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ÖVKT-Tagung in Pörtschach

Technik am Limit?

Mit dem übergeordneten Thema „State of the Art in der Krankenhaustechnik – können oder müssen wir uns das leisten?” stellten die österreichischen KrankenhaustechnikerInnen eine brisante Frage in den Mittelpunkt ihrer diesjährigen Jahrestagung. Natürlich muss das letztendlich jedes Krankenhaus für sich entscheiden. Die Vortragenden konnten nur Lösungsversuche anbieten, die Frage jedoch nicht in der letzten Konsequenz beantworten.

Das hatte aber wohl auch niemand erwartet. Ziel der Tagung war es vielmehr, „ein von Politik und hohem Management mit Nebelgranaten verschleiertes Terrain für die Techniker zu durchleuchten“, wie Detlef Mostler, Präsident des Österreichischen Verbandes der KrankenhaustechnikerInnen, die Tatsache umschrieb, dass im Krankenhaus derzeit eigentlich niemand so genau weiß, mit welchen öffentlichen Mitteln in den nächsten Jahren überhaupt noch zu rechnen ist, wie sich darüber hinaus die Wirtschaftskrise auf die Krankenhäuser auswirken wird, wie die notwendigen Investitionen in eine nachhaltige und zukunftsfähige Technik finanziert werden sollen und wo und wie noch schmerzfrei gespart werden kann. Die Techniker wissen nicht, was auf sie zukommt und daher auch nicht, wie sie zielführend darauf reagieren sollen. Hier setzte die Tagung an.

Und: Was genau ist eigentlich der State of the Art? Das, was entsteht, wenn man Gesetzen, Normen und Vorschriften Rechnung trägt? Der Fortschritt in der Industrie eilt hier den einschlägigen Regelwerken weit voraus und bestimmt damit ein völlig anderes Niveau und andere Möglichkeiten. Welche Vorgaben sollen hier künftig als State of the Art betrachtet und im Krankenhaus umgesetzt werden? Auch diese Frage zu beantworten und die Risiken abzuschätzen, die entstehen, wenn man aus Geldmangel hinter diesen Erwartungen zurückbleiben muss, war Intention der mit über 150 Teilnehmern sehr gut besuchten Technikertagung in Pörtschach.

Das rechte Maß finden

Zwischen dem State of the Art – wie auch immer man ihn definiert – und dem technischen Status quo klafft in vielen Krankenhäusern bereits eine mehr oder weniger große Lücke. Viele Technische Leiter beklagen, das technisch Machbare sei für die Krankenhäuser längst unerschwinglich geworden. Schon die immer neuen für die Technik relevanten Gesetze und Regelwerke umzusetzen, sei vielfach nicht mehr möglich – die Prioritäten bei der Verteilung knapper Gelder lägen selten bei einer regelkonformen Technik. In Zukunft werde es, so die bei den Krankenhaustechnikern vorherrschende Meinung, deshalb noch schwieriger werden, selbst das zu erhalten, was man hat, denn es muss noch mehr gespart werden: bei der Instandhaltung, bei den Betriebskosten und am Personal. Die Techniker stehen vor der Herausforderung, ihre Leistung, die für den Krankenhausbetrieb von enormer Bedeutung ist, mit immer geringeren Mitteln erbringen zu müssen.

Dass es nicht nur in Österreich und Deutschland, sondern auch in vielen anderen Ländern längst an der Zeit wäre, bei der Verteilung öffentlicher Mittel generell neue Prioritäten zu setzen, ist die grundlegende Problematik und dennoch nur eine von vielen Facetten an dem ganzen Dilemma. Mit dem Nötigen ausgestattete Gesundheits­systeme sind eigentlich keine Frage des Sich-leisten-Wollens, sondern des Sich-leisten-Müssens, hier geht es um die Grundfeste öffentlicher Daseinsvorsorge. Dennoch ist aus der staatlichen Ecke wohl nicht mit einer schnellen Lösung des Problems zu rechnen. Die Einnahmen aus Steuern und Sozialversicherungen, die in die Finanzierung der Gesundheitssysteme fließen, werden weniger.

So stellt sich in der Folge für die Techniker die Frage: Was müssen wir uns leisten, um einen sicheren zeitgemäßen Betrieb gewährleisten und den „Laden am Laufen“ halten zu können? Sie unterhalten „ihre“ Krankenhäuser bereits am Limit, oft mit weniger als notwendig. Um weiter und vor allen Dingen sinnvoll und nachhaltig zu sparen, müsste in der Regel aber erst einmal investiert werden. Die erforderlichen Mittel sind, so sie denn zur Verfügung stehen, hart umkämpft. Alles in allem ist das eine schwierige Position, aus der die Technikverantwortlichen mit mehr oder weniger Erfolg das Beste zu machen versuchen. Lösungsvorschläge, um den State of the Art auch in die Krankenhäuser zu bringen, kristallisierten sich im Verlauf der hochkarätig besetzten Tagung dennoch heraus:

