GBA-Chef im Gespräch

Hess zweifelt an schnellen Einsparungen bei Arzneien

Die beschlossenen Preisverhandlungen bei Arzneimitteln bringen nach Ansicht des GBA-Vorsitzenden Rainer Hess in absehbarer Zukunft keine Einsparungen in Milliardenhöhe.

Der scheidende Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken, Rainer Hess, sagte: "Ein Rundumschlag, mit dessen Hilfe das vom Gesetzgeber angestrebte Einsparpotenzial von 1,4 Milliarden Euro schnell zu erreichen wäre, bietet sich nicht an." Es werde nicht den großen Einstieg geben, bei dem die teuersten Präparate auf den Prüfstand kommen und ein möglichst großes Einsparpotenzial erreicht wird. Ende Mai hatte mit dem britisch-schwedischen Pharmakonzern Astra Zeneca erstmals ein Arzneihersteller mit dem Krankenkassen-Spitzenverband einen Rabatt für ein neues Mittel ausgehandelt. Die schwarz-gelbe Arzneimittel-Reform AMNOG hatte diese Verhandlungen eingeführt. Der Erstattungspreis neuer Medikamente richtet sich nach dem Mehrwert für die Patienten. Der Bundesausschuss stellt diesen Zusatznutzen aufgrund von Studien fest. Hess, unter dessen Leitung der Ausschuss das komplizierte Verfahren umsetzte, verlässt das Gremium altersbedingt. An diesem Donnerstag sollte er die letzte Sitzung des Gremiums leiten. Von der Arznei-Bewertungen erwartet Hess Verbesserungen für die Patienten. "Die Industrie hat den Trend erkannt, dass sie nicht einfach ein Medikament auf den Markt bringen kann, ohne den Zusatznutzen zu belegen", sagte er. "Das Industrieverhalten ändert sich jetzt schon."

Branche wartet auf die Nutzenbewertung
Bislang konnten die Firmen den Preis neuer Mittel frei festsetzen - die Kassen mussten zahlen. Mit Spannung erwartet die Branche nun, wann der Bundesausschuss die bereits länger auf dem Markt befindlichen Mittel unter Patentschutz auf ihren Nutzen durchleuchtet - und so den Weg für Preisverhandlungen mit Milliardenpotenzial ebnet. Der große Einstieg werde zunächst ausbleiben, sagte Hess. "Für den Bestandsmarkt müssen wir einen systematischen Einstieg finden." Natürlich kämen dann auch die Blockbuster - die umsatzstärksten Medikamente - dran. "Es handelt sich immerhin um rund 140 Wirkstoffe, die man bewerten müsste, um die genannten Einsparungen zu erreichen." Hess betonte aber: "Was die Anzahl der zu berücksichtigenden Studien und die Breite des Anwendungsgebietes betrifft sind die Bewertungen bereits länger auf dem Markt befindlicher Produkte weit umfangreicher."

dpa