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Krankenhausinfektionen

Kollektives Nichtstun

Vor wenigen Tagen wurde vermeldet, dass in Dortmund ein Frühchen mit einem Geburtsgewicht von 280 Gramm nach fünf Monaten die Klinik verlassen konnte.

Bei der Geburt wog dieses Leichtgewicht etwas mehr als ein Päckchen Butter. Jetzt wurde es durch intensive, hoch qualifizierte medizinische Betreuung ins Leben geschickt. Das ist eine beeindruckende Leistung.

Was das mit dem Hygienegesetz zu tun hat? Nun, es zeigt eindrucksvoll, was Krankenhäuser zu leisten imstande sind. Beim Thema Krankenhaushygiene dagegen wird deutlich, was sie nicht zu tun bereit sind. Denn an der hapert es seit langer Zeit in deutschen Krankenhäusern. Bei den Fachleuten stand das Thema MRSA-Infektionen regelmäßig auf der Tagesordnung. Mittlerweile gibt es zwar regional ernsthafte und erfolgreiche Strategien, Krankenhauskeime einzudämmen (siehe Seite 24), aber insgesamt noch zu wenige. Warum? Es fehle an Problembewusstsein, ist von den wenigen engagierten Klinikchefs zu hören.

Jetzt hat die Politik das Thema auf die Tagesordnung genommen. Wahrscheinlich auch nur, weil einige dramatische Fälle publik geworden sind und die Krankenhaushygieneopfer in Politmagazinen und Talkshows ihr Leiden öffentlich machen. Immerhin, Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler greift jetzt ein und verpasst den Ländern ein Bundeshygienegesetz mit einheitlichen Standards, weil die Länder versagt haben. Einen an Harmlosigkeit nicht zu überbietenden Beschluss hat die Gesundheitsministerkonferenz bereits 2005 (!) gefasst. Das war’s. Seitdem sind tausende Patienten erkrankt oder gar gestorben. Auch weil die Länder sich im Dämmerschlaf dieses Themas angenommen haben. Gerade einmal sieben Länder können derzeit überhaupt eine Hygieneverordnung vorweisen. Damit disqualifizieren sie sich als Aufsichtsbehörden.

Die föderale Politik hat einmal mehr bewiesen, dass 16 unterschiedliche Länderinteressen eben nicht zu der vielgepriesenen Vielfalt an politischen Ideen und Lösungen führt, sondern hin und wieder einfach nur zu kollektivem Nichtstun.

Ingrid Mühlnikel, Chefredakteurin
kma 02/2011 - Seite: 082-082

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