Mit Kennzahlen arbeiten

Das Schaffen von Transparenz beispielsweise. Eduard Frosch, langjähriger Leiter der Vamed-KMB Krankenhausmanagement und Betriebsführungsges.m.b.H. brach in Pörtschach eine Lanze für Kennzahlen im technischen Betrieb. „Nur wer seine Verbrauchszahlen kennt, wer weiß, wie lange seine Mitarbeiter für was brauchen, welche Geräte am häufigsten ausfallen, welche Defekte am häufigsten auftreten und vor allen Dingen auch welche Risiken damit einhergehen, sieht, wo die wirklich relevanten Einsparreserven liegen und welche Investitionen keinen Aufschub dulden“, argumentiert Forsch. Und nur mithilfe dieser hieb- und stichfesten Zahlen könne man die dafür notwendigen Investitionen in den maßgeblichen Gremien schlüssig vertreten. Die Mühe, die mit der konsequenten Ermittlung dieser Zahlen verbunden sei, lohne sich auf jeden Fall, diesen Standpunkt vertritt Frosch seit Jahren. Allein schon mithilfe konkreter Zahlen auf Risiken hinzuweisen, erhöhe die Investitionsbereitschaft vieler Krankenhausmanager in die Technik enorm.

Für Frosch gibt es bei alledem nur einen State of the Art: das, was technisch machbar ist. Und genau das müssen sich die Krankenhäuser seiner Meinung nach auch leisten. Nicht nur für eine bestmögliche Versorgung der Patienten, sondern auch im ureigensten Interesse. Neue Technologien machen die Behandlung der Patienten nicht nur sicherer und komfortabler, sondern verhelfen richtig eingesetzt durchwegs zu Einsparungen. Die notwendigen Investitionen amortisieren sich oft innerhalb kürzester Zeit. Die
entsprechenden Technologien auszumachen, ihre Vorteile zu kommunizieren und für die Nicht-Techniker im Krankenhaus plausibel zu machen, liegt für Frosch mit in der Verantwortung der Techniker.

Große Einsparreserven sieht er für die meisten Krankenhäuser noch im Bereich der Wartungsverträge. Gerade bei komplexen medizintechnischen Geräten mache es fast immer Sinn, kritisch zu hinterfragen, ob man all die Leistungen, die man im Rahmen von meist Vollwartungsverträgen bezieht, auch wirklich braucht. Nicht selten sei es sogar sinnvoll, eigene Mitarbeiter entsprechend zu schulen und die Wartungsverträge ganz zu kündigen.

Den Sicherheitsgewinn hinterfragen

Auf der Grundlage einer sorgfältigen Risikobewertung wurden von der Vamed am AKH Wien darüber hinaus auch alle in Eigenregie durchgeführten Wartungs- und Instandhaltungsmaßnahmen kritisch auf ihre Notwendigkeit hin durchleuchtet und entsprechend korrigiert. Auch hier ließe sich in den meisten Krankenhäusern Geld sparen, davon ist Frosch überzeugt. Er forderte die Technischen Leiter gerade auch in diesem Zusammenhang zu einer kritischen Auseinandersetzung mit den rechtlichen Rahmenbedingungen auf. Viele Gesetze, technische Normen und Regeln verursachen unnötig hohe Kosten, ohne tatsächlich Einfluss auf die Sicherheit und die Qualität der entsprechenden technischen Anlagen, Geräte und Leistungen zu nehmen. Um von technischer Seite weiter konsequent zu sparen, komme man deshalb nicht daran vorbei, diese juristischen Schwachstellen auszumerzen. Um dahinzugelangen, müssten sich jedoch mehr Technische Leiter bereit erklären, in den entsprechenden Gremien mitzuwirken. Bisher seien Industrievertreter in Normenausschüssen und bei der Erarbeitung sonstiger technischer Regelwerke deutlich in der Überzahl, mit der Folge, dass kommerzielle Interessen hier oft schwerer wiegen als sachliche Notwendigkeiten.

Auch der Vizepräsident des ÖVKT, Josef Aumayr, sieht gerade in diesem Bereich großen Handlungsbedarf. Die Technikverantwortlichen nehmen eine große Verantwortung auf sich, wenn sie in ihrem Alltag den Sicherheitsgewinn der einschlägigen Normenwerke kritisch hinterfragen. Genau das wird jedoch unerlässlich sein, um die wenigen zur Verfügung stehenden Mittel wirklich sinnvoll auszugeben. Bei alledem sollte nicht nur jedem Technischen Leiter, sondern vor allen Dingen auch den Krankenhausmanagern und -trägern bewusst sein: Die Öffentlichkeit beäugt das Thema Sicherheit im Krankenhaus mit Argusaugen. Vorkommnisse wie Brände, Legionellosefälle, defekte Aufzüge oder Unterbrechungen in der Notstromversorgung verursachen heute ein enormes Presseecho. In diesen Bereichen über ein vertretbares Maß hinaus zu sparen, könnte deshalb fatale Imageschäden für ein Krankenhaus nach sich ziehen.

