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Max-Delbrück-Centrum

MDC feuert Vorstand Cornelia Lanz

Foto: MDC

Cornelia Lanz

Aufgrund einer Finanzierungslücke im zweistelligen Millionenbereich hat das Max Delbrück-Centrum (MDC) Verwaltungsvorstand Cornelia Lanz vor die Tür gesetzt. Pikant: Das MDC, dem offenbar die Kosten aus dem Ruder gelaufen sind, soll für das neu ins Leben gerufenen Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIG) übergangsweise Finanzmittel in Millionenhöhe verwalten.

Überraschende Personalentscheidung: Das Kuratorium im Berliner Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) der Helmholtz-Gemeinschaft hat Cornelia Lanz, als Administrativer Vorstand zuständig für die Verwaltung, mit sofortiger Wirkung abberufen. Die Entscheidung fiel am Montag dieser Woche nach einer Sondersitzung des Aufsichtsgremiums. Die Öffentlichkeit wurde über die Personalie nicht informiert. Dass sich die Forschungseinrichtung in einer handfesten Krise befindet, räumte Walter Rosenthal, Vorstandsvorsitzender und Wissenschaftlicher Vorstand des MDC, gegenüber den Beschäftigten ein und spricht von einer "erheblichen Finanzierungslücke".

Das im Berliner Stadtteil Buch angesiedelte MDC hatte Wirtschaftprüfer mit einem Gutachten beauftragt, um die Ursachen der Finanzmisere zu finden. Ergebnis der achtwöchigen Prüfung: Die Erhöhung der Finanzmittel konnte nicht Schritthalten mit dem rasanten Wachstum der vergangenen Jahre. Das bedeutet nach Meinung von Beobachtern, dass Planung und Controlling der Personalausgaben – sie verschlingen den Löwenanteil der Ausgaben – im MDC nicht funktioniert haben. Auch könnten unzureichend kalkulierte Preissteigerungen bei Baumaßnahmen, sie entstehen zwischen Planung und Ausführung, zur Deckungslücke beigetragen haben.

Controlling der Personalausgaben hat nicht funktioniert
Nach der Prüfung des Wirtschaftsprüfergutachtens und einer Anhörung von Rosenthal und Lanz stellte das Kuratorium erhebliche strukturelle und personelle Defizite in der Administration des Zentrums fest und schickte Verwaltungschefin nach Hause. Ihre Aufgaben übernimmt kommissarisch Stellvertreter Hans-Joachim Seehrich, zusammen mit dem verbliebenen Vorstandsvorsitzenden Rosenthal. Ihm sprach das Kuratorium das Vertrauen aus. Experten fragen sich, ob die Aufsicht funktioniert hat, die Finanzmisere nicht hätte verhindert werden können.

Eine Deckungslücke in zweistelliger Millionenhöhe, die im Bucher Forschungsinstitut die Runde macht, wollte Josef Zens, Leiter der Unternehmenskommunikation, "weder bestätigen noch dementieren". Allerdings wurde dem MDC ein strikter Sparkurs verordnet, der bereits begonnen habe, so Zens. Auf Grundlage eines "Eckpunktepapiers" des Kuratoriums erarbeitet der Vorstand ein "Konsolidierungskonzept". Auf einer Personalversammlung am 16. August will Rosenthal seinen Mitarbeitern die nächsten Schritte erläutern, am 2. September dem Kuratorium das Konsolidierungskonzept zur Beschlussfassung vorlegen. Bei der Beurteilung der Vorschläge wird das Kuratorium durch eine Task Force mit hauseigenen und externen Experten unterstützt.

Delbrück-Centrum soll BIG-Finanzmittel verwalten
Die Finanzkrise trifft das MDC zu einem ungünstigen Zeitpunkt und ist angesichts der kürzlich beschlossenen Gründung des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung (BIG) politisch brisant. Der Grund: Dem MDC, dem offenbar die Kosten aus dem Ruder gelaufen sind, wurde für die Übergangsphase der BIG-Gründung bis 2015 (dann soll das Institut als eigenständige Körperschaft arbeiten) die Verwaltung der Finanzmittel in Höhe von 12 Millionen Euro (2013) und 26 Millionen Euro (2014) anvertraut, was Zens auf Anfrage bestätigte.

Unter dem Dach des BIG, das kürzlich vorgestellt wurde, soll die medizinische Forschung der Charité mit der Grundlagenforschung des MDC zusammengeführt werden. Dafür stellen Bund und Land Berlin bis 2018 rund 300 Millionen zur Verfügung. Der Bund übernimmt mit 90 Prozent den Löwenanteil der Kosten. Vorstandsvorsitzender des BIG wird mit Ernst Theodor Rietschel der frühere Präsident der Leibnitz-Gesellschaft. Den Aufsichtsrat leitet mit Georg Schütte der Staatssekretär im Ministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

MDC wächst rasant
Der Etat des MDC in Höhe von 77 Millionen Euro (2012) wird zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert. Hinzu kommen 20 Millionen Euro an Drittmitteln. Die rasant gewachsene Einrichtung beschäftigt rund 1.500 Mitarbeiter und Gastwissenschaftler. 57 Forschergruppen konzentrieren sich auf drei Forschungsgebiete: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Tumorerkrankungen sowie Erkrankungen des Nervensystems.

Vorsitzende des Kuratoriums, das jetzt die Notbremse zog, ist Bärbel Brumme-Bothe, Ministerialdirigentin im Bundesforschungsministerium. Das MDC kooperiert eng mit der Charité und dem Leibnitz Institut für Molekulare Pharmakologie und gehört zu den 18 Forschungsreinrichtungen der Helmholtz-Gemeinschaft. Die abberufene Lanz leitete seit dem 1. August 2008 die Administration des MDC, zuvor war die gebürtige Dortmunderin Kanzlerin der Universität Lübeck.

Hermann Müller