Ausstattung

Die neue Freiheit im OP

Operateure wollen alle Elemente im OP möglichst zentral steuern. Auf diesen Wunsch haben die Hersteller reagiert.

Der OP ist das Herz einer Klinik, sein Motor und sein Kern. "Core" nennt der Endoskopiehersteller Richard Wolf wohl deshalb sein OP-Ausstattungssystem — eine Reminiszenz an die Bedeutung des OP für eine Klinik. Der Begriff ist ein Akronym und steht für "Complete Operating Room Endoscopy". Dahinter verbirgt sich ein digitales OP-System, das die OP-Planung, OP-Saal und alle externen Teilnehmer miteinander vernetzt. Der Clou: Das System funktioniert über einen Touchscreenmonitor und eine Sprachsteuerung. Der Operateur kann alle Geräte im Raum — vom OP-Tisch über Hochfrequenz- bis zu Endoskopiegeräten — eigenständig und zentral bedienen. "Das geht sogar so weit, dass er die Lichtverhältnisse im OP regeln kann, indem er eine kurze Anweisung in sein Headset spricht", erklärt Timo Haller, Leiter Integrierte OP-Systeme bei Richard Wolf. Je nach gewählter Ausstattung kann die Gerätesteuerung auch durch Monitore ergänzt werden, die Computertomografien und Röntgenbilder oder auch Live-Aufnahmen der Operationskamera zeigen.

Komplettsystem weltweit auf dem Vormarsch
Etwa 400 Kliniken in weltweit über 20 Ländern arbeiten bereits mit dem Komplettsystem, eins davon ist das Krankenhaus Salem in Heidelberg. Erst im letzten Jahr stattete Richard Wolf hier sechs neu gebaute Operationssäle mit "Core" aus. Das Ziel der Heidelberger: mehr Effizienz bei den Abläufen im OP und eine bessere Ergonomie für Ärzte und Pflegende. Der stellvertretende Chefarzt der Chirurgie Moritz von Frankenberg schätzt besonders die Aufnahmemöglichkeiten: Sollten bei einer Operation Komplikationen auftreten, könne er live mitgeschnittene Kamerabilder per Schaltung einem anderen Spezialisten zeigen, ganz gleich, wo dieser sich gerade befindet. "Der kann auch gerade am anderen Ende der Welt sein und doch via Laptop und Internet einen Blick auf das Bild werfen." Auch aus ergonomischer Sicht bietet diese Option Vorteile: So könne der Chirurg die Livebilder der OP-Kamera stets auf dem Monitor anzeigen lassen, der ihm eine angenehme Arbeitshaltung ermöglicht. Auch wenn das System den Charakter einer Komplettausstattung trägt — die Geräte müssen nicht extra beim Systemanbieter Richard Wolf eingekauft werden. "Unser Steuersystem ist mit etwa 40 Geräten anderer Hersteller kompatibel", berichtet Timo Haller. In Heidelberg etwa seien Operations-Tische, -Leuchten und -Kameras und HF-Geräte bereits vorhanden gewesen — und mussten lediglich in das System integriert werden. Laut Salem-Geschäftsführer Jürgen Unrath habe das "problemlos" geklappt. "Einen Monat nach Beginn der Installationsarbeiten haben schon wieder die ersten Operationen stattgefunden." Auch OP-Lichtsysteme und -Tische ermöglichen zunehmend ein freieres Arbeiten im OP. So hat Berchtold, nach eigenen Angaben der einzige Medizintechnikhersteller, der mobile OP-Leuchten mit einer Lichtintensität von 160.000 Lux und Farbtemperaturwahl anbietet, gerade eine neue Linie auf den Markt gebracht. In den Leuchten seiner Chromophare F-Generation werden die Lichtstrahlen mittels Reflektoren so gemischt, dass der Strahlengang der LED-Lichtquelle gezielt gebündelt wird. Das Ergebnis: ein homogenes und nahezu schattenfreies Leuchtfeld. "Das Leuchtfeld kann so fokussiert werden, dass auch kleine und tiefe Wunden ohne Seitenreflektionen auszuleuchten sind", so Produktmanager Alexander Machill. Damit werde die Konzentration des Operateurs gesteigert, ist Machill überzeugt.

Leuchten einfach zu justieren
Ein weiterer Vorteil des Systems: Die Leuchten sind von einer umlaufenden Halte-Reling umgeben und mittels einem Kardanik-Seitenlager und geschickter Aufhängung um 360 Grad beweglich. "Mit einem zentralen Handgriff kann der Operateur während des Eingriffs die Größe des Leuchtfeldes anpassen und die Leuchte ganz einfach justieren." Selbst in der Bildgebung zieht eine neue Freiheit ein: Das Unternehmen Ziehm Imaging hat mobile C-Bögen entwickelt, mit denen komplexe Eingriffe, etwa in der Gefäßchirurgie oder Kardiologie, abgebildet werden können. Im letzten Jahr brachte der Nürnberger Hersteller die sogenannte Hybrid-Edition auf den Markt — eine "zuverlässige Alternative zu Festinstallationen", so das Unternehmen. Die Bögen arbeiten mit einer Flat-Panel-Technologie, die für verzerrungsfreie Bilder mit über 16.000 Graustufen bei einer Auflösung von 1,5k x 1,5k Pixel sorgen soll. Die neuen mobilen C-Bögen sind vor allem für den Einsatz im Hybrid-OP zugeschnitten: Ein kompakter 20 kW-Monoblockgenerator mit Drehanode erlaube mit seiner variablen Pulsbreite zwischen 4 und 50 ms gestochen scharfe Bilder, so der Hersteller. Mit bis zu 25 Bildern pro Sekunde können auch von bewegten Objekten, schlagenden Herzen etwa, hochqualitative Röntgenaufnahmen entstehen. Bedient wird der C-Bogen direkt am OP-Tisch: über ein Panel mit Touchscreen. Hier kann sogar eine Schnittstelle zu externen Monitoren oder wandmontierten Displays integriert werden. Die neue Freiheit im OP nimmt zunehmend Form an.

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