Alternative Geldquellen auftun

Eine weit bedeutendere Rolle als bisher werden im Krankenhaus über kurz oder lang alternative Finanzierungsmodelle spielen (müssen). Wenn die
öffentlichen Mittel notwendige und sinnvolle Investitionen nicht mehr ermöglichen, kommen die Krankenhäuser nicht umhin, neue Geldquellen aufzutun. Noch schrecken undurchsichtige Verträge und missglückte Fallbeispiele viele Technische Leiter ab, sich an sogenannte Private-Partnership-Modelle (PPP), Contracting oder Leasing heranzuwagen, und an den guten alten Bankkredit ist nur schwer heranzukommen. Dazu müssen sämtliche Risiken des Krankenhausbetriebs bewertet und abgesichert sein. Denkbar ist auch die Einbindung privater Investoren bis hin zu Mitarbeiterbeteilungen – sowohl  potenzielle Anbieter als auch die Krankenhäuser werden hier bei der Beschaffung nötiger Investitionsmitteln noch viel Flexibilität und Einfallsreichtum beweisen müssen.

Bernhard Rupp, Lektor an der Donau-universität Krems, ist überzeugt: „Um der technischen Entwicklung gerade auch in den Bereichen der Informationstechnologie oder Medizintechnik nicht ständig hinterherzuhinken, werden die Krankenhäuser nicht an sogenannten Systempartnerschaften vorbeikommen.“ Hersteller werden hier zu Entwicklungspartnern für gemeinsam definierte Lösungen, die anschließend auch im laufenden Betrieb begleitet und betreut werden. So werden aus Lieferanten Partner, die inhaltlich, prozessual und auch finanziell die Verantwortung für einen Teil des Behandlungsprozesses übernehmen.“Rupp mahnte: „Die unterschiedlichen Ziele, die dem Gesundheitssystem innewohnen, im Vorfeld zu identifizieren, zu analysieren und die optimale Erreichbarkeit zu managen, erfordert Offenheit, Verständnis und Hingabe aller Beteiligten.“

Konzeptionell denken

Ein solcher ganzheitlicher Ansatz sei auch unverzichtbar, das bestätigte Tom Guthknecht, um in Zukunft durchdachter, sinnvoller, strategisch und auf Basis wissenschaftlicher Methoden nachhaltig zu sparen. „Ehemals klare technische betriebliche Strukturen werden heute oft mit viel zu knapp kalkulierten Bastellösungen notdürftig über Wasser gehalten. Die Folge einer solchen kurzfristig orientierten Problembehebung mit handgestrickten Klimmzügen ist, dass irgendwann die notwendige nachhaltige Gesamtsanierung einzelner Bereiche immer schwieriger und teurer wird.“ Guthknecht ist überzeugt: In einer solchen Situation müssen Planer und Techniker den Krankenhäusern Konzepte anbieten, die weit über die rein technische Lösung der anstehenden Probleme hinausgehen. Sie müssen die dem zu sanierenden Bereich zugrunde liegenden Prozesse, die Arbeitsbedingungen und -ergonomie, mögliche Zusatzeinnahmen, kurz alles, was wirtschaftliche Auswirkungen auf die Lösung einer bestimmten Aufgabe haben könnte, berücksichtigen und neu ordnen.

Auch Guthknecht ist überzeugt: Durchdachte, alle Aspekte berücksichtigende Planungen machten den State of the Art für die Krankenhäuser durchaus erschwinglich. Sie zu effizienten und leistungsfähigen Gesundheitszentren mit marktorientiertem Leistungsportfolio und lukrativen Zusatzangeboten, wie Reha, Spa, ambulanter Versorgung, Physiotherapie und mehr zu entwickeln, liege nicht zuletzt auch in der Verantwortung von Planern
und Technikern.

An einem Strang ziehen

Lösungsvorschläge wie diese zeigen: Es gibt noch, wenn auch geringen, Handlungsspielraum und Luft, etwas zu bewegen. Allein werden die Technikverantwortlichen diese schwierige Aufgabe jedoch nicht meistern. Zum einen erfordern weitere Sparmaßnahmen fast immer die Bereitschaft zu investieren. Ganzheitlich durchdachtes strategisches Sparen verlangt darüber hinaus den Dialog und die Kooperation mit allen Beteiligten. Ohne die Bereitschaft aller, mitzumachen und an einem Strang zu ziehen, kann es nicht funktionieren. Den Rotstift wie den ungeliebten Schwarzen Peter hin und her zu schieben, wird weiterhin nur zu kurzfristigen Ad-hoc- bis hin zu Panikmaßnahmen führen. Die dabei entstehende Flickschusterei rettet vielleicht von heute auf morgen, sichert aber kein langfristiges Überleben.

Maria Thalmayr
kma 11/2009 - Seite: 118-120

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