Die Forderung der Linken nach einer Freigabe von Cannabis und der Schaffung von Clubs zum Anbau solcher Pflanzen hat im Bundestag kontroverse Reaktionen hervorgerufen. Cannabis führe zu physischer und psychischer Abhängigkeit, sagte der Vorsitzende der Suchtkommission der jugendpsychiatrischen Fachgesellschaften, Rainer Thomasius, am Mittwoch in einer Expertenanhörung. Es muss aus seiner Sicht verboten bleiben.
Dagegen ist der Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, Raphael Gaßmann, der Ansicht, das Verbot verhindere Vorbeugung. Es produziere jährlich eine sechsstellige Zahl von Konsumdelikten, die die Strafverfolgungsbehörden beschäftigten. Das Verbot müsse überdacht werden. Der Jugendschutz gehöre dabei beachtet.
Die Linke will Haschisch und Marihuana in Vereinen legalisieren. Aufklärung, Jugendschutz und Prävention sollen vorangebracht und der Schwarzmarkt bekämpfen werden. Erlaubt sein soll der Besitz von 30 Gramm getrocknetem Cannabis.
Oberstaatsanwältin Hannelore Biniok aus Frankfurt am Main strich heraus, das Verbot bleibe nötig, weil neu gezüchtete Sorten einen höheren Wirkstoffgehalt hätten. "Fast jeder, der später Kokain oder Ähnliches konsumiert, hat mit Cannabis angefangen", sagte der Trierer Staatsanwalt Jörn Patzak.
Hans-Günther Meyer-Thompson von der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin meinte hingegen: "Durch fortgesetzte Kriminalisierung hat sich ein neuer Markt aufgetan." Cannabis-Clubs könnten einen geregelten und kontrollierten Zugang für erwachsene Konsumenten ermöglichen. "Der Schwarzmarkt verhindert die Kontrolle, sowohl der Quantität als auch der Qualität", sagte Nicole Krumdiek von der Universität Bremen.
Der Deutsche Hanf Verband kritisierte, in manchen Bundesländern würden schon beim Besitz von zwei Gramm Cannabis Haus- und Körperdurchsuchungen durchgeführt. Davor müsse man die Konsumenten schützen.
Die Drogenbeauftragte der SPD-Fraktion, Angelika Graf, schlussfolgerte: "Eine Legalisierung in Form von Cannabis-Clubs würde mehr Probleme schaffen als lösen." Unionsfraktionsvizechef Johannes Singhammer (CSU) sagte: "Cannabis ist keine Spaßdroge." Die Schädlichkeit zu verharmlosen, sei unverantwortlich.
Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery warnte: "Eine Legalisierung dieser Einstiegsdroge kann die schädliche Entwicklung noch fördern."
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