OP-Neustrukturierung

Planung entlastet Ärzte

Die Elblandkliniken haben einen neuen Zentral-OP gebaut und die OP-Abläufe auf völlig neue Füße gestellt.

Der Abschied von diesem Dokument hier wird sicher einigen Kollegen schwerfallen", sagt Claudia Ebel und zeigt auf ein Blatt Papier: tabellarisch aufgelistete Operationstermine, durchgestrichene und geschwärzte Zeilen, hastig hinzugekritzelte Anmerkungen in verschiedenen Farben, manche lesbar, andere nicht. Jahrelang hat das OP-Team der Elblandklinik in Riesa mit den Printversion und ihren händischen Zusatznotizen gearbeitet, eine "lieb gewonnene Gewohnheiten", wie Ebel sagt. Unter der Ägide der Anästhesie-Chefärztin kam in den letzten Monaten das komplette OP-Management auf den Prüfstand. Das Ziel: eine zentrale OP-Planung mit einem gemeinsamen Planungsmedium für alle am OP-Prozess beteiligten Mitarbeiter zu schaffen. "Das Wesentliche an der Prozessänderung ist die Trennung der medizinischen OP-Planung von der Planung des OP-Termins", erklärt Ebel. Die Terminplanung geht nun in die Hände eines zentralen Belegungsmanagements und ist verzahnt mit der Planung der prästationären Sprechstunden, der präoperativen Diagnostik und der Planung des Aufnahmetermins. "Dadurch werden die Ärzte immens entlastet."

"Wir bauen ein Haus um unsere Arbeit herum"
"Die Planung erfolgt wie in der Industrie: von innen nach außen und nach Fertigungsleitständen", ergänzt Jörg Fischlein von der Beratungsfirma Unity, die das Vorhaben begleitet. "Diese Vorgehensweise ist wegweisend für Deutschland." IT-Partner Agfa entwickelt derzeit extra Zusatzmodule für das in der Klinikgruppe genutzte Kis-System "Orbis". Für das OP-Management hieß es aber zunächst: alle Abläufe und Zuständigkeiten zu prüfen. Henrik Johne, IT-Anwendungsleiter: "Wir haben bis ins Detail aufgezeichnet, wie viele Klicks etwa eine OP-Schwester braucht, um ein OP-Protokoll zu erstellen." Manchmal war das Ergebnis ernüchternd: "Da hat eine OP vielleicht nur zehn Minuten gedauert, aber die anschließende Dokumentation kostete die Schwester eine halbe Stunde." Künftig soll jeder Beteiligte auf Knopfdruck relevante OP-Daten eingeben und in Echtzeit abrufen können, zum Teil auch auf mobilen Endgeräten. "Ein System für alle Informationen — vom OP- übers Betten- bis hin zum Terminmanagement", beschreibt Johne das Ziel. Die Analyse der Ist-Prozesse im OP-Bereich zeigt deutliche Verbesserungspotenziale. Die Elblandkliniken haben etwa die Arbeitszeiten im OP genau begutachtet. "Erster festgesetzter OP-Beginn war meist 7.30 Uhr", erklärt Ebel. "Aber ganz ehrlich: Keiner wusste genau, was das bedeutete — war das die Zeit, zu der alle da zu sein hatten? Die Zeit, zu der der Operateur erscheint? Oder schon der Schnitt?" Nicht einmal im OP-Statut habe dazu Näheres gestanden. "Am Ende begann die OP meist erst 8.15 Uhr — was für die Anästhesie, die schon seit halb sieben im OP stand, einen großen Leerlauf bedeutete."

Effizienz — ein immer häufiger fallendes Wort im OP. Und das, womit sich auch Christian Roleff von Mölnlycke Healthcare beschäftigt. Der Hersteller von Wundversorgungsprodukten setzte sich schon früh mit dem Thema OP-Wirtschaftlichkeit auseinander. Nun hat der von ihm mitgegründete "Expertenkreis OP-Effizienz" ein eigens für den OP entwickeltes Kennzahlensystem vorgestellt: Mit der ersten Balanced Scorecard für den OP, kurz OP-BSC, sollen Kliniken die Wertschöpfung im OP vollständig betrachten und messen können. "Es kursieren Hunderte von Kennzahlen, aber es fehlte an Orientierung, welche gut, welche brauchbar — und welche einfach zu viel sind", so Roleff. Die OP-BSC versucht nun, das System OP mit seinen Ursachen, Wirkungen und Abhängigkeiten als Ganzes zu betrachten. Sie analysiert den aktuellen Ist-Zustand, zeigt Potenziale zur Verbesserung und steuert die OP-Abläufe." Konkret hieße das: eine geringere Personalbelastung und weniger Überstunden für das OP-Personal. Zwei mittelgroße Krankenhäuser haben Mölnlycke bereits mit einer Analyse per Balanced Scorecard beauftragt.

60 Prozent Auslastung angepeilt
Bessere Arbeitszeiten sind auch das Ziel von Claudia Ebel. "Natürlich geht es um eine höhere OP-Auslastung — wir peilen 60 Prozent an", sagt die Managerin. "Aber vor allem erhoffe ich mir weniger Überstunden für unsere OP-Mitarbeiter."

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