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Porträt

Björn Bergh: Segler zwischen den Welten

Björn Bergh ist IT-Chef der Uniklinik Heidelberg und nimmt mit seinen 45 Jahren schon eine Ausnahmestellung in der Krankenhausszene ein. Sein Wissen ist gefragt, vor allem in der Industrie. Doch seine Freiheiten an der Uniklinik will er nicht aufgeben.

Björn Bergh sprengt ein Berufsbild, an das wir uns im Krankenhaus gerade erst gewöhnt haben. Die Rede ist vom Chief Information Officer, kurz CIO, zu Deutsch: IT-Leiter. Denn Björn Bergh ist an der Uniklinik Heidelberg nicht nur Chef der IT, sondern auch der Medizintechnik. Diese herausgehobene Stellung ist in deutschen Unikliniken einzigartig – und das, obwohl die zwei Bereiche in rasantem Tempo zusammenwachsen. Bergh macht ein Beispiel: „Die Medizintechnikgeräte gehen nach und nach online, erfüllen aber nicht die Sicherheitsstandards. Auf vielen Geräten läuft Windows, aber der Virenschutz ist nicht ausreichend. Da fehlt es auch bei den Herstellern an Know-how.“ Solche Geräte sind ein gefundenes Fressen für Viren – und Sorgenkinder für Bergh.

Das Zentrum für Informations- und Medizintechnik, dessen Direktor Bergh ist, hat 140 Mitarbeiter. Die meisten sind in einem vierstöckigen Neubau auf dem Uni-Gelände untergebracht. Oben im vierten Stock sitzt Bergh. Zwei Fensterwände eröffnen ein Panorama auf Heidelberg. Das Büro selbst ist schmucklos. Betritt man es, landet der Blick schnell auf Berghs Schreibtisch. Der ist verbarrikadiert mit zwei Flachbildschirmen, daneben stehen drei Bilderrahmen, ansonsten türmen sich Papierstapel. Außerdem ragt noch ein kleiner Konferenztisch aus weißem Kunststoff in den Raum. „Das ist mein Platz“, sagt Bergh und zeigt auf einen Stuhl an der Tischseite. Er sitzt nicht gern am Kopfende. Seine Botschaft: Er will nicht Hof halten und den Chef spielen, sondern mit Partnern auf Augenhöhe Lösungen diskutieren. Die Botschaft nimmt man ihm ab. Bergh ist Netzwerker. Vielleicht macht ihn das so erfolgreich. Er sitzt in unzähligen Beiräten, Gremien und Fachgesellschaften für Krankenhaus-IT. Himms Europe, Conhit, oder Open E-Health Foundation sind nur einige davon. Sein neustes Projekt: Er will auf europäischer Ebene IT- und Medizintechnikleiter von Kliniken zusammenbringen. Auch hier ist er, wie so oft, ein Vorreiter. „Ich bin ein Segler zwischen den Welten“, sagt Bergh – Welten, die er näher zusammen bringen will.

Verlockendes Angebot aus Schweden

Dass er einmal eine so prägende Rolle in der Krankenhausszene einnehmen würde, war für den jungen Radiologen Bergh nicht abzusehen. An der Berliner Charité machte er in den 90er Jahren seinen Facharzt und schrieb eine Doktorarbeit über die digitale Röntgenbilderzeugung. „Durch die Doktorarbeit war ich einer der wenigen bei uns, die sich zumindest etwas mit IT auskannten und bin so quasi in die Rolle des IT-Leiters der Radiologie hineingerutscht“, erinnert sich Bergh. Mit 35 Jahren wechselte er als CIO an die Uniklinik Frankfurt am Main. „Als ich die Stelle antrat, hatte ich schon ein bisschen Muffe“, gesteht Bergh. Doch er hat sich schnell einen Namen gemacht, und fünf Jahre später verpflichtete ihn die Uniklinik Heidelberg. „Das war nicht alles zielstrebig, sondern immer auch ein bisschen Zufall. Es haben sich Möglichkeiten ergeben, und ich habe zugegriffen“, resümiert er. „Viel verdanke ich dabei zwei Personen, dem Chef der Radiologie in Berlin und der Kaufmännischen Direktorin in Frankfurt. Beide haben mir, obwohl ich keine formalen Qualifikationen hatte, ihr Vertrauen geschenkt.“



Privat, aber nicht geheim

Was tun Sie für Ihre Gesundheit?
Täglich eine Stunde schwimmen, wenn ich nicht unterwegs bin und halbwegs vernünftig essen.

Welche sind Ihre Gesundheitssünden?
Süsses und zu wenig Schlaf.

