Tierhaltung

MRSA-Keime in mehr als jedem zweiten Schweinestall nachgewiesen

Antibiotikaresistente Keime kommen in konventionellen Tierhaltungsbetrieben deutlich häufiger vor als in ökologisch bewirtschafteten Ställen.

Das ist das Ergebnis von zwei Langzeit-Studien der FU Berlin und der Tierärztlichen Hochschule Hannover im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMELV). Eine erste schriftliche Auswertung liegt dem Radioprogramm NDR Info vor. Die Forscher haben bei der Überprüfung von Schweinehaltungsbetrieben unter anderem aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und den Neuen Bundesländern festgestellt, dass sogenannte MRSA-Keime (Methicillin-resistente Staphylococcus aureus) bei bis zu 60 Prozent der konventionellen Betriebe nachweisbar waren. Bei den ökologischen Betrieben lag die Quote lediglich bei 25 Prozent. Im Rahmen der Studie haben die Forscher auch Bodenproben im Umkreis der Ställe überprüft. Teilweise waren die Keime noch in einer Entfernung von bis zu 500 Metern nachweisbar. "Dadurch besteht zwar kein unmittelbares Gesundheitsrisiko für Menschen in der Umgebung, eine Verbreitung antibiotikaresistenter Keime auf diesem Wege ist jedoch möglich und muss eingedämmt werden", so das BMELV.

Betriebe machen freiwillig mit
Die Forscher haben für die Studien zudem bundesweit 13 Stichproben aus Geflügelbetrieben untersucht. Die Auswertung sei zwar noch nicht beendet, allerdings sind nach Ministeriumsangaben in den meisten Fällen MRSA-Keime festgestellt worden. Die untersuchten Betriebe haben sich nach Angaben eines Ministeriumssprechers freiwillig an den Studien beteiligt. Den Auftrag dafür hatte im Juli 2009 noch der damalige Staatssekretär im BMELV und heutige Landwirtschaftsminister Niedersachsens, Gert Lindemann, erteilt. Einer der Hauptgründe für den hohen Verbreitungsgrad von MRSA-Keimen in konventioneller Tierhaltung ist nach Angaben der beiden Hochschulen, dass die Erreger durch den Zukauf von Tieren in die Betriebe gelangen und sich dort ausbreiten. Die ökologische Haltung sei im Gegensatz dazu ein geschlossenes System. "Daraus aber den Rückschluss zu ziehen, dass die Haltungsform eine der Hauptursachen für die Verbreitung von antibiotikaresistenten Keimen ist, wäre zu vorschnell", betonte der BMELV-Sprecher.

Die Studien, deren Ergebnisse detailliert auf einer am Dienstag, 22. Mai, in Berlin beginnenden Fachkonferenz vorgestellt werden sollen, untermauern frühere Untersuchungen zum Beispiel aus dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Das Institut warnt seit längerem vor den Risiken von MRSA-Keimen in der Nutztierhaltung und spricht sich deshalb dafür aus, diese "konsequent zurückzudrängen."

NDR