Jahresgehalt für eine gute Idee

Konzerne belohnen Mitarbeitertipps

Die besten Spartipps für den Alltag im Betrieb müssen nicht aus den Führungsetagen stammen. Auch Ideen von der Basis, aus Produktion oder Verwaltung helfen, Millionen zu sparen. Manchmal sind die Vorschläge praktisch nur in Gold aufzuwiegen.

Pfiffige Mitarbeiter helfen den großen Konzernen hierzulande regelmäßig, Millionen von Euro einzusparen - und als Lohn für diese guten Vorschläge winken den Ideengebern satte Prämien. Für die großen Firmen geht es jedes Jahr um viele Millionen Euro mögliche Gewinnverbesserung. Aus Sicht der Mitarbeiter ist bei der Belohnung manchmal ein Jahresgehalt und mehr drin. Manche Firmen stellen für clevere Tipps sechsstellige Summen in Aussicht, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab. Die üppigen Sonderzahlungen sind nur fair: Denn nicht selten legt schon eine einzige Idee millionenschwere Sparmöglichkeiten offen. Die Betriebe haben das längst bemerkt und werben mit einem umfangreichen Ideenmanagment gezielt um Vorschläge.

Das Thema ist längst ein Faktor für mehr Wirtschaftlichkeit. Beispiele aus der Praxis: Mitarbeiter bei der Volkswagen AG reichten vergangenes Jahr 58 094 Verbesserungsideen ein - das sind 160 jeden Tag. Dem Konzern erlaubte das Einsparungen von 100,2 Millionen Euro.

Das ist selbst bei Europas größtem Autobauer kein Kleckerbetrag. Für den Generalsekretär des VW-Gesamtbetriebsrats, Michael Riffel, leistet die Belegschaft damit "einen wesentlichen Beitrag zu Ausbau und Festigung der Wettbewerbsfähigkeit". Aus den westdeutschen Werken Wolfsburg, Braunschweig, Salzgitter, Hannover, Emden und Kassel kamen 24 798 Sparvorschläge, für die es eine Prämie gab. VW schüttete dafür knapp 19 Millionen Euro Prämien an die Ideengeber aus - im Schnitt macht das 760 Euro für jeden umgesetzten Verbesserungsvorschlag.

Beim schwäbischen Autobauer Daimler ist die Lage ähnlich: 77 000 Verbesserungsvorschläge gab es 2011, wovon fast jeder zweite (44 Prozent) auch umgesetzt wurde. Das Unternehmen sparte damit mehr als 68 Millionen Euro und schüttete 17 Millionen Euro an Prämien aus.

Daimlers Personalvorstand und Arbeitsdirektor Wilfried Porth lobte: "Wir sind stolz auf den Ideenreichtum unserer Mitarbeiter, die in der Tradition unserer Gründerväter Gottlieb Daimler und Carl Benz immer daran tüfteln, Bestehendes noch besser zu machen."

Dabei liefern längst nicht nur die Ingenieure gute Geistesblitze - es reicht schon, wenn die Arbeiter über den Tellerrand blicken. Im Mercedes-Benz-Werk Mannheim etwa wurde bisher Öl, das beim Fräsen und Bohren von Zylinderteilen anfiel, als Altöl entsorgt. Neun Arbeiter schlugen gemeinsam vor, das Ältöl zu reinigen. Die Filteranlage dafür gab es schon in einem anderen Bereich. Durch diesen Vorschlag sparte Daimler bereits 2011 rund 218 000 Euro. Jeder der neun Ideengeber erhielt 7200 Euro Prämie. Eine Sprecherin erklärte, die Höchstsumme für einen Tipp sei bei 125 000 Euro gedeckelt und schon mehrmals gezahlt worden. Der Konzern werbe gezielt um Ideen, etwa am Schwarzen Brett, im Intranet, in Hauszeitungen oder auf Betriebsversammlungen.

Manchmal sind die Ideen praktisch nur in Gold aufzuwiegen: Zwei Bahn-Mitarbeiter im Werk Paderborn dachten sich ein Schleifverfahren für die Stahlräder der Züge aus, damit diese schneller wieder rollen können. Das Beispiel machte bundesweit Schule - Ersparnis laut Bahn: 800 000 Euro allein in den ersten drei Monaten. Die Paderborner erhielten beim "DB Award" den Preis für die beste Mitarbeiteridee.

"Das Ideenmanagement ist bei der DB fester Bestandteil der Führungsverantwortung", sagte eine Sprecherin. Alle Führungskräfte sollten Mitarbeiter anregen, Vorschläge einzureichen. Gebündelt werden sie in der Datenbank "smartidee". Dort gingen vergangenes Jahr 11 000 Vorschläge ein - vor allem technische Verbesserungsideen.

