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Ärztemangel im Nordosten

Viele ausländische Ärzte schließen die Lücken

Knapp 300 Ärzte fehlen in Mecklenburg-Vorpommern. Es wären mehr, wenn nicht zunehmend Stellen mit Medizinern aus dem Ausland besetzt werden.
Foto: kma 05/10
Die Lücken in der medizinischen Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern werden zunehmend auch mit Hilfe ausländischer Ärzte geschlossen. Nach Angaben von Sozialministerin Birgit Hesse (SPD) kamen im Vorjahr 269 Mediziner aus 41 Nationen in den Nordosten, um hier zu praktizieren. Fachleute gehen davon aus, dass dies die bislang höchste Zahl gewesen ist. Wie aus Daten des Landesamtes für Gesundheit und Soziales hervorgeht, waren es vor fünf Jahren etwa 210. Seither gingen die Zahlen weiter nach oben. Vor allem Mediziner aus Ost- und Südosteuropa strebten einen beruflichen Neuanfang in Mecklenburg-Vorpommern an.

Es fehlen rund 150 Klinikärzte
In Mecklenburg-Vorpommern sind jüngsten Erhebungen zufolge rund 7.000 Ärzte tätigt, etwa die Hälfte in den Kliniken des Landes. Sowohl in den Krankenhäusern als auch in Landarztpraxen bleiben Stellen immer häufiger unbesetzt. Nach Angaben der Fachverbände fehlen im Nordosten derzeit etwa 115 Haus- und rund 160 Klinikärzte. Laut Hesse erteilte das Landesgesundheitsamt im Vorjahr 113 ausländischen Ärzten und 9 Zahnärzten die Approbation, die eine unbefristete Tätigkeit ermöglicht. 137 weitere Ärzte und 10 Zahnärzte bekamen eine auf zwei Jahre begrenzte Arbeitserlaubnis. In dieser Zeit können in Deutschland nicht anerkannte Qualifikationsnachweise nachgeholt und damit die Voraussetzungen für eine dauerhafte Tätigkeit geschaffen werden. Das betrifft vor allem Mediziner aus Nicht-EU-Staaten.

"Wir sind ein Tourismusland"
"Wenn wir die Genehmigungen erteilen, achten wir verstärkt auch darauf, dass schon ausreichend Sprachkenntnisse vorhanden sind. Das ist für den Patientenkontakt und eine erfolgreiche Behandlung unerlässlich", betonte Hesse. Wie Wolfgang Gagzow von der Krankenhausgesellschaft sagte, suchen die meisten ausländischen Mediziner zunächst eine Anstellung in einer Klinik. "Dort können sprachliche Defizite noch am einfachsten kompensiert und Zeit für das Erlernen der Sprache gewonnen werden", sagt er. Die meisten der Ärzte stammten aus Polen, Tschechien, Ungarn und der Ukraine. "Wir sind ein Tourismusland und die Zuwanderung nimmt zu. Da ist es doch von Vorteil, Ärzte zu haben, die sich in vielen Sprachen verständigen können", meint Gagzow.

dpa