Haben Sie Aussteigerträume?
Eigentlich hatte ich vor voll einzusteigen ;-) aber wie war das mit der Relativität und der Richtung der Bewegung…


Vor drei Jahren gab es wieder so eine Möglichkeit, doch Bergh hat nicht zugegriffen. Die Stockholmer Karolinska-Universität bot ihm einen Lehrstuhl und die Leitung des neu geschaffenen Healthcare Informatics Center an. Es ging darum, nationale IT-Projekte zu entwerfen und umzusetzen. Das Interesse schmeichelte Bergh. „Die Karolinska steht in den Rankings noch höher als Heidelberg.“ Hinzu kam, dass Bergh schwedische Wurzeln hat. „Mein Urgroßvater kam um die Jahrhundertwende aus Schweden. Er wollte in die USA emigrieren, ist aber in Bremerhaven hängen geblieben und heiratete eine Deutsche.“ Auch deshalb war das Angebot der Karolinska-Universität verlockend. „Du fragst dich in dem Moment, was du eigentlich mit deinem Leben noch anfangen willst“, stellt er fest. Er blieb in Heidelberg, denn die Perspektive stimmte für ihn. „E-Health bietet Chancen und Risiken. Aktuell führt es vor allem zu einer schleichenden Entmündigung der Patienten und ich glaube, dass gerade Krankenhaus-CIOs mit ihrer Erfahrung hier Fehlentwicklungen vermeiden können. Das ist meine Mission und hierfür schien mir Heidelberg die bessere Plattform.“ Deshalb pflegen Bergh und das Rechenzentrum der Uniklinik, das zu seinem Institut gehört, auch engen Kontakt zu IT-Firmen. Denen geigt er manchmal auch seine Meinung: „Viele Hersteller statten ihre Software mit besonderen Funktionen aus, um sie den Krankenhäusern schmackhaft zu machen, doch wenn sie die Grundfunktionen, die 90 Prozent aller Anwender täglich brauchen, sauber hinkriegen würden, dann hätten sie einen echten Marktvorteil. Es ist schwierig, das in die Köpfe reinzubekommen.“

Bergh schätzt seine Freiheiten

Daran könnte der 45-jährige Bergh etwas ändern, denn Angebote aus der Industrie bekommt er immer wieder. Bisher blieb er der Uniklinik treu. „Es würde mich reizen, auf der anderen Seite zu sitzen und richtig gute Software zu machen. Andererseits bin ich unsicher, ob ich dort wirklich die Freiheit hätte, die es dafür braucht.“ Als Segler zwischen den Welten hat er an der Uniklinik freie Fahrt. Bergh hat eine Vision für das Gesundheitswesen, und die will er mit seinen Partnern in Heidelberg vorleben. Vor allem gehöre der Bürger mehr in den Mittelpunkt der IT-Projekte. „Das ist ein Schrecken für viele im Gesundheitswesen, aber meiner Meinung nach ist das der einzige Ansatz. Bürger, Familie und das private Umfeld werden in der Krankenversorgung wichtiger. Da wird es in den nächsten Jahren viel Dynamik geben“, prognostiziert der IT-Experte.

Hendrix ist der Beste

Als Jugendlicher wollte Bergh Filmregisseur oder Musiker werden. Daraus ist nichts geworden, aber Musik und Film sind Berghs Leidenschaften geblieben. Er nennt ein paar Filme, zählt Regisseure auf, erklärt, dass sein Musikgeschmack von Jazz bis Hardrock reiche und sagt dann: „Jimi Hendrix ist der größte Gitarrist aller Zeiten.“ Bergh hat selbst in mehreren Blues- und Rockbands gespielt und wenn er Zeit hat, tut er dies noch heute. „Ich bin ein ganz guter Gitarrist, aber es gibt Stellen in Hendrix-Songs, die krieg ich selbst mit viel Üben nicht hin und der hat das einfach so improvisiert.“ Ein Gitarrengott drückt sich vor allem im Solo aus. Aber Bergh ist eben kein Solist, sondern Teamplayer.



Zur Person

Björn Bergh (45) ist Radiologe. An der Charité Berlin leitete der gebürtige Bremerhavener mit schwedischen Wurzeln bis 1998 die Arbeitsgruppe Digitale Radiologie. Von 1999 bis 2003 war er IT-Leiter des Universtätsklinikums Frankfurt. Dann wechselte er als CIO nach Heidelberg. Ein Jahr nach seinem Antritt übernahm er auch die Verantwortung für die Medizintechnik. Bergh hat außerdem eine W3-Professur an der Medizinischen Fakultät Heidelberg.

Jens Mau
kma 12/2009 - Seite: 060-063

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