Der wirkliche Nutzen vieler Pillen und Therapien ist nicht bekannt, häufig fehlen Studien mit verlässlichen Daten. Nach Schätzungen von Gesundheitsökonomen fehlt bei 80 Prozent der Leistungen der Nachweis, dass sie tatsächlich wirken. Diesen wenig transparenten Zustand ändern – dazu trat Peter Sawicki 2005 an, als Leiter des neu gegründeten Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG).
Ende August 2010 scheidet der Diabetologe aus dem Institut aus – unfreiwillig. Nur wenige Tage danach erscheint das Buch „Gesunder Zweifel” im Berlin Verlag, in dem die Fernsehjournalistin Ursel Sieber die Ablösung von Sawicki akribisch nachzeichnet: Seit 2004 bewertet das IQWiG den Nutzen von Pillen und Behandlungen, stößt auf Widerstand von Pharma- und Kliniklobbyisten, diese fürchten um ihre Geschäfte. Neue Medikamente haben oftmals keinen Zusatznutzen, sind teurer und schaden manchmal sogar den Patienten. Sawicki kämpft für die Etablierung der evidenzbasierten Medizin, um die Anwendung von Medikamenten und Therapien wissenschaftlich zu begründen. Damit schafft er sich viele Feinde aus Gesundheitsindustrie und wirtschaftsfreundlichen Politikern. Siebers Buch ist unterlegt mit internen Dokumenten und Berichten von Augenzeugen. Es beschreibt, auf welche Weise Lobbyisten und Politik die Ablösung von Sawicki betreiben.
Das Buch streift viele Kernprobleme in der Arzneimittelpolitik – etwa den Rückzug der Politik aus der Forschung. Die Pharmaindustrie fülle dieses Vakuum aus für eigene Interessen, kann Studien, Fachgesellschaften, Kongresse steuern, heißt es in einer Presseinformation zum Buch. Das IQWIG hat Probleme, Gutachter für die Studien zu finden. Viele würden gern für das IQWIG arbeiten, lehnen dankend ab, aus Angst, dass die Industrie ihnen die Drittmittel streicht.
Die Konflikte zwischen Sawicki und der Deutschen Krankenhausgesellschaft kommen in dem Buch ebenso zur Sprache wie die Rolle der Kassen und ihrer hilflosen Funktionäre. Ursel Sieber bezieht Position, spart nicht mit Kritik. In der Pressemitteilung zum Buch heißt es: „Das 210-seitige Buch ist gleichwohl kein Werk gegen Pharmaunternehmen oder Krankenhäuser. Im Gesundheitswesen gibt es große Fortschritte durch wirksame Medikamente und Behandlungsmethoden. Diese Verdienste werden nicht bestritten. Doch nicht alles ist Gold was glänzt.”

» Jetzt abonnieren
» Newsletter-Archiv
Termine
- 15.02.2012
Fachspezifische DRG-Kodierung: Innere Medizin
Düsseldorf - 23.02.2012
6. Rhein-Main-Zukunftskongress
Offenbach - 19.04.2012
Prüfung durch den MDK - Stationäre Behandlung - Wie gehen wir im Klinikalltag mit der aktuellen Rechtsprechung um?...
Mainz - 23.04.2012
Prüfung durch den MDK - Stationäre Behandlung - Wie gehen wir im Klinikalltag mit der aktuellen Rechtsprechung um?...
Stuttgart - 13.06.2012
Hauptstadtkongress 2012 Medizin und Gesundheit
Berlin
23.08.2010
Arzneimittelpolitik
Buch über Sawickis Ablösung
Das Buch „Gesunder Zweifel” von Ursel Sieber zeichnet die Ablösung von IQWIQ-Chef Peter Sawicki nach.
Jens Mau