Die Bahn setzte 2011 nach eigenen Angaben die Hälfte der Ideen um, der Gesamtnutzen liege bei 18 Millionen Euro. Als Prämie fließt ein Viertel der dank des Vorschlags im Jahr nach der Einführung gesparten Summe. Der Höchstbetrag ist wie bei Daimler auf 125 000 Euro begrenzt.

Der weltgrößte Chemiekonzern BASF zahlte 2011 rund 3,4 Millionen Euro Belohnungen. Darunter war mit 160 000 Euro eine der höchsten Prämien, die BASF jemals für einen Vorschlag fließen ließ. Diese Prämie ging an drei Mitarbeiter aus Ludwigshafen, die ausgetüftelt hatten, wie bei einem bestimmten chemischen Vorgang die Produktion um tausende Tonnen im Jahr erhöht werden kann. Allein dank dieser einen Idee spart der Konzern 2,6 Millionen Euro im Jahr. 10 000 Vorschläge wurden 2011 umgesetzt - das senke die Kosten um 27 Millionen Euro.

Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air-Berlin hält es so: Mitarbeiter geben ihre Vorschläge in ein Formular im Intranet ein, ein Fachmann des Unternehmens prüft dann die Umsetzbarkeit. 2011 kamen so 585 Vorschläge zusammen. "Die Praktiker vor Ort sehen am besten, wo sich etwas verbessern lässt", berichtete eine Sprecherin.

Im Schnitt werde etwa jeder fünfte Vorschlag umgesetzt - so wie dieser: Mitarbeiter bauten ein 33 000 Euro teures Werkzeug zum Abbau von Triebwerksteilen so um, dass es auf alle Flugzeugtypen der Flotte passt. Diese Art Generalschlüssel spart eine Menge Geld. Als Belohnung fließen Prämien, die von Modellflugzeugen über Gutscheine für Langstreckenflüge bis hin zu 25 000 Euro schweren Geldprämien reichen.

Der Technologiekonzern Bosch setzt auf die Intelligenz in der Gruppe und verknüpft das interne Ideenmanagement mit Onlineplattformen nach dem Vorbild von Facebook und Co. - das dortige Einstellen, Diskutieren und Weiterentwickeln der Ideen soll die Einsparungen künftig noch weiter antreiben, wie ein Sprecher sagte. Schon 2011 gingen 45 000 Vorschläge ein, rund die Hälfte kam zur Umsetzung. Gut 47 Millionen Euro brachte das an Ersparnis - 14 Millionen Euro mehr als 2010. An Prämien flossen 9 Millionen Euro, die höchste Einzelsumme von mehr als 100 000 Euro ging an einen Mitarbeiter aus der Kfz-Technik.

Auch in der Pharmaindustrie wird Ideenreichtum belohnt: 1,7 Millionen Euro schüttete Branchenriese Bayer vergangenes Jahr an findige Mitarbeiter in Deutschland aus. Ersparnis durch ihre Ideen: rund 5,4 Millionen Euro. Insgesamt gab es bei dem Arzneimittel-Hersteller gut 6300 Vorschläge - meist aus der Produktion. Die Umsetzungsquote liege etwa bei 50 Prozent.

Satte 6 Millionen Euro konnte der Klebstoff- und Waschmittelriese Henkel im vergangen Jahr dank Tipps aus der Belegschaft sparen. Mit einer Realisierungsquote von mehr als 60 Prozent setzte die Düsseldorfer Firma mehr als die Hälfte der knapp 5000 Vorschläge um.

Angestellte müssen dabei das Rad nicht unbedingt neu erfinden, um ihren Arbeitgeber kreativ zu unterstützen. Henkel-Mitarbeiter mussten beispielsweise früher in der Waschmittelproduktion einen Sprühturm mit Druckluft ausblasen und anschließend mit Frischwasser spülen. Dann kam der Vorschlag, auf die Druckluft ganz einfach zu verzichten und den Turm mit Spülwasser zu säubern. Die Idee sparte nicht nur vier Stunden Reinigungszeit und große Mengen des früher genutzten Frischwassers, sondern auch Kosten im sechsstelligen Bereich.

Nicht alle Unternehmen belohnen übrigens mit Geld. Adidas honoriert Tipps beispielsweise mit einer Reise nach London zu den Olympischen Spielen. "Je mehr man die Mitarbeiter einbezieht, desto mehr fühlen sie sich im Betrieb dazugehörig", gibt eine Sprecherin zu bedenken.

dpa