Telemedizin-Projekt mit KKH Erding

Bessere Versorgung für Schlaganfallpatienten

Das Kreiskrankenhaus Erding und das Klinikum Landshut haben eine neue Kooperation geschlossen: mit Unterstützung der Telemedizin werden die beiden Kliniken in der Versorgung von Schlaganfällen noch enger zusammenarbeiten.
Ein entsprechender Vertrag zwischen den beiden Häusern ist heute unterzeichnet worden.

Bei drohendem Schlaganfall sind die ersten drei Stunden entscheidend. Meist vergeht die erste Stunde, bis überhaupt realisiert wird, dass die Blutzufuhr zum Gehirn gestört ist. Die zweite verliert der Patient durch den Transport ins Krankenhaus. Dann bleibt den Ärzten oft nur eine Stunde für die richtige Diagnose und Therapie, sonst ist die Blutversorgung des Gehirns soweit eingeschränkt, dass es zum Hirntod oder einer dauerhaften Behinderung kommen kann.

Um Patienten im Landkreis Erding noch besser wohnortnah versorgen zu können und den gesteigerten gesundheitspolitischen Vorgaben zur Versorgung von Schlaganfallpatienten nachzukommen, wurde nun die Kooperation mit dem Klinikum Landshut intensiviert. Dort hat die Neurologie um Chefarzt Prof. Dr. Josef Heckmann MME für solche Fälle eine eigene Stroke Unit, die auf alle Formen der Schlaganfälle spezialisiert ist und ständig im Traumazentrum für Notfälle bereit steht. Die Landshuter Spezialisten stehen nun auch für Erdinger Patienten zur Verfügung – über eine direkte, datengesicherte Verbindung, die eine Kommunikation ohne Zeitverlust erlaubt. Möglich macht dies ein mobiles Telemedizinsystem, also ein beweglicher Arbeitsplatz mit Computer, Videokamera und eigenem Internetanschluss. Hat ein Arzt in Erding einen kritischen Fall, kann er bei der Untersuchung den Bereitschaftsarzt der Neurologie in Landshut hinzuziehen. Durch eine Videokonferenz ist der Landshuter Arzt quasi live dabei, wenn der Kollege in Erding den Patienten untersucht. Es werden sowohl Livebilder und Ton als auch Befunde über Satellit an das Klinikum Landshut übertragen. Nach der Untersuchung können sich die Ärzte über das weitere Vorgehen beraten. Der Landshuter Neurologie gibt hierbei seine Empfehlung für die Behandlung und eine eventuelle Verlegung ins Landshuter Klinikum ab, der diensthabende Arzt in Erding trifft die letzte Entscheidung.

„Die telemedizinische Anbindung an Landshut ist ein weiterer Baustein in unserem Schlaganfallkonzept”, so Erdings Vorstand Sándor Mohácsi. Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Hans Peter Emslander schließt sich an: „Wir haben in den letzten Jahren einiges in Bewegung gesetzt, um uns den steigenden Anforderungen bei der Versorgung von Schlaganfallpatienten zu stellen. Das Erdinger Krankenhaus ist nun hervorragend dafür aufgestellt.” Prof. Dr. Josef Heckmann, Leiter der Neurologie am Klinikum Landshut, freut sich ebenso über die neue Kooperation, die wie das TEMPiS-Projekt des Städtischen Klinikums München GmbH funktioniert. Um Patienten bestmöglichst zu versorgen, sei es wichtig, dass Spezialisten wie in Landshut ihre Ressourcen auch den Krankenhäusern zur Verfügung stellen, die keinen eigenen Fachneurologen rund um die Uhr zur Verfügung stehen haben. Die Ärzte schätzen auch den regelmäßigen persönlichen Kontakt, der zwischen den Häusern gepflegt wird.

Geschäftsführer Dietmar Bönsch sieht in der Telemedizin große Zukunftschancen für die Sicherstellung einer wohnortnahen Versorgung einerseits und der Nutzung spezifischer Expertise, die nur in größeren Krankenhäusern zur Verfügung gestellt werden kann, andererseits. Dies gilt nicht nur für die Schlaganfallversorgung. „Die Ärztliche Leitung und Geschäftsführung in Erding gehen im Sinne für die Patienten einen guten und richtigen Weg”, so ist Bönsch überzeugt. Im subventionierten TEMPiS-Projekt sind nur das Städtische Klinikum in München und die Uniklinik in Regensburg als Satellitenkrankenhäuser in der Schlaganfallversorgung vorgesehen. Dies ist für eine hochwertige, effiziente und zeitgerechte Schlaganfallversorgung für Niederbayern und die angrenzenden Landkreise unzureichend. Auch stellen das Klinikum Landshut und das Kreiskrankenhaus Erding dieses integrative Versorgungsprojekt über Stadt- und Landkreisgrenzen hinaus eigenständig und finanziell unabhängig von Subventionen auf die Beine. Das Klinikum Landshut konnte bereits in 2008 neue Wege in der Versorgung von Krebspatienten als anerkanntes Zentrum nach § 17b KHG sowie in der akutgeriatrischen Behandlung gehen. „Wir freuen uns, dass nunmehr ein weiteres innovatives Projekt für eine verbesserte Patientenversorgung in Erding hinzukommt und wir hieran teilhaben können”, so Bönsch.

Im Kreiskrankenhaus Erding wurden bereits bisher Schlaganfallpatienten auf hohem Niveau versorgt. So ist in dem Haus eine Oberärztin für Neurologie tätig, die sich in Zusammenarbeit mit ihren internistischen Kollegen in Erding um die Versorgung von Schlaganfallpatienten kümmert. Weiterhin gibt es auf der sogenannten Intermediate Care Station seit einigen Jahren vier Betten, die speziell für eine Schlaganfallüberwachung ausgestattet sind, und auch eine Versorgung durch Logopäden und Krankengymnasten ist 24 Stunden am Tag abgedeckt. Die Telemedizin wird am 01. April den Betrieb aufnehmen. Erwartet werden rund 160 Patienten pro Jahr, die von der Kooperation profitieren.

rp