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ÖVKT-Tagung

Zukunftsfähig ohne architektonischen Maßanzug

Langfristig angelegte, Unternehmensziele und spätere Betriebskosten berücksichtigende, nachhaltige planerische Konzepte sind für Krankenhausbauprojekte eher die Ausnahme als die Regel. Standards und Leitlinien fehlen. Und Evaluierung danach? – Wird eingespart.

Die Praxis zeigt: Krankenhausplaner schöpfen immer wieder auf´s Neue selbstbewusst aus einer nicht versiegenden Fehlerquelle. „Viele von ihnen spielen Blinde Kuh mit den Steuergeldern der Bürger”, meint der renommierte Schweizer Architekt Tom Guthknecht. Ob ihre vermeintlich funktionalen Entwürfe den Gebäudenutzern in der Praxis tatsächlich entgegenkommen oder nicht, hinterfragt kaum einer. ”90 Prozent aller Sanierungs- und Neubauprojekte im Krankenhaus werden im Nachhinein nicht evaluiert.” Nach dem Bau ist vor dem Bau. Da läuft noch viel falsch bei der Krankenhausplanung. Vor allem werden zu oft zu wenig durchdachte Ad-hoc-Entscheidungen getroffen und nicht über die Phase des Bauens hinausgedacht. Man agiert in isolierten Projekten und verliert dabei immer wieder das Große und Ganze aus dem Auge.

Die diesjährige ÖVKT-Tagung in Pörtschach attestierte der Immobilie Krankenhaus, ihrer technischen Ausstattung und nicht nur dem technischen Betrieb durchaus noch Verbesserungspotenzial. Unter dem Motto „Krankenhaus-Lebenszyklen – Planung – Betrieb – Nachnutzung” beschäftigten sich die österreichischen Krankenhaustechniker mit der Frage, wie das Krankenhaus der Zukunft aussehen muss, um für sehr viel weniger Geld eine nach Möglichkeit gesteigerte Leistung zu bieten, und was sie als Technikverantwortliche dazu beitragen können und müssen.

Flexibel bleiben

Ganz wesentlich werde die Überlebensfähigkeit eines Krankenhauses von seiner Wandelbarkeit bestimmt. Angemessen und spontan auf den sich ändernden Gesundheitsmarkt reagieren zu können, sei ein Muss. Josef Moser, ein Architekt mit langjähriger Erfahrung in der Krankenhausplanung, brach in diesem Sinne eine Lanze für den modularen Krankenhausbau, ein System aus annähernd gleichen, sich wiederholenden Gesetzmäßigkeiten unterliegenden Gebäudeteilen. Diese Gleichartigkeit von Funktionseinheiten vereinfache und begünstige Mehrfach- und Umnutzungen sowie auch eine industrielle Vorfertigung von Raumeinheiten – der architektonische Monteuranzug statt des vielfach geforderten Maßanzugs. Neu ist diese Idee nicht. Sie wurde in den letzten Jahren, folgt man Mosers Ausführungen, nur nicht konsequent genug verfolgt.

Inwieweit man auch Installationen und technische Einrichtungen schon für spätere Umnutzungen wappnet, sei dann letztendlich eine Kostenfrage. Hier bei der Errichtung ein bisschen tiefer in die Tasche zu greifen, um später flexibel zu sein, mache aber in jedem Fall Sinn. Wie sehr sich die Gebäudetechnik auf die späteren Folgekosten auswirkt, werde generell immer noch sträflich unterschätzt. Man könne davon ausgehen, dass ein Großteil der späteren Betriebskosten schon in der Bauphase im wahrsten Sinne des Wortes einzementiert wird. 30 bis 50 Prozent des möglichen Optimierungspotenzials gehen hier unwiederbringlich verloren, betonten auch Franz Vihanek und Markus Weiner in ihrem Vortrag über die „Vorteile des frühzeitigen Einsatzes des Facility Managements in der Errichterphase”.

Effizienz planen

„Freiräume bei der Planung, die Flexibilität, Wachstum, die Integration neuer Gerätegenerationen, Umnutzungen und das Anbieten zusätzlicher neuer Leistungen erst ermöglichen, werden von dummen Leuten zunehmend wegrationalisiert”, moniert Guthknecht. „Wie bringt man in diese Köpfe, dass ein Krankenhaus Spielraum braucht, um sich weiterzuentwickeln?”, fragt er sich. Auch die Möglichkeit der Eigenfinanzierung gebe es in diesen Köpfen leider nicht. Dabei, davon ist Guthknecht überzeugt, gibt es die erforderlichen Krankenhaussanierungsprojekte, Modernisierungs-, Neubau und Umbaumaßnahmen praktisch umsonst. Sie finanzieren sich über die Kosteneinsparungen, die sie dem Krankenhaus bringen. Und genau hier sieht er die Krankenhausplaner in der Pflicht: Statt den reinen Bau und seine Kosten in den Vordergrund zu stellen, müssen sie sich an der Gestaltung des betrieblichen Erfolgs beteiligen.

