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Elke Frank

Auf Höhenflug

Foto: Klinikverbund Südwest

Ganz oben: Elke Frank auf dem Hubschrauberlandeplatz des Klinikums Sindelfingen.

Eine Karriere hat sie nie geplant. Aber sie hat alles dafür gegeben, um zu wachsen. Gerade hat sie sich in einem Bewerbungsverfahren gegen 54 Konkurrenten durchgesetzt, die meisten davon Männer: Die Krankenschwester von einst managt künftig einen großen kommunalen Klinikverbund zwischen Stuttgart und dem Schwarzwald.

Die Scherz-Schilder, die in ihrem Büro im Klinikum Sindelfingen am Garderobenständer baumeln, haben ihr ihre „Männer” geschenkt – ihr Mann und ihre drei Jungs. „Machtzentrum” steht auf dem grünen; „Herrin der Lage” auf dem violetten. Die blonde Frau mit der jugendlichen Pony-Frisur, die ihre dezenten Kostüme nicht zufällig stets mit einem farbigen Gegenakzent kombiniert, um bei aller Seriosität nie unnahbar zu wirken, schiebt mir beim Interview locker ein Knoppers aus dem offiziellen Süßigkeitenteller über den Konferenztisch. Sie kann herzhaft lachen – und im nächsten Moment mit entschlossenem Blick unmissverständlich signalisieren, dass in Punkten, die ihr wichtig sind, nicht mit ihr zu spaßen ist. Wer im Raum die Hosen anhat, spürt man schnell. Und es fühlt sich gar nicht schlecht an, denn immer ist ein Augenzwinkern mit dabei. Elke Frank leitet seit April den Klinikverbund Südwest, einen der größten kommunalen Verbünde Süddeutschlands. Drei Kinder hat sie großgezogen. Und wenn der Alarm schrillt, setzt sie sich ans Steuer eines 7,5-Tonnen-Löschfahrzeugs der Freiwilligen Feuerwehr, um mit Blaulicht und Martinshorn auszurücken.

Ein Gespräch mit einer Frau, die wie selbstverständlich Karriere gemacht hat – und dies in einer Männerwelt.

2009 kamen Sie zum Klinikverbund Südwest und wurden eine von drei Krankenhausdirektorinnen unter dem damaligen Verbundsgeschäftsführer. Als der 2011 überraschend ging, sprangen Sie vorübergehend in die Bresche. Um die Stelle bewerben wollten Sie sich aber nicht. Warum?

Ich hatte aus der Historie heraus ein bisschen Angst vor dieser Position. Nein, „Angst” ist der falsche Begriff: Respekt. Ich habe den Berg an Aufgaben gesehen und mich gefragt: Tue ich mir diese Herausforderung an? Zweitens hatte ich die Befürchtung, dass es im Haus eine Stimmung gegen mich gibt und gesagt wird: „Deswegen ist sie also hierher gekommen.” Aber das war nicht so. Ich habe mich gefragt: Werde ich akzeptiert, wenn ich aus der zweiten Reihe heraus aufsteige? Funktioniert das mit nur zweieinhalb Jahren Erfahrung im Hintergrund?

Und was hat dann den Ausschlag gegeben, sich doch zu bewerben?

Nach den ersten sechs Wochen in dieser Interimsposition habe ich gemerkt: Ich habe ein Standing, ich komme mit meinem Führungsstil an, ich kann Beruf und Familie unter einen Hut bringen. Und wenn Sie sich meinen Lebenslauf ansehen, wissen Sie, dass ich Herausforderungen nicht scheue.

Was macht Ihren Führungsstil aus?

Um eine erfolgreiche Führungskraft zu sein, muss man einen Strauß an Instrumenten haben. Bei manchen Mitarbeitern funktioniert Laisser-faire, andere brauchen glasklare Ansagen. Mein Führungsstil ist diese Vielfalt von „Hier habt ihr ein Ziel, geht drauf zu, das sind die Leitplanken” bis „Ihr habt nur diesen schmalen Grat, und auf dem geht ihr heute”.

Künftig werden Sie als Chefs der Einzelstandorte sechs Klinikmanager unter sich haben, zwei Drittel davon Frauen. Was das Zusammenspiel in der Unternehmensführung betrifft: Spielt es eine Rolle, wie viele Männer oder Frauen da sitzen? Und wo?

Definitiv. In reinen Frauenteams gibt’s Zickenkrieg; auch reine Männerteams sind eine Katastrophe. Eine vernünftige Mischung muss es sein. Ich könnte jetzt die Studie diskutieren, dass börsennotierte Unternehmen mit Frauen im Vorstand um zehn Prozent besser sind, muss ich aber nicht. Diese Diskussionen ums Geschlecht, ich verstehe sie nicht ganz. Schon genetisch ist es so angelegt, dass der eine nicht ohne den anderen kann, und so ist es auch in der Berufswelt. Ich frage nicht nach dem Geschlecht, sondern ich frage: Kann er/sie diese Aufgabe erfüllen? Und will er/sie es?

Führen Frauen anders als Männer?

Ich glaube schon. Frauen nutzen ihre emotionale Intelligenz bewusster, spüren Schwingungen innerhalb einer Gruppe, Befindlichkeiten. Ich schaue auch: Wo steht mein Gegenüber gerade, auch emotional? Und wo muss ich den abholen?

Ist es Ihnen schon mal passiert, dass ein Chefarzt Sie hat spüren lassen: „Ich bin der Chefarzt und du bist ‚nur‘ die Krankenschwester”?

Ja. Und das war auch der Grund, warum ich nicht mehr Krankenschwester bin. Ich habe 16 Jahre lang als Anästhesie- und Intensivfachschwester gearbeitet und war zum Schluss richtig gut. Ich hatte eine Situation, da kam so ein Junger frisch von der Uni. Wir haben einen Patienten betreut, und ich habe gesagt: „Wenn du das machst, kannst du dem Patienten schaden.” Dann hat dieser Herr zu mir gesagt: „Gute Idee, aber ich bin der Arzt und deshalb machen wir es so.” Im dem Moment sagte ich zu mir: „Stopp! Nicht mehr Krankenschwester!” Deshalb habe ich auch promoviert, weil ich wusste: Wenn ich mich als Ex-Schwester in einer Führungsposition durchsetzen will, funktioniert das nur als Frau „Dr.” Frank.

Aber Sie sind nicht Dr. „med.”.

Selbst Chefärzten ist klar: Eine Pflegekraft, die 16 Jahre Anästhesie/Intensiv gemacht hat, weiß, wie das tägliche Leben drüben tickt. Letzte Woche war ich in der Notaufnahme, und jemand ist kollabiert. Da bin ich nicht die Chefin, die mit hohen Schuhen, mit Handy und Schlüssel in der Hand dasteht und guckt, sondern eine, die hinlangt. Zweimal ist mir das schon passiert. Ich habe Mitarbeiter sagen hören: Das ist eine, die weiß, wie‘s geht, und die sich nicht zu schade ist, einzugreifen und zu helfen. Ich muss nichts mehr beweisen.

Das ist aber heikel. Einerseits sind Sie „eine von uns”, andererseits eine Respektsperson, kein Kumpel.

Natürlich ist das eine Gratwanderung. Aber ich gehe ja nicht auf Station und helfe beim Essen austeilen und mache das ja nicht jeden Tag. Nur in Notfallsituationen.

Woher nehmen Sie ihre Energie? Wie laden Sie Ihre Batterien wieder auf?

„Work-Life-Balance”, ein Ausgleich zwischen Arbeit und Leben ist für mich völliger Schwachsinn. Wenn ich in meiner Arbeit nicht leben kann, verschenke ich zwei Drittel meines Lebens. Ich lebe auch, wenn ich arbeite, und ich arbeite, wenn ich lebe. Zufriedenheit ist mir wichtig – meine persönliche, die meiner Familie, die in meinem Job. Mit meinen Jungs ins Schwimmbad gehen und einfach nur ein Buch lesen. Ich gehe auch für mein Leben gern Golf spielen – und nur mit meinem Mann. Keine Turniere, keine High Society. Wir kennen einen ganz kleinen Golfplatz: Einmal neun Loch spielen, dann selbstgebackenen Käse-, Apfel-, Zwetschgenkuchen von der Bäuerin dort essen. Am besten mit viel Butterstreusel oben drauf.

Sind Sie nicht rückwirkend selbst davon überrascht, dass Sie das geworden sind, was Sie sind?

Bin ich, absolut. Es war nicht mein Ziel. Diese Frage „Wo wollen Sie in zehn Jahren stehen?” habe ich auch in Vorstellungsgesprächen immer gehasst. Hey, dachte ich mir, weiß ich‘s? Weiß ich, was morgen kommt? Meine Zielstrebigkeit besteht darin, mich weiterzuentwickeln und das, was ich mache, gut zu machen. Wo es dann hinführt, war für mich immer sekundär. Und dass ich jetzt hier sitze, ist für mich in gewisser Weise sensationell.



Zur Person
Elke Frank (44) hat kein Einser-Abitur. Trotzdem hat sie in ihrem Leben schon mehr gemacht und erreicht, als mancher mit Einser-Abitur. Medizin – das war klar. Die junge Frau vom Dorf absolviert in ihrer Geburtsstadt Ulm eine Ausbildung zur Intensivkrankenschwester. Füllt die Funktion schnell aus – und sucht die nächste. Studiert berufsbegleitend Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Gesundheitsökonomie, promoviert in Humanbiologie. Wird stellvertretende Pflegedirektorin am Uniklinikum Ulm, Geschäftsführerin am Rhön-Krankenhaus Bad Kissingen, Dozentin für Gesundheitsökonomie an der SRH-Hochschule. Parallel dazu zieht sie drei Söhne groß. Mit ihnen und ihrem Mann lebt sie in Beimerstetten bei Ulm. Alle fünf sind bei der Freiwilligen Feuerwehr. Seit April ist sie als Geschäftsführerin des Klinikverbunds Südwest Chefin von 4.200 Mitarbeitern – darunter sind so einige mit Einser-Abitur.

Interview: Adalbert Zehnder
kma 06/2012 - Seite: 066-069

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