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3. Tag der Pflege
“Neues Qualitätsdenken” – Perspektiven und Chancen

Bereits zum dritten Mal hatte das Krankenhaus und Poliklinik Rüdersdorf GmbH zum Tag der Pflege eingeladen. Der Einladung des Geschäftsführenden Direktors der Immanuel Diakonie Group, Elimar Brandt, waren nicht nur ein zahlreiches Publikum, sondern auch die Präsidentin des Deutschen Pflegerates, Marie-Luise Müller gefolgt.

Etwa 200 Gäste, hauptsächlich Angehörige der Pflegeprofession aber auch Kollegen aus dem ärztlichen Dienst - und dieses Gemeinsame zwischen Medizin und Pflege an der Veranstaltung freute den Gastgeber Elimar Brandt besonders - bildeten das Publikum für den Hauptvortrag des Tages, den Marie-Luise Müller unter den Titel: “Zu viele Herausforderungen? - oder einfach: ein anderes Qualitätsdenken?!” gestellt hatte.
Zu den Gästen gehörten unter anderem Mitarbeiter der Immanuel Diakonie Group von verschiedenen Standorten, so etwa aus dem Immanuel Krankenhaus am Wannsee, der Rheumaklinik in Berlin-Buch, dem Evangelisch-Freikirchlichen Krankenhaus und Herzzentrum Bernau in Brandenburg sowie der Rehabilitationsklinik in Buckow.
Nach der Begrüßung der Teilnehmer durch die Pflegedienstleiterin des Hauses in Rüdersdorf,  Rosmarie Klemm, standen die Chancen, Risiken und Herausforderungen der Pflege im Mittelpunkt des Tages. Eine Besonderheit und gleichermaßen ein Kompliment an die Organisatorin Rosmarie Klemm ist bei allem auch darin zu sehen, dass die Veranstaltung - erst zum dritten Mal ausgerichtet - fast 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusammengeführt hatte. “So viele Teilnehmer hatten wir noch nie zuvor. Und damit ist bereits jetzt klar, es wird auch einen 4. Tag der Pflege geben” betonte Mag. theol. Elimar Brandt. Der Ort dazu steht bereits fest. Die nächste Veranstaltung wird in der Rheumaklinik Berlin-Buch stattfinden.

Sektorengrenzen überwinden
Die Eröffnungsrede von Elimar Brandt schlug den Bogen zum Motto der Immanuel Diakonie Group “dem Leben zuliebe”. Moderne Gesundheitseinrichtungen müssen seiner Meinung nach “ganz nah bei den Menschen sein. Sie dürfen sich nicht aus der Gesellschaft und von den Menschen verabschieden”. Das ist, in deutlichen Worten ausgedrückt, ein klares und verständliches Statement zur Patientenorientierung der Immanuel Diakonie Group. Eine Patientenorientierung, die zukünftig nicht nur für die Pflege neue Herausforderungen bereithält. Eine davon ist die Überwindung der zur Zeit noch bestehenden engen Sektorgrenzen nicht nur zwischen Medizin und Pflege sondern auch zwischen dem stationären und ambulanten Bereich im deutschen Gesundheitswesen.

