pflege in ihren Augen noch immer viel zu bescheiden auftritt, obwohl sie eine so wichtige Berufsgruppe darstellt, ist es für Gräppi nur folgerichtig, dass sie hier ansetzen muss, wenn sie etwas im ganzen Konzern bewegen will.

Zeitinseln

Und dass sie hier auch ihre Qualitäten hat, beweist sie in der Helios-Laufgruppe, die sich dreimal die Woche im Tiergarten trifft – natürlich mit Gräppi, wenn sie in Berlin ist. Laufen und Berge und laufen in den Bergen sind ihre großen Leidenschaften, die sie sich aus ihren in der Schweiz verlebten Jahren bewahrt hat. In unter vier Stunden hat sie den Berlin Marathon hinter sich gebracht. Für einen Bergmarathon braucht sie etwas länger, aber auch dafür hat sie in Chef Francesco de Meo einen infizierten Mitstreiter gefunden. Dafür klingelt der Wecker auch morgens um halb sechs, für so einen Marathon bedarf es eines ordentlichen Trainingsplans. Sie nennt das, was andere als Folter bezeichnen würde, ihre Zeit­inseln. Ihren letzten großen Urlaub hat sie – genau – im Himalaja verbracht. Rumsitzen jedenfalls ist nicht ihres.

Auf der anderen Seite

Deswegen war es auch eine besondere Situation, als sich ihr Mentor Helmig entschlossen hatte, den Konzern an Fresenius zu verkaufen. Auf einmal gab es eine Zeit des Stillstands und des Abwartenmüssen. „Das war eine interessante Erfahrung, als wir gekauft wurden. Man hat ein ganz neues Gefühl für sein Gegenüber bekommen. Normalerweise waren ja wir die, die Krankenhäuser übernommen haben. Auf einmal stand man auf der anderen Seite.“ Man traut ihr zwar nicht zu, vorher besonders grobschlächtig mit ihren Gegenüber umgegangen zu sein, aber die Veränderung hat sie noch einmal aufmerksamer gemacht für die Sorgen der Angestellten, die sich da plötzlich einem neuen Dienstherren gegenüber sehen. Ihr ist es wichtig, dass die Menschen mitbekommen, dass Helios Gesichter hat und dass jedem Mitarbeiter die Möglichkeit eingeräumt wird, seine Meinung zu äußern. Denn zu einem reibungslosen Ablauf innerhalb eines Krankenhauses kann auch eine Putzfrau beitragen. Auch das ein Überbleibsel aus längst vergangenen Tagen: „Wir müssen uns vor allem diesen Vorteil, den wir damals als kleine Klinikkette hatten, bewahren. Dass wir ein enges Netzwerk pflegen und wirklich als Team miteinander und füreinander arbeiten.“

Übrigens: Den einzigen Hang zum Luxus lässt sie aufblitzen, als es um ihr Auto geht. Ein BMW Cabriolet – weil man ja im Süden lebt beziehungsweise arbeitet, wie es in Bezug auf Karin Gräppi wohl korrekt heißen muss.



Zur Person

Karin Gräppi ist trotz ihrer erst 41 Jahre ein echtes Urgestein der Helios-Kliniken. Nach ihrer Ausbildung zur Arzthelferin und Wirtschaftsassistentin wurde Lutz Helmig, Gründer der Helios-Kliniken, auf sie aufmerksam und forderte und förderte sie fortan. Als Mitarbeiterin der ersten Stunde organisierte sie an seiner Seite die allererste Helios-Klinik in Volkach und stieg dort zur Verwaltungsleiterin auf. Danach wurden erst die Kliniken größer, für die sie verantwortlich war, und dann die Bereiche. Ihre besonderen Steckenpferde sind Personalentwicklung und Pflege. Ab Januar 2010 wird sie Konzerngeschäftsführerin sein. Karin Gräppi ist geschieden und lebt in Müllheim.

Claudia Dirks
kma 10/2009 - Seite: 066-069

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