BfArM

Seit Weihnachten über 1.000 Billigbrustimplantate entfernt

Den deutschen Gesundheitsbehörden sind seit Weihnachten 2011 mehr als 1000 Fälle von Billigbrustimplantat-Entfernungen gemeldet worden.

Das teilte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) am Mittwoch in Bonn mit. Bei etwa 27 Prozent der Meldungen mit Angaben zum Zustand der Implantate wurde ein Riss (Ruptur) mindestens eines der mit PIP-Silikon gefüllten Implantate festgestellt. Bei 20 Prozent war das Silikon durch die Implantatshülle ausgetreten. Das Institut erhielt vom 23.12.2011 bis zum 04.06.2012 insgesamt 1.015 Meldungen. Nach Angaben des BfArM sind mittel- und langfristige Gesundheitsrisiken durch Implantate, die mit PIP-Silikon gefüllt sind, nicht auszuschließen. Es empfiehlt weiter die Entfernung.

Risiko des Silikonaustritts weiter vorhanden
Unter Berücksichtigung dieser Zahlen und eines kürzlich veröffentlichten Berichts der britischen Gesundheitsbehörde NHS ist laut BfArM weiterhin davon auszugehen, dass das Risiko des Silikonaustritts aus der Implantathülle bei Billigprodukten gegenüber hochqualitativen Implantaten deutlich erhöht ist. Mit zunehmender Tragdauer steige es an. Ausgetretenes Silikon könne sowohl zu lokalen Gewebereaktionen führen als auch im Körper verteilt werden und sich etwa in den Lymphknoten der Achselhöhle ansammeln. Lokale Gewebereaktionen können den Ersatz durch ein neues Implantat innerhalb desselben Eingriffs erschweren oder unmöglich machen. Die britischen Experten kommen in ihrem Abschlussbericht zu dem Ergebnis, dass die PIP-Billigimplantate klar von minderer Qualität sind und unterhalb der üblichen Standards liegen. Belege für eine erhebliche Gesundheitsgefährdung oder ein deutlich erhöhtes Risiko klinischer Probleme ohne eine Ruptur des Implantats hätten die Untersuchungen aber nicht ergeben. Billigimplantate wiesen im Vergleich zu anderen Brustimplantaten ein zwei- bis sechsfach höheres Risiko für Risse (Rupturen) auf. Bei der Entfernung zeigte sich eine höhere Wahrscheinlichkeit klinischer Probleme in Form lokaler Reaktionen und vergrößerter Lymphknoten.

dpa