Dass Guthknecht weiß, wovon er spricht, belegt er anhand zahlreicher Sanierungsbeispiele, die den Krankenhäusern trotz knapper Budgets ausnahmslos zu beachtlichen zusätzlichen Erträgen und/oder Kosteneinsparungen verhalfen. Der renommierte Krankenhausplaner sieht in dieser Vorgehensweise den einzig möglichen Ausweg aus der Abwärtsspirale aus wachsendem Kostendruck und stagnierenden gedeckelten Einnahmen. Dass angesichts des enormen Verbrauchs an Steuergeldern für Neubau, Sanierung und Bauerhalt von Gesundheitseinrichtungen keine Bemühungen mehr gemacht werden, allgemeine Richtlinien und Planungshilfen (auch als Grundlage für die Überprüfung von Gesundheitseinrichtungen) zu erarbeiten und den Planern zumindest als Empfehlung zugänglich zu machen, bezeichnet er als beschämend.

Den Abläufen untergeordnet

Noch viel mehr als bisher müsste die räumliche Situation im Krankenhaus den Abläufen untergeordnet werden. Dass der durchschnittliche Mensch einen Aktionsradius von 62,5 Quadratzentimetern braucht, sei reine Mathematik und habe mit Ergonomie nicht viel zu tun. Den Menschen auf solche Normmaße zu reduzieren und sie der Planung zugrunde zu legen, führe dazu, dass beispielsweise vor allem auch OPs fast immer zu klein ausfallen. „In einem Raum- und Funktionsprogramm sollte, bevor der Auftrag zur eigentlichen Planung erteilt wird, bis ins Detail hinein feststehen, wie man sich den künftigen Betriebsablauf und die künftige Ausstattung denkt”, fordert der Krankenhausplaner Karl Zach. Die Betonung liegt auf „künftig” – die Neugestaltung von Funktionseinheiten müsse nämlich immer auch Anlass sein, die bisherigen Abläufe zu hinterfragen. Kommunikation sei im Planungsprozess ganz entscheidend und werde zu wenig gepflegt. Vor allen Dingen sei hier der Bauherr gefordert, das Pflichtenheft so zu gestalten, dass Architekten und Planer genau wissen, was von ihnen erwartet wird.

Normative Vorgaben sollte man bei alledem durchaus auf ihren Sinngehalt hinterfragen, meint Zach und verweist mit dieser Einschätzung auf eine Entscheidung des Deutschen Bundesgerichtshofs vom 14. Mai 1998: „Für gültige DIN-Normen besteht nur die Vermutung, dass sie den allgemeinen Regeln der Technik entsprechen. Diese Vermutung ist widerlegbar, denn in den Normenausschüssen werden auch Interessensstandpunkte vertreten. Außerdem entsprechen Normen nicht immer dem aktuellen technischen Kenntnisstand und beinhalten nicht immer Regeln, die sich langfristig bewährt haben!”

Zukunft gestalten

Die Bedürfnüsse der Menschen als Patienten, Mitarbeiter oder Besucher in einer zukünftigen Entwicklung vorhersehbar und diese durch gezielte Technologiegestaltung erfüllbar zu machen, ist eine Schlüsselfunktion der Technikverantwortlichen im Krankenhaus. Intensive Trendbeobachtung ist Voraussetzung, um diese schwierige Aufgabe zu meistern. Die VAMED-KMB, verantwortlich für den technischen Betrieb im AKH Wien, leistet sich zu diesem Zweck ein Kreativteam, das gezieltes Technologiemanagement betreibt. Franz Schmalzbauer erörterte anhand vieler Beispiele, wie es arbeitet und welche Überlegungen beispielsweise dem Ersatz von Glühbirnen durch LED-Strahler vorausgehen. Wirtschaftlichkeitsanalysen gehören dazu ebenso wie Risikobewertungen und die Beurteilung der Akzeptanz durch die Nutzer. Die entsprechenden Expertisen werden der Geschäftsleitung dann als Entscheidungsgrundlage für die Einführung neuer Technologien zur Verfügung gestellt.

Für das Technologiemanagement seien nicht zuletzt auch gesetzliche Änderungen von Bedeutung, betonte Georg Benke von der e7 Energie Markt Analyse GmbH. Insbesondere die ECO Design Richtlinie werde hier in einzelnen Bereichen zu einer erheblichen Änderung der Produktpalette führen. Neue Produktbezeichnungen mit ihren Eigenschaften müssen sich dann am Markt erst wieder etablieren. Schwierigkeiten können auch bei der Ersatzbeschaffung von bereits eingeführten Produkten entstehen. Die ECO Design Richtlinie ist eine Rahmenrichtlinie mit dem Ziel, die Energie- und Umwelteffizienz bei energierelevanten Produkten erheblich zu verbessern. Für derzeit 30 Produktgruppen sollen hier von Seiten der EU strengere Vorgaben in Sachen Energieeffizienz eingeführt werden. Auch die beiden Medizintechnikverbände COCIR und EUCOMED stehen in der Diskussion mit der EU, inwieweit auch hier entsprechende Vorgaben erarbeitet werden können.

Diese und noch viele andere Themen der 16. Jahrestagung des Österreichischen Verbandes der Krankenhaustechniker statteten die Teilnehmer mit den nötigen Hintergrundinformationen aus, um ihre Krankenhäuser in eine von Kosten- und Leistungsdruck, verknappenden Ressourcen sowie immer älter und kränker, aber auch anspruchsvoller werdenden Menschen geprägte Zukunft zu führen. Sie wird nur mit neuen Ideen und Denkansätzen zu meistern sein sowie dem Mut, mit Traditionen zu brechen und etwas völlig Neues zu wagen.

Maria Thalmayr
kma 11/2011 - Seite: 100-101

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