Pharmakonzerne buhlen um Biotech-Perlen, große IT-Unternehmen zahlen Milliarden für kleine Speicherspezialisten und die größten Minenbetreiber bieten Riesensummen im Kampf um Grundstoffe. Weltweit sind Manager wieder auf Einkaufstour. In der Finanzkrise mussten sie den Gürtel enger schnallen und Expansionspläne zurückstellen. Der Billionen-Markt für Fusionen und Übernahmen lag am Boden. Durch rigoroses Sparen und nach umfassenden Umstrukturierungen sind die Kassen vieler Unternehmen nun prall gefüllt. Auch Finanzinvestoren melden sich zurück. Das Übernahmekarussell gewinnt wieder an Schwung.
Manche Experten sehen bereits eine neue Fusionswelle auf die Wirtschaft zurollen. Andere warnen vor Risiken angesichts anhaltender Schuldenkrise und schleppender US-Konjunktur.
"Jetzt ist die Zeit der strategischen Investoren", bringt Fusionsexperte Christoph Schalast, Professor an der Frankfurt School of Finance & Management, es auf den Punkt. "Wer sein Geld zusammengehalten hat, der ist am Start - cash is king."
Nach Schätzungen verfügen die Unternehmen derzeit weltweit über Barmittel von fast drei Billionen Dollar - ganz vorn dabei die großen Bergbaukonzerne. Fast 40 Milliarden Dollar will der britisch- australische Rohstoffgigant BHP Billiton für Potash of Saskatchewan aus Kanada hinblättern. Doch Potash-Chef Bill Doyle ist das nicht genug, und er hat gute Chancen den Preis noch höher zu treiben: Denn sein Unternehmen fördert Kalisalz, ein begehrter Grundstoff für Düngemittel - angesichts rasant zunehmender Weltbevölkerung ein großer Wachstumsmarkt.
Ein heftiger Übernahmekampf tobt auch um das US- Biotechnologieunternehmen Genzyme. Die Amerikaner lehnen das 18,5 Milliarden Dollar (14,5 Mrd Euro) schwere Angebot des französischen Pharmakonzerns Sanofi-Aventis - in bar - strikt ab. Auch sie reklamieren: "Der Betrag ist zu niedrig." Sanofi-Aventis will nicht locker lassen. Viele Pharmaunternehmen stehen unter Druck, wegen auslaufender Patente und zunehmender Konkurrenz sind sie gezwungen, ihre Geschäftsbasis zu verbreitern.
"Für strategische Investoren mit gut gefüllten Bankkonten ist die Situation traumhaft, um zu konsolidieren. Viele Unternehmen sind wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise noch relativ niedrig bewertet", sagt Schalast der Nachrichtenagentur dpa. Auch seien Strategen jetzt im Vorteil, weil sie derzeit nicht Gefahr liefen, von Private Equity Unternehmen überboten zu werden. Vor der Krise konnten derartige Beteiligungsunternehmen Übernahmen bis zu 90 Prozent mit Fremdkapital finanzieren, weil sie leicht ans große Geld kamen - heute könnten sie froh sein, wenn sie 50 Prozent bekommen. "Die Zeit der Exzesse ist erst einmal vorbei."
Als einen der großen Player sieht Schalast den führenden Computerkonzern Hewlett-Packard . HP und Rivale Dell bieten derzeit für den kleinen, bislang nahezu unbekannten Speicherspezialisten 3Par mit 194 Millionen Dollar Jahresumsatz regelrecht um die Wette. Sie sind bereits bei zwei Milliarden Dollar angelangt.
Auch der weltgrößte Chiphersteller Intel mischt im Übernahme- Monopoly kräftig mit: Um seine Abhängigkeit von Prozessoren zu verringern, ließ sich der Konzern kürzlich die Übernahme des Antiviren-Spezialisten McAfee 7,7 Milliarden Dollar kosten und kaufte erst diese Woche die Handy-Chipsparte des Münchner-Konzerns Infineon für 1,4 Milliarden Dollar.
Laut jüngsten Analysen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG kaufen vor allem Unternehmen aus Schwellenländern wie Indien, China, Brasilien, Russland, die besser durch die Finanzkrise gekommen sind, verstärkt zu. KPMG-Fusionschef Leif Zierz rechnet mit einer moderaten, stetigen Belebung des Marktes für Fusionen und Übernahmen. Das Umfeld bessere sich. "Aber es gibt noch eine Vielzahl von Unwägbarkeiten, sowohl finanzwirtschaftlich als auch gesamtwirtschaftlich, wie die Schuldenkrise der Staaten, die Konjunktur in den USA", gibt er im Gespräch mit der dpa zu bedenken. "Noch ist das Vertrauen nicht vollständig wieder da".
Schalast sieht erhebliche Dynamik im Markt. So würden Staatsbeteiligungen von Krisenunternehmen wieder abgestoßen. Spektakulär nennt er die bevorstehende Börsenrückkehr der staatssanierten Opel-Mutter General Motors. Nachdem die sechste M&A-Welle (Mergers & Acquisitions, Fusionen und Übernahmen) weltweit im Juli 2007 zu Ende ging, ist für ihn absehbar: "Ende 2010, Anfang 2011 wird die siebente Fusionswelle beginnen."

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