“Die Arztpraxen werden von der Politik gezielt ausgehungert”, begründete Martin Grauduszus, Präsident der “Freie Ärzteschaft”, am Dienstag den Boykottaufruf an alle Ärzte. 20 bis 30 Prozent der rund 100 000 Praxen wollen nach Einschätzung der Ärzteschaft vom 25. bis 28. März dem Aufruf folgen. Zusammen mit den Praxen, die zum Quartalsende ihre Budgets erschöpft haben, werde sogar jede zweite Praxis geschlossen haben, sagte Vereinssprecher Wieland Dietrich der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin. In Ärztekreisen wurde von einer geringen Beteiligung ausgegangen. Durch Vertretungsregelungen soll die Versorgung der Patienten gesichert werden. Absprachen mit den Kassenärztlichen Vereinigungen über die Versorgung während der Boykotttage gebe es nicht, sagte Dietrich. Nach Ansicht des Vereins zielt der Sparkurs der Bundesregierung darauf ab, die gesamte Versorgung von den niedergelassenen Ärzten in die Kliniken zu verlagern.
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung äußerte Verständnis für die schwierige Situation der Ärzteschaft. Die ab 2009 geplante Honorarreform sei aber eine “echte Chance” für Verbesserungen, sagte KBV-Sprecher Roland Stahl der dpa. Die Ärzte sollen dann für kränkere Patienten auch mehr Geld bekommen. Die Bezahlung soll zudem nicht mehr nach einem komplizierten Punktwertsystem, sondern nach Euro und Cent erfolgen. “Die Chance muss genutzt werden, sonst entsteht noch mehr Dampf im Kessel”, sagte Stahl. Zuletzt hatte es 2006 massive Proteste gegeben, mit