Der Skandal um Hunderttausende Billig-Brustimplantate soll europaweit strengere Kontrollen nach sich ziehen. Frankreich will sich für eine umfassende Überarbeitung der EU-Richtlinie für Medizinprodukte einsetzen. Hersteller von Silikonkissen und ähnlichen Produkten sollten wesentlich strenger überwacht werden und mehr Prüfdaten liefern, ließ Gesundheitsminister Xavier Bertrand am Mittwoch mitteilen. Zudem sei es notwendig, den Austausch zwischen den zuständigen Behörden zu verbessern.
Französische Hersteller müssen bereits in naher Zukunft mit einer deutlich strengeren Überwachung rechnen. Bertrand kündigte an, die Zahl der unangemeldeten Kontrollen zu erhöhen. Hintergrund der Vorschläge ist ein neuer Untersuchungsbericht über die kriminellen Machenschaften des französischen Unternehmens Poly Implant Prothèse (PIP). Er kommt zu dem Ergebnis, dass die derzeitigen Kontrollsysteme nicht ausreichen, um organisierten Betrug zu verhindern.
Der Hersteller PIP hatte über Jahre hinweg Brustimplantate mit nicht zugelassenem Silikon verkauft, um mehr Gewinn zu machen. Die Prothesen stehen im Verdacht, besonders reißanfällig zu sein. Ausgetretenes Silikon hat bereits in etlichen Fällen entzündliche Reaktionen ausgelöst.
Der Verdacht eines möglichen Zusammenhangs zwischen PIP-Brustimplantaten und Krebserkrankungen ist bislang nicht bewiesen. Länder wie Deutschland und Frankreich haben jedoch Brustimplantat-Patientinnen empfohlen, sich ihre Silikonkissen vorsichtshalber entfernen zu lassen. Gegen das Unternehmen und dessen Gründer Jean-Claude Mas wird wegen fahrlässiger Körperverletzung und Tötung ermittelt.
Auch gegen den TÜV Rheinland gibt es mehrere Klagen. Das deutsche Unternehmen war im Fall PIP für die sogenannte Konformitätsbewertung nach der derzeitigen europäischen Richtlinie für Medizinprodukte zuständig. Der TÜV betont allerdings, dass es dabei nicht um eine Produktprüfung der Implantate selbst, sondern nur um eine Prüfung der Produktunterlagen sowie des Qualitätsmanagement-Systems des Herstellers geht. Er hat selbst Anzeige wegen Betrugs gegen PIP erstattet.
02.02.2012 - Politik
Silikonkissen-Skandal
Frankreich will strengere EU-Regeln
Die kriminellen Machenschaften des Brustimplantate-Herstellers PIP sollen nach Willen Frankreichs europaweit Folgen haben. Paris will über eine EU-Richtlinie strengere Kontrollen für Medizinprodukte erreichen.


