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Intensivfachkrankenpflege

Unternehmensziel bestimmt das Bildungsziel

Auf der Intensivstation sollten 70 Prozent der Pflegekräfte eine Fachweiterbildung absolviert haben. Diese Forderung der Deutschen Gesellschaft für Fachkrankenpflege (DGF) scheint aus Sicht des Pflegemanagements zu pauschal. Es gilt, über eine neue Struktur der Fachweiterbildung nachzudenken.

Die Deutsche Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste (DGF) e.V. veröffentlichte 2009 ihren Fachkrankenpflegestandard. Neben der Beschreibung von Kompetenzgebieten und Tätigkeitsspektren wird eine Quote von 70 Prozent fachweitergebildetem Pflegepersonal in der Anästhesie, im OP und auf Intensivstationen sowie eine Pflegekraft/Patientenquote bei kritisch Kranken von eins zu eins gefordert. Diese und ähnliche Forderungen in der Vergangenheit sind ebenso undifferenziert wie verwirrend. Denn Bildungsgänge müssen – darüber besteht im Management Einigkeit – mit dem Tempo der Prozessveränderungen Schritt halten und auch künftige Bedarfe des Arbeitsmarkts und medizinisch-pflegerische Entwicklungen begründet in ihre Unterrichte integrieren.

Es fehlt die Patientenperspektive
Ein Dialog auf Augenhöhe mit allen Verantwortlichen wird durch die Forderung der DGF nicht gefördert. Vielmehr wird deutlich, dass qualitative und quantitative Vorstellungen nicht aus der Patientenperspektive beziehungsweise Fallschwere gedacht, sondern pauschalisiert werden. Für die Patientensicherheit und deren Outcome ist es zielführender, ähnlich wie in Nachbarstaaten klar definierte Patientenphänomene und Aufgabenkomplexe – etwa im Sinne der Primären Pflege – zu verabschieden, die nur von fachweitergebildetem Personal übernommen werden können. Hier könnten die knappen ärztlichen Ressourcen geschont und der Fachpflegebereich weiterentwickelt werden. Damit würde in der gebotenen Differenzierung deutlich, wann in einigen Abteilungen die Zahl der Fachpflegekräfte aufgrund der Diagnosen und Therapien steigen muss oder sinken darf. Der 2010 gefasste Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) zur Intensivpflege von Patienten mit Bauchaortenaneurysma von Ende 2009 durch fachweitergebildete Kräfte dient hier als Beispiel – möglich ist für eine Differenzierung, neben den medizinischen Diagnosen, auch verstärkt Pflegediagnosen einzubeziehen.

Maximal- und Regelversorger haben unterschiedliche Anforderungen
Viele Pflegeverbände bemühen sich zur Zeit um ein schärferes Profil in den professionellen Pflegeberufen. Denn wenn heute unterschiedliche Gesprächspartner über „Pflege” sprechen, bedeutet dies leider auch, dass sie den Pflegebegriff unterschiedlich füllen und eben nicht über das gleiche Anliegen sprechen. In der Bevölkerung wird Pflege überwiegend in der häuslichen Versorgung und Altenpflege wahrgenommen. Der beruflich Pflegende meint mit Pflege den pflegerischen Versorgungsprozess auf unterschiedlichen Stationen und in ambulanten Einrichtungen. Im Krankenhaus ist die Wahrnehmung der Pflegeberufe noch deutlich komplexer und komplizierter. Pflege ist dort eine Querschnittsdisziplin und in Fachabteilungen (Kliniken) oder Zentren organisiert. In abgestuften Angeboten werden Leistungen als Basispflege, in Intermediate-Care-Abteilungen und auf Intensivstationen erbracht. Je nach Risikoprofil werden die Patienten in den unterschiedlichen Stationen versorgt. Der Versorgungsauftrag des Krankenhauses bildet eine weitere Differenzialgröße. Es werden unstrittig an Krankenhäusern der Zentral- und Maximalversorgung andere Patientengruppen angesprochen als in Krankenhäusern der Grund- und Regelversorgung.

Eine Pauschalforderung von 70 Prozent Fachkräften auf den Intensivstationen ist deshalb keine wirkliche Hilfe für eine bedarfsgerechte, qualitative und quantitative Versorgung mit Fachpflegepersonal. Zielgerichteter wäre aus Sicht des Pflegemanagements das Angebot einer modularisierten, staatlich anerkannten Fachweiterbildung mit dem Fokus auf das Leistungsspektrum der Klinik und den Versorgungsauftrag. So könnten Ressourcen konzentriert werden und das Weiterbildungsangebot zu einer Profilschärfung beitragen. Die entscheidungsleitenden Aspekte und Dimensionen zur Auswahl einer effizienten Qualifikation des Pflegepersonals im Anästhesie-/Intensivpflegebereich sind in der Grafik auf dieser Seite vereinfacht dargestellt.

Lehrpläne müssen differenzierter sein
Auf einer abstrakten Ebene bestehen viele Gemeinsamkeiten zwischen Pflegepädagogen und Pflegemanagern. In beiden Feldern geht es um das Sichern der Wettbewerbsfähigkeit: Gewinnen des Wettbewerbs um Weiterbildungsteilnehmer durch ein praxisrelevantes, zukunftsweisendes und bezahlbares Bildungsangebot für die einen und Gewinnen des Wettbewerbs um Patienten durch sichere, effiziente und würdevolle pflegerische Behandlungsprozesse für die anderen. Diese zunächst vielleicht banal anmutende Feststellung ist von zentraler Bedeutung, da sich aus ihr alle weiteren Maßnahmen und Entscheidungen für die Pflegequalität in der Anästhesie- und Intensivpflege konsequent ableiten lassen müssen. Da dies gegenwärtig im Detail nicht immer der Fall ist, wie an einigen Beispielen gezeigt werden konnte, erscheint es erforderlich, den gemeinsamen Weg hier aufzuzeigen.

Wenn künftig der Dialog noch stärker betrieben wird, wenn das Maß des für den Patienten notwendigen Pflegewissens deutlicher in den Lehrplänen Berücksichtigung findet und entscheidungsleitend sein darf, wenn Differenzierungen in den Kompetenzprofilen gestaltet werden – dann stehen die Aufgaben der Anästhesie- und Intensivpflege im Mittelpunkt.

Andreas Möller, Andreas Schneider
kma Pflege 06/2012 Seite: 044-045

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