Ethik

Vorstoß zur Embryo-Auswahl bei Brustkrebsgefahr heftig kritisiert

Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat den niederländischen Vorschlag scharf kritisiert, bei einer erblich bedingten Brustkrebsgefahr künftig Embryonen ohne entsprechendes Krebsgen auszuwählen.
Die Nachricht löse bei ihr “ein großes Unbehagen” aus, sagte Käßmann, die selbst an Brustkrebs operiert worden war, in einem Interview der “Hessischen- Niedersächsischen Allgemeinen” vom Mittwoch. “Wer will da was selektieren? Und wer bestimmt, was lebenswertes Leben ist?”

Am Vortag hatte die niederländische Staatssekretärin Jet Bussemaker vorgeschlagen, dass Patientinnen mit erblich bedingtem Brustkrebs in ihrem Land eine Auswahl der im Reagenzglas gezeugten Embryonen treffen dürfen.

Jede Schwangerschaft, jede Geburt und das Leben jedes Menschen berge Risiken, sagte Käßmann. “Und ein perfektes Kind können Eltern nicht "machen"”, betonte die vierfache Mutter. “Ich möchte den Menschen Mut machen, sich auf ein Kind einzulassen, das mit all seinen Eigenarten liebenswert sein wird. Dazu gehört Gottvertrauen.”

Auch in den Niederlanden ist der Vorstoß der sozialdemokratischen Staatssekretärin bis in die Regierungskoalition hinein umstritten. Die kleine orthodox-reformatorische ChristenUnie, die Teil der Koalition ist, lehnt die Präimplantationsdiagnostik grundsätzlich ab. “Gesundheit ist wichtig, darf aber nicht überbewertet werden”, sagte ihre Abgeordnete Esmé Wiegmann der Zeitung “de Volkskrant” von Mittwoch.

Auch die größte Regierungspartei, die christdemokratische CDA, hat Bedenken angemeldet. Ihr Experte Henk-Jan Ormel wies darauf hin, dass eine genetische Veranlagung nicht unbedingt zu Brustkrebs führen müsse. Die Sozialdemokraten dagegen unterstützten die Initiative der Staatssekretärin. “Viele Frauen wissen, dass sie Träger dieser erblichen Krankheit sind und wollen ihre Kinder nicht damit belasten”, sagte ihre Abgeordnete Khadija Arib.


dpa

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