Nach ihrem Krankenhausaufenthalt machte sich die Patientin im Internet Luft: Das Pflegepersonal sei unfreundlich gewesen und die Ärzte desinteressiert. Zwar hätten die sie über die Narkose und deren Risiken aufgeklärt, nicht aber über den Eingriff selbst. Mit dessen Resultat sei sie unzufrieden. Die Zimmer fand sie abgenutzt und hässlich. Immerhin, eine junge Ärztin habe sie als kompetent und angenehm erlebt, und das Essen schmecke auch nicht schlecht. Insgesamt zieht sie ein negatives Fazit, denn in diesem Haus, „fühlt man sich wie ein Stück Fleisch – die Menschlichkeit bleibt auf der Strecke”.
Mittlerweile gibt es kaum noch eine Klinik, zu der sich keine Einträge von Patienten oder deren Angehörigen in einem der kommerziellen Bewertungsportale wie "klinikbewertungen.de" oder "krankenhausexperte.de" finden. "Die meisten Kliniken achten noch nicht auf Bewertungsportale, weil sie sich nicht für groß genug halten", stellt Rasmus Meyer fest. Er ist beim medizinischen Informationsdienst MedizInfo für das Portal "klinikbewertungen.de" verantwortlich. Die jeweilige Anzahl der Bewertungen für eine Klinik sei aber nicht entscheidend, fährt der Produktmanager fort: "Entscheidend ist, wie viele das lesen." Mehr als vier Millionen Besucher und über 14 Millionen Seitenaufrufe zählte "klinikbewertungen.de" laut Meyer allein im vergangenen Jahr. Das Bewertungsportal existiert seit 2006 und finanziert sich durch Werbung. Zudem erhält es Mittel aus dem "Zukunftsprogramm Wirtschaft" des Landes Schleswig-Holstein. Nach Unternehmensangaben sind in dem Portal rund 3.460 Krankenhäuser und Reha-Kliniken verzeichnet. Neben den Qualitätsberichten liegen Meyer zufolge für etwa zwei Drittel der eingetragenen Häuser auch Erfahrungsberichte von Patienten und Angehörige vor – insgesamt mehr als 20.000 Bewertungen. 50 Prozent der Berichte seien positiv, wo sich die Nutzer also mit der Klinik "sehr zufrieden" gezeigt hätten, sagt Meyer.
"Ein Viertel liegt so in der Mitte, und nur ein Viertel ist wirklich ganz negativ. Das sind natürlich die Fälle, die am meisten auffallen." Diese negativen Kritiken erweisen sich für die betroffenen Kliniken mitunter als handfestes Problem. So berichtete die Verwaltungsleiterin einer kleinen Klinik für Psychosomatik in Süddeutschland, dass einmal eine Patienten einen geplanten Aufenthalt absagte, nachdem sie einen negativen Erfahrungsbericht in einem Bewertungsportal gelesen hatte. Andere ehemalige Patienten lieferten sich – was in solchen Bewertungsportalen nicht ungewöhnlich ist –, mit der Verfasserin der Negativbewertung regelrechte Kommentarschlachten. Sie bezweifelten deren Darstellung und berichteten detailliert von ihren positiven Erfahrungen. Dennoch findet es die Verwaltungsleiterin "nicht in Ordnung", dass in den Bewertungsportalen jeder anonym ein Urteil fällen könne.
Lesen Sie den gesamten Artikel in der kma-Februarausgabe. Außerdem beschäftigt sich die aktuelle kma unter anderem mit dem Vorwurf gegen die Weltgesundheitsorganisation, sie habe einen Pandemie konstruiert sowie mit den Folgen der Kassenhochzeit von Barmer und Gmünder Ersatzkasse. Viel Spaß beim Lesen!

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kma 02/2010