Joint Care - ein “Neues Qualitätsdenken”
“Zu viele Herausforderungen? - oder einfach: ein anderes Qualitätsdenken?!” unter dieser Überschrift erläuterte die Präsidentin des Deutschen Pflegerates, Marie-Luise Müller, ihr Verständnis vom “Neuen Qualitätsdenken”. Dieses neue Denken forderte sie in einem auf die Zukunft gerichteten Perspektivenvortrag ein. Konkret bedeutet dies mehr Integration – “Joint Care” – und eine Verknüpfung der Pflege zwischen den Rechtsbereichen des SGB V und des SGB XI. In diesen Aussagen lag auch eine deutliche Kritik an die aktuellen Reformen des Gesetzgebers. Die zukünftigen Reformen benötigen, so die Präsidentin, “weniger Schnellschüsse, mehr Patientennähe und ein Zusammenwachsen zu einer gemeinsamen Wertegemeinschaft”, die unterschiedliche Professionen und unterschiedliche Empfänger der Leistungen vereinigt.
Was nun sind die Rahmenbedingungen und Herausforderungen an die Pflege? Was zeichnet das “Neue Qualitätsdenken” aus? Veränderungsdruck geht in erster Linie von der DRG-Einführung bis zum Jahr 2009 aus. Gefahr besteht hier für diejenigen Einrichtungen, die diese Zeit allein unter ökonomischen Gesichtspunkten sehen. Marie-Luise Müller erinnerte hier daran, die menschlichen Aspekte und den Auftrag der Pflege sowohl für die Mitarbeiter der Krankenhäuser als auch für die Patientenversorgung nicht aus dem Auge zu verlieren. Ihr berufspolitischer Appell aus der Sicht und für die Pflege war geprägt von einer neuen Standortbestimmung. “Pflege steht nicht am Ende einer medizinischen Behandlung, wir sind nicht das Schlusslicht der Behandlungskette. Pflege ist eine echte Querschnittdisziplin.” Wer Pflege als eine monolitische Disziplin sieht, folgt einer veralteten Perspektive. “Pflege ist nicht länger die Pflege, in Zukunft wird es Pflege in unterschiedlichen Ausprägungen und mit unterschiedlichem Stellenwert und in unterschiedlichen Einrichtungen im Gesundheitswesen geben” so die Überzeugung von Marie-Luise Müller.

Herausforderungen an die Pflege sieht die Präsidentin mit ganz konkreten Strategien für die Angehörigen der Pflegeberufe verbunden:
1. Die Angehörigen der Pflegeberufe müssen geeignete Strukturen der Vernetzung untereinander und zu anderen Einrichtungen aufbauen. Hier muss es darum gehen, starre und veraltete Sektorgrenzen zu überwinden.
2. Mit Blick auf die Abrechnung müsse eine Fallvergütung die Pauschalberechnung ersetzen.
3. Bedingt durch die Dynamik in der Trägervielfalt muss sich das Augenmerk bei der Organisationsentwicklung auf medizinische und pflegerische Kernkompetenzen auf die relevanten Prozesse richten. Prozesse müssen transparent gemacht, gesteuert und dokumentiert werden. Behandlungs- und Patientenpfade müssen zu neuen Organisationselementen werden. Jede Einrichtung muss sich hierbei einer Grundsatzentscheidung stellen und diese für sich beantworten: Sollen die Patientenpfade Leitlinien gestützt sein und ihren Schwerpunkt im Bereich der Medizin beanspruchen, oder soll in erster Linie die Patientenorientierung den Schwerpunkt bilden? Wenn das so ist, bildet die Dienstleistungsorientierung das Fundament für die Ausrichtung der Prozesslandschaft. Und genau an dieser Stelle ist dann die Orientierung an dem Patientennutzen handlungsleitend.
4. Ein klares Bekenntnis hat der Deutsche Pflegerat zur Qualitätssicherung. In allen Bereichen der Wertschöpfung und bei allen Kernprozessen muss zukünftig die Qualitätssicherung fest verankert sein. “Wir befinden uns am Einstieg zum Wettbewerb um Transparenz und Qualität. Der gesetzlich verbindliche Krankenhaus-Qualitätsbericht ist ein besonders prominentes Beispiel für diesen Paradigmenwechsel”.
5. Mit Blick auf die Mitarbeiterorientierung gibt es Pflichten sowohl für die Mitarbeiter als auch für die Führung eines Hauses. Hier werden immer wieder neue Qualifikation und neue Fähigkeiten gefragt sein, Bereitschaft zu Flexibilität, Lernen und Kooperation sind nötig. Für die Führungskräfte, die “echte Führungspersönlichkeiten” sein müssen, gilt darüber hinaus: Sie müssen nicht nur Vorbild sein, sondern auch eine persönliche Magnetfunktion für neue Ideen und die Mitarbeitermotivation erfüllen.

