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Personalmanagement

Der Pflege-Notstand ist vorprogrammiert

Erfahrungen gibt es zur Genüge. Als vor Jahren Ausgabenkürzungen im Bildungsbereich zu einem rasanten Überhang an qualifiziert ausgebildeten Lehrer und Lehrerinnen führte, glaubte keiner, welche Anstrengungen es in wenigen Jahren kosten würde, den Lehrerberuf wieder attraktiv zu machen. Heute mobilisieren die Bildungsminister die letzten Reserven - zum Beispiel durch Anwerbung bereits pensionierter Lehrer -, um die Stundenpläne an den Schulen einzuhalten.

Wer in diesen Tagen nach Finnland fährt, kann erleben, mit welchen ausgefallenen Methoden junge Menschen dazu ermuntert werden, den Pflegeberuf zu ergreifen. Dieses Land leidet unter einem verheerenden Pflegekräftemangel, was zu dem Kuriosum führt, dass neu eingestellten Fachkräften bis zu 150 Euro höhere Löhne geboten werden als den bereits Beschäftigten. In Deutschland weiß jeder, dass infolge der demographischen Entwicklung ein noch nicht abzuschätzender Mehrbedarf an Pflegekräften auf uns zukommt. Und dennoch wird derzeit alles unternommen, die gemachten Fehler im Bildungssystem im Gesundheitswesen zu wiederholen. Und dies mit den gleichen Argumenten der Kostenersparnis. Was in diesem Zusammenhang besonders ärgerlich ist, dass die Solidarität der Pflegekräfte zu ihrem Beruf und ihrer Verantwortung bis zur schmerzhaften Grenze ausgenutzt wird.

Der Marburger Bund zeigte wenig Skrupel, als er die Gesellschaft aus pekuniären Gründen insgesamt unter Druck setzte und mit einem Ärztestreik die medizinische Gesamtversorgung in Gefahr brachte. Dieser Kampf lohnte sich, die Ärzte zwangen die Gegenseite in die Knie. Die Pflegekräfte blieben still, ersetzten so gut sie konnten die medizinischen Lücken, um nun zu erleben, wie die entstandenen Mehrkosten zu Kürzungen ihrer eigenen Ansprüche genutzt werden. Aus ethischer Solidarität zum Patienten wurde ein Bumerang. Aber der Bumerang wird weitaus mehr die Gesellschaft insgesamt treffen. Wenn die Verantwortlichen im Gesundheitswesen glauben, dem Kostendruck auf dem Rücken der Pflegekräfte zu widerstehen, dann entstehen langfristig irreparable Folgewirkungen. Es ist bereits erkennbar, dass der Pflegeberuf an Anziehungskraft für junge Berufseinsteiger verliert. Das geschilderte finnische Dilemma bleibt eine Frage der Zeit und dies unter dem Aspekt, dass der Pflegebedarf rasant steigt. Inzwischen zeigt der erschreckende Mangel an fachlich qualifizierten OP- und Intensivpflegekräften seine warnenden Wirkungen. Weitaus ärgerlicher ist jedoch, dass die schöpferische Kraft der Verantwortlichen nicht ausreicht, gemeinsam mit den ausgebildeten Pflegekräften Modelle zu entwickeln, die den Bedürfnissen der Patienten wie den Pflegenden gerecht werden. So lange fachlich ausgebildete Pflegekräfte strikt von medizinischen Aufgaben ferngehalten und zu niedrigen Serviceleistungen angehalten werden, werden sich die Zielsetzungen Leistungsqualität und Kostenentlastung nicht durchsetzen lassen. So lange die medizinischen Einrichtungen die hierarchieschen Strukturen aller Wirtschaftszweige behalten, so lange bleiben die Ansprüche nach modernem Personalmanagements leere Phrasen. Es wird Zeit, dass die Pflegekräfte selbst ihre berufspolitischen Anliegen organisieren und in geeigneter Form durchsetzen.

Tuula Lindemeyer
Pflege und Management 06/2007 Seite: 003

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