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Porträt Basina Kloos

Fortschrittlich und katholisch

Schwester Basina hat eine beeindruckende Karriere innerhalb der katholischen Kirche gemacht. Wohl auch deshalb, weil sie Probleme benennt und quer denkt.

Keine Frage. Von diesem Ort geht eine tiefe Ruhe und Kraft aus. Auf dem Klosterberg im rheinland-pfälzischen Waldbreitbach mit einem weiten Blick ins Tal steht das St. Marienhaus der Franziskanerinnen. 1863 als Orden gegründet, befinden sich heute auf dem weiträumigen Areal Kliniken, Verwaltungsgebäude, die Unterkünfte der Ordensschwestern und ein Weiterbildungszentrum. Die Grünflächen ringsum sind gepflegt, in den einzelnen Häusern wird konzentriert, aber nicht geschäftig gearbeitet. Büros und lange Flure sind – wie es sich für eine kirchliche Einrichtung gehört – dekoriert mit Kreuzen und Heiligenbildern. Gebrochen wird diese traditionelle Atmosphäre durch modern gestaltete Bildnisse auf den Flurtüren, die die Lebensetappen von Mutter Rosa, der Gründerin des Ordens, widerspiegeln. In dieser Abgeschiedenheit, weit weg von den wichtigen politischen und wirtschaftlichen Zentren dieses Landes, wird einer der größten freigemeinnützigen Krankenhauskonzerne Deutschlands geleitet – von Generaloberin Basina Kloos.

Politisch unbequem und zielstrebig

Die 71-jährige Ordensfrau ist eine moderne Frau. Eine politisch Denkende. Deswegen nimmt sie auch Haltungen ein, die der katholischen Kirche nicht nur Freude machen. Beispielsweise bekennt sie sich zur Freistellung des Zölibats. Als die Missbrauchsdebatte im vergangenen Jahr ihrem Höhepunkt zusteuerte, bekannte sie offen: „Ich bin Gott dankbar, dass wir in der ganzen Heimdebatte nicht genannt wurden.” Bei aller Betroffenheit ist ihr aber der faire Umgang mit der Institution Kirche wichtig: „Drei Prozent des Missbrauchs finden im kirchlichen Bereich statt.” Schwester Basina weiß, sie wird gehört. Sie gilt als eine der mächtigsten Frauen in der katholischen Kirche Deutschlands. Als Klinikchefin ist es ihr wichtig, den Patienten eine „bedarfsgerechte Zuwendungsmedizin” zur Verfügung zu stellen. Dazu zählt für eine kirchlich getragene Einrichtung auch das Betreiben von Palliativstationen und sogenannte ethische Fallbesprechungen. Konferenzen, in denen die betriebswirtschaftlichen Aspekte wie die Erlössituation des Patienten nicht als alleinige Grundlage für die weiteren Therapieschritte herangezogen werden sollen. Freimütig wie wenige Klinikmanager berichtet sie später im Gespräch: „Wir erleben schon Rationierung. Wir sind an den Grenzen der Finanzierbarkeit.” Es ist der alltägliche Konflikt – einerseits die Kosten im Auge zu behalten und andererseits dem Patienten das zu geben, was er benötigt, zum Beispiel Zeit – der Schwester Basina umtreibt. Auch Zeit zum Sterben. Eine Lebensphase, die trotz aller gesellschaftlichen Fortschritte heute noch nicht die Aufmerksamkeit bekommt wie beispielsweise die Kindheit oder Jugend. Deswegen ist es ihr wichtig, das scheinbar Selbstverständliche hervorzuheben. „Wir schieben keine Sterbenden ab.”

Sie kämpft von Waldbreitbach aus auch für eine flächendeckende medizinische Versorgung. Das ist ein sogenannter Megatrend, gerade in Rheinland-Pfalz und insbesondere um Waldbreitbach herum. Die nächstgrößere Stadt ist Neuwied und liegt zirka 20 Kilometer von Waldbreitbach entfernt. So bringt sich die Generaloberin dann auch schon einmal ein, wenn ein Arzt in einer Praxis auf dem Land gesucht wird. Diskret und verschwiegen, wie es in der katholischen Kirche nun einmal zugeht, macht sie nicht viel Aufhebens um ihre exzellenten politischen Kontakte auf der kommunalen, Landes- wie der Bundesebene. Wenn die politischen Rahmenbedingungen ihrer Ansicht nach ungeeignet sind, werden Termine mit den jeweiligen Entscheidungsträgern vereinbart. Sie drückt es so aus: „Wir nehmen sehr genau wahr, wo eine menschenorientierte Politik gemacht wird.” Dabei weiß sie gleichzeitig die Grenzen des Machbaren einzuschätzen: „Auf Dauer werden wir die wohnortnahe Versorgung nicht aufrechterhalten können”, ist die Ordensfrau überzeugt. Dann müssten neue Lösungen etwa zur Notfallversorgung auf dem Lande her.

Die Macht teilen

Sie ist eine Managerin. Und doch lässt sie diese Bezeichnung für sich nicht gelten – ob aus Bescheidenheit oder weil sie schlicht nicht ihrem Selbstbild entspricht. „Ich bin eine Ordensfrau. Meine erste Aufgabe ist es, eine Ordengemeinschaft zu leiten.” Fakt ist aber auch, Schwester Basina ist für 27 Krankenhäuser, 29 Alten- und Pflegeheime, drei Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe sowie für neun Hospize in vier Bundesländern verantwortlich. Nicht alle Einrichtungen gehören ganz den Franziskanerinnen. Bei einigen sind die Franziskanerinnen Mehrheitsgesellschafter beziehungsweise über Geschäftsbesorgungsverträge beteiligt. Die Generaloberin ist eine Managerin im wahrsten Sinne des Wortes: Sie bringt die Dinge voran. Beispiel Pflegedokumentationen. Bei diesem Thema wird die sonst so gefasste Schwester ein wenig deutlicher. „Diese Entwicklung ist grundfalsch, nur weil einige Fehler machen, wird die ganz Nation malträtiert. Diese Zeit, die damit aufgewendet wird, fehlt uns in der menschlichen Zuwendung.” Überhaupt liegt die Pflege der gelernten Krankenschwester Basina am Herzen. Deswegen hat sie eine Pflegewissenschaftliche Fakultät in Vallendar gegründet – auch um dem Berufszweig die Aufwertung und Perspektiven zu geben, die er verdient.

Energisch und pragmatisch zeigt die Ordensfrau Lösungen auf, wo viele andere sich aus ihren ideologischen Gräben noch nicht hervortrauen. Beispielsweise, wenn es um die Zukunft der Krankenhäuser im Allgemeinen, aber auch um die der Freigemeinnützigen im Besonderen geht. Verstärkt werde man miteinander kooperieren – müssen. Damit meint sie nicht nur eine trägerübergreifende Zusammenarbeit. Kloos hat die Kooperation des Elisabeth-Krankenhauses in Trier mitinitiiert, es ist eines von insgesamt zwei ökumenischen Krankenhäusern in Deutschland. „Es wird nur gehen, wenn wir Macht teilen”, sagt sie. Und fügt hinzu: „Unser Gott wird damit keine Probleme haben.” So wie sie keine Probleme damit hatte, ihr Leben in den Dienst Gottes zu stellen.

 

Sie ist einer Berufung gefolgt. Schon im Alter von fünfzehn Jahren habe sie gewusst: „Die Ehe ist nicht mein Weg.” Stattdessen bildete sich der Wunsch, sich einem Orden anzuschließen, immer stärker heraus. Ganz kurz liebäugelte sie zwischendurch noch damit, zur Kripo als Kriminalbeamtin zu gehen. In einer Neujahrsnacht fand sie schließlich durch ein Gebet ihren Weg, damals war sie siebzehneinhalb Jahre alt. Seitdem hat Schwester Basina eine beeindruckende Karriere innerhalb der katholischen Kirche gemacht. Auch wenn dieser Begriff für ein geweihtes Leben im Kloster nicht so recht zu passen scheint. Sie ist eine gefragte Gesprächspartnerin nicht nur für kirchliche, sondern auch weltliche Würdenträger. Unter anderem war der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl hin und wieder bei den Franziskanerinnen in Waldbreitbach zu Gast. Schwester Basina dürfte die Besuche dazu genutzt haben, ihm ihre politischen Ansichten mitzuteilen. Ganz diskret natürlich.


Zur Person
Schwester Basina Kloos ist 1940 in Idar Oberstein (Österreich) geboren. Der Vater ist gefallen. Sie hat noch eine Schwester. Im Alter von fünf Jahren kommt sie nach Deutschland. Sie besucht die Handelsschule und lässt sich zur Krankenschwester ausbilden. Dann belegt sie einen Fernkurs in Theologie. Von 1968 bis 1985 arbeitet sie als Ausbilderin in der Krankenpflege. Ihre schönste Zeit, wie sie rückblickend sagt. Dann erklimmt sie die kaufmännische Karriereleiter in der St. Marienhaus GmbH. Sie wird zunächst Verwaltungsleiterin, dann Geschäftsführerin, Aufsichtsratsvorsitzende und schließlich Generaloberin der Waldbreitbacher Franzikanerinnen.

Ingrid Mühlnikel
kma 02/2011 - Seite: 060-063

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