Rahmenbedingungen für das “Neue Qualitätsdenken”
Die Anforderungen an die neue Perspektive der Pflege stehen im Kraftfeld von Ökonomie und Kostendruck, der die Krankenhäuser bis 2009 erfassen wird. Im Bereich Personal wird sich in vielen Einrichtungen der Stellenabbau in dieser Phase beschleunigen, reduzierte Pflegebudgets sind die Folge. Bedingt durch die demografische Entwicklung und der starken Zunahme älterer Patienten wird aber innerhalb der nächsten 20 Jahre die Nachfrage nach Fachkräften in allen Bereichen der Pflege ansteigen. Wer hier kurzfristig Stellen abbaut, wird schon in mittlerer Frist Engpässe spüren. Auch von den individuellen Akteuren, den Patienten oder Kunden der Gesundheitseinrichtungen, werden neuartige Ansprüche ausgehen. Individuelle Gesundheitsleistungen und Selbstbeteiligungen werden den Patienten zu einem echten Kunden und Nachfrager mit besonderen Wünschen und Vorstellungen an die Dienstleistungen in der Pflege machen. Schließlich werden neue Anforderungen an die Prozessgestaltung und Prozesssteuerung sichtbar, wenn zunehmend Versorgungsketten klinische Akutbetten ersetzen werden.

Das Krankenhaus als “Wertegemeinschaft”
In besonderer Weise zeigen die Häuser der Immanuel Diakonie Group bereits jetzt schon die enge Verbindung zwischen einem Werte orientierten Selbstverständnis und einer sichtbaren Qualitätspolitik als Element ihres Krankenhausmanagements. In einer solchen Umgebung könne sich das “Neue Qualitätsdenken” als echte “Wertegemeinschaft” durch das Handeln aller Mitarbeiter entwickeln. Wer dagegen ein “Neues Denken” von oben verordnen will, wird schnell mit Akzeptanzproblemen konfrontiert sein und merken, dass die Bekenntnisse allein nicht zu besseren Ergebnissen führen werden.

Workshops, Arbeitsgruppen und Projektergebnisse
Die zweite Tageshälfte war für die insgesamt neun Workshops und die Poster-Präsentationen aus den verschiedenen Einrichtungen reserviert. Die Workshops, in denen Referate, Vorträge und Projektberichte vorgestellt wurden, deckten ein breites Themenspektrum ab und waren - nach dem Muster des “Neuen Denkens” - bereits Berufsgruppen übergreifend zusammengesetzt. Pflegemitarbeiter, ärztliche Kollegen und sogar externe Projektpartner stellten sich dem Dialog. Das thematische Spektrum reichte von Workshops zu “Diabetes und Pflege”, “Integration enteraler Ernährung”, “Präoperative Pflegevisite” über “job variation der Qualitätsmanagementbeauftragten in der Pflege”, “onkologische Patienten in der Immanuel Diakonie Group”, “Pflegeüberleitung als Instrument der Qualitätssicherung”, “neue Chancen und neue Wege für die Pflege”, “Qualitätssicherung der Pflege durch Stellenbeschreibungen und Einarbeitungskonzepte” bis hin zu “Möglichkeiten zur Mitarbeitermotivation in der Pflege anhand eines Praxisberichtes”.
Rosmarie Klemm bewertete das Konzept des Pflegetages und die Aktivitäten der Immanuel Diakonie Group als Beispiel für eine gelungene Form der internen Kommunikation und Nutzung des dezentralen Sachverstandes aus den einzelnen Standorten. Die Impulse des “Neuen Qualitätsdenkens”, an einigen Stellen bereits deutlich geworden, sollen im konstruktiven Dialog umgesetzt und weiterentwickelt werden. Eine Bewertung dieser Zielstellung wird unter anderem am 4. Tag der Pflege möglich sein. 

Die Autoren
Dr. Thomas Brechtel
37 Grad GmbH Düsseldorf
thomas.brechtel@37-grad.org
Niederrheinstraße 231, 40474 Düsseldorf
Kristina Donath, Krankenhaus & Poliklinik Rüdersdorf GmbH
k.donath@immanuel.de
Seebad 82 / 83, 15562 Rüdersdorf

Dr. Thomas Brechtel 37 Grad GmbH Düsseldorf thomas.brechtel@37-grad.org Niederrheinstraße 231, 40474 Düsseldorf Kristina Donath, Krankenhaus & Poliklinik Rüdersdorf GmbH k.donath@immanuel.de Seebad 82 / 83, 15562 Rüdersdorf
Pflege und Management 06/2005 - Seite: 042

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