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Konferenz der Gesundheitsminister

Debatte um politische Konsequenzen nach Tod dreier Babys

Durch den Tod von drei Babys in Mainz steht die Hygiene an deutschen Krankenhäusern im Fokus. Gesundheitsminister Rösler will das Thema bei einer Konferenz mit seinen Fachkollegen aus den Ländern angehen.
Nach dem Tod dreier Babys im Mainzer Uniklinikum ist eine Debatte über die politischen Konsequenzen aufgeflammt. Es fehle an Hygienestandards, kritisierte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach Krankenhäuser und Bundesländer. "Offenbar müssen erst Leichen auf der Straße liegen, bis einige Bundesländer aufwachen und ihrer Verantwortung gerecht werden", sagte Lauterbach dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Mittwoch). Den drei Säuglingen, die an schweren Vorerkrankungen litten, war eine mit Bakterien verunreinigte Infusionslösung gegeben worden. Als wahrscheinlich gilt, dass die Erreger beim Zusammenmischen in der Apotheke der Klinik in die Lösung gelangten.

Bisher gebe es in den meisten Ländern keinerlei verbindliche Hygienevorgaben für Kliniken, kritisierte Lauterbach weiter. In zahlreichen Häusern würden einfachste Regeln missachtet. Deshalb fordere die SPD-Bundestagsfraktion eine bundesweit verbindliche Hygieneverordnung für alle Kliniken.

Rudolf Henke, Vorsitzender der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, warnte hingegen vor einer politischen Überreaktion. Es gebe keinen Mangel an Hygieneregeln und Standards, sagte Henke den "Ruhr Nachrichten" (Mittwoch). Zum Tod der Babys sagte er: "Hier scheint es sich um einen schrecklichen Einzelfall zu handeln." Ein Bundesgesetz sehe er nicht als notwendig an. "Kein Keim wird wegen eines bundesweiten Gesetzestextes sein Verhalten ändern."

Auch der Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) erachtet die Hygiene-Vorschriften in deutschen Klinikapotheken für ausreichend. "Ich halte die Sicherheitsstandards in Deutschland für sehr hoch", sagte ADKA-Geschäftsführer Klaus Tönne der "Leipziger Volkszeitung" (Mittwoch). "Das ist der erste schwerwiegende Zwischenfall, an den ich mich in den vergangenen 20 Jahren erinnern kann", sagte Tönne zu dem Fall in Mainz. "Ich kenne kein Krankenhaus, in denen die Sicherheitsstandards besser geregelt sind", sagte Tönne. "Die Apotheke der Universitätsklinik Mainz arbeitet auf einem sehr hohen und beispielhaften Niveau."

Am vergangenen Freitag war dort elf Kindern auf der Intensivstation eine verschmutzte Infusion verabreicht worden. Zwei Babys mit Herzfehlern starben am Samstag, das dritte, ein sehr junges Frühgeborenes, am Montagabend. Ob jeweils die Keime in der Infusionslösung den Tod verursachten, steht noch nicht fest.

Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) hat angekündigt, die Krankenhaus-Hygiene auf die Tagesordnung der Gesundheitsministerkonferenz von Bund und Ländern setzen zu wollen. Unterstützung erhielt er von der CSU. FDP- und CDU- Gesundheitsexperten setzen auf rasche bundesweite Regeln.

Die Bundesärztekammer forderte mehr Hygiene-Spezialisten an Krankenhäusern. "Es ist richtig, dass die Krankenhäuser Hygiene- Fachkräfte einstellen müssen, die immer Schwachstellen bei der Hygiene auf der Spur sind", erklärte Vizepräsident Frank Ulrich Montgomery der "Thüringer Allgemeine" (Mittwoch). "Es gibt ständig neue Analysemethoden, aber auch neue Technik, die unter die Lupe genommen werden muss."



dpa

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