Was auch immer die Motive sein mögen, den Arztberuf zu wählen, ein Motiv ist untrennbar mit der Berufsausübung verbunden: Leben zu retten und Gesundheit wiederherzustellen beziehungsweise zu bewahren. Damit soll nicht der alte Mythos des „Halbgotts in Weiß“ reaktiviert, sondern nur das Augenmerk auf eine Leistung gelenkt werden, die vielleicht für manchen in unseren hochentwickelten Industriegesellschaften allzu selbstverständlich geworden ist. Wir leisten uns eines der besten – wenn auch nicht kostengünstigsten - Gesundheitssysteme der Welt.
Wenn jetzt diese Berufsgruppe in wirtschaftlich schlechten Zeiten die Gehälter durch Steigerungsraten hochtreibt, von denen andere Branchen nur träumen, dann ruft dies bei dem einen oder anderen Zeitgenossen Stirnrunzeln hervor. Doch man muss auch sehen, wie die Ausgangslage war. In den neunziger Jahren bis Anfang des neuen Jahrtausends waren viele Krankenhausärzte gemessen an ihrer Stundenzahl und ihrer Leistung miserabel vergütet. Auch im ambulanten Sektor gab und gibt es bis heute starke Verwerfungen in der Honorierung – wie zum Beispiel beim Landarzt. Zeitlicher Aufwand, Engagement und das Gehaltsnetto am Quartalsende lassen manchen Mediziner auf dem Lande nur auf ein Durchschnittsgehalt kommen.
Eine ansehnliche Gehaltssteigerung war fällig. Allerdings muss auch die Frage gestellt werden, ob die Berufsgruppe der Ärzte aufgrund ihrer Monopolstellung in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sowie des Ärztemangels – der aber hauptsächlich nur in unterversorgten und/oder strukturschwachen Gebieten gebeben ist -, die GKV so unter Druck setzen darf, dass die Mitgliedsbeiträge neben allen anderen Kostensteigerungen, wie zum Beispiel den Arzneimittelpreisen, in einer Art und Weise belastet werden, dass das System an den Rand seiner Finanzierbarkeit gebracht wird. Diese Gefahr hat die Politik erkannt und den Ärzten für die Zukunft niedrigere Steigerungsraten angekündigt. Denn die Ärzte, die ihren Dienst im Auftrag der GKV versehen, werden von Durchschnittsverdienern bezahlt und dessen Leistungsfähigkeit ist begrenzt. Wem das zu wenig ist, der muss seine Leistung privat anbieten und versuchen, die Preise zu erzielen, die er sich vorstellt.
Fest steht aber auch: Ärzte müssen eine sehr gut bezahlte Berufsgruppe bleiben. Denn da, wo Ärzte nicht ordentlich vergütet werden, entwickelt sich teilweise eine Schattenwirtschaft, wie zum Beispiel in osteuropäischen Staaten, oder ganz aktuell, in Griechenland. Viele Patienten schmieren dort ihre Ärzte, um medizinisch versorgt zu werden. Ein Modell, das zur Nachahmung nicht empfohlen werden kann.
Inhaltsverzeichnis
Ausgabe

kma 03/2010
Editorial
Namen & Nachrichten
Patiententerminals
Schneller eincheckenSeite: 11Geschäftsführung
StellungswechselSeite: 12
Rechtsdepesche
Namen & Nachrichten
Uniklinik Freiburg
Siewert hilft ausSeite: 14Sachverständigenrat
Unsichere ZukunftSeite: 15Labortests
Neues VorschlagsrechtSeite: 16Zuzahlungen
Draufzahlen tut wehSeite: 16
Politik
Arztgehälter
AbgehobenSeite: 20Marburger Bund
„Wir sind Vordenker”Seite: 28Dauerglatteis
Chaos im OPSeite: 30
Unternehmen & Märkte
Labormedizin
Auf EinkaufstourSeite: 32Klinik-Aktien
Im KrebsgangSeite: 36Rhön-Klinikum
Stark unterschätztSeite: 37Marseille-Kliniken
StrategiewechselSeite: 39
Technologie
Spargat
Lukrative RechenspieleSeite: 46
Management
Simulationstraining
Narkoseteam im TestSeite: 48Stellenanzeigen
Gefühle ansprechenSeite: 52
Spezial
Facility Management
Gebäudetechnik
Wertschöpfung im HausSeite: 60
Beruf & Karriere
ÖVKT Nachrichten
FKT Nachrichten
Büroorganisation
Kreative OrdnungSeite: 72
Blick in die Wirtschaft
Kommentar
Arztgehälter
Ein Beruf wie jeder andere?Seite: 82
Vorschau
Arztgehälter
Ein Beruf wie jeder andere?
Jeder, der schon einmal eine ernste Erkrankung überstanden hat, oder ein Familienmitglied, einen Freund, einen nahestehenden Menschen in einer sorgfältigen, gesicherten medizinischen Versorgung weiß, erkennt, dass der Arztberuf eben nicht ein Beruf wie jeder andere ist. Die Verantwortung für die eigene Gesundung oder die der Angehörigen – zumindest zeitweise - loszulassen, sich vertrauensvoll in die Hände eines Arztes begeben zu können und hinterher zu spüren: Es geht wieder besser! - ist zweifellos eine Dienstleistung der besonderen Art.
Ingrid Mühlnikel
Chefredakteurin
Chefredakteurin
kma 03/2010 - Seite: 082-082









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