Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) eröffnete am Donnerstag die sogenannte Studien-Praxis samt Wartezimmer, Behandlungsräumen und ungeduldigen Patienten. Vor rund einem Jahr hatte die Universität bereits ein detailgetreues Studien-Hospital für Simulanten eingerichtet. Das deutschlandweit einzigartige Modell in Münster solle Schule machen in der Medizinerausbildung, sagte Schmidt.
Ziel sei es, praktisches Wissen in typischen stationären und ambulanten Arzt-Patienten-Situationen zu vermitteln. Die Schauspieler stellen dabei verschiedene Krankheiten dar. Die angehenden Ärzte können Fragen etwa nach Häufigkeit, Stärke der Schmerzen und Lebenswandel des fiktiven Patienten stellen und dabei Diagnosen üben.
Durch die praxisnahe Ausbildung bekommen die Studenten mehr Stoff vermittelt: Studien zufolge bleiben bei klassischen Vorlesungen im Studium etwa rund fünf Prozent Wissen hängen, beim praxisnahen Lernen hingegen bis zu 50 Prozent. Und: "Man würde ja auch keinen Piloten ohne die Ausbildung am Simulator an den Start schicken", sagte Studiendekan Bernhard Marschall.
Der Hausarzt habe als Lotse im Gesundheitswesen eine "zentrale Rolle", betonte Ministerin Schmidt. Allgemeinmediziner seien die wichtigsten Ansprechpartner für Patienten, fachlich, aber auch mit Blick auf soziale Betreuung und eine eventuell später nötige Pflege - vor allem wegen der demografischen Entwicklung in der Gesellschaft.
Wie auch für das 2007 eröffnete Studien-Hospital hat die Universität für ihr Vorhaben tief in die Tasche gegriffen - rund 400 000 Euro aus Landesmitteln und Sponsorengeld wurden investiert. Der für Studenten konzipierte Komplex soll bereits 2010 erweitert werden. Künftige Ärzte sollen dann in einem Operationstrakt zu Skalpell und Tupfer greifen können - dann aber an Patienten-Puppen und nicht an Schauspielern.

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dpa
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