Studie

Betriebe wollen Leistungslücken der Krankenkassen füllen

Im Wettkampf um die besten Mitarbeiter fahren Unternehmen schon heute Angebote auf, die vielen Krankenkassen auch gut zu Gesicht stünden. Mehr noch: Die Firmen rechnen damit, künftig immer öfter Gesundheitsleistungen übernehmen zu müssen.
Große deutsche Betriebe sind nach einer Studie zunehmend bereit, Leistungslücken im staatlichen Gesundheitssystem auszugleichen und für die Krankenkassen in die Bresche zu springen. Drei von fünf Unternehmen (60,2 Prozent) sind laut der nicht repräsentativen Untersuchung überzeugt, dass die Arbeitgeberseite künftig schwindende Leistungen in der öffentlichen Gesundheitsversorgung mit eigenen betrieblichen Angeboten auffangen muss. Das ist ein Ergebnis des "Corporate Health Jahrbuch 2012" ("Jahrbuch 2012 zur Gesundheit in den Unternehmen"), das am Dienstag anlässlich der Messe Personal in Stuttgart vorgestellt wurde.

Methodisch hat die Untersuchung allerdings das Problem, dass die Teilnahme freiwillig war. Daher ist sie für die deutsche Unternehmenslandschaft nicht repräsentativ. Die Teilnehmer sind in der Mehrzahl große deutsche Unternehmen mit mehr als tausend Mitarbeitern. Lobend für ihr Engagement wurden etwa SAP, Unilever, Thyssen-Krupp, Deutsche Post/DHL, das Uniklinikum Jena und das Umweltbundesamt erwähnt.

Nach der Untersuchung sind nur 13,4 Prozent der 237 befragten Firmen dagegen, dass private Betriebe in Zukunft teilweise für etwas geradestehen, was früher das System der gesetzlichen Krankenversicherung leistete. Die Umfrage zeigt auch, dass umfangreiche Gesundheitsleistungen in den Betrieben oft schon heute Realität sind. So bieten 70 Prozent der befragten Firmen ihren Mitarbeitern Entspannungskurse an, 57 Prozent haben verbilligte oder kostenlose Massagen im Programm. 49 Prozent aller Unternehmen und 57 Prozent der Großunternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern offerieren eine Kinderbetreuung. 12 Prozent zahlen für Kuren und 7 Prozent bieten der Belegschaft eine Sauna an.

Herausgeber der knapp 300 Seiten starken Analyse sind der Tüv Süd, das "Handelsblatt" und der Dienstleister EuPD Research. Basis sind 237 kleine, mittlere und auch sehr große Unternehmen mit insgesamt gut einer Millionen Beschäftigten, für die Personaler, Betriebsmediziner und Gesundheitsmanager Auskunft gaben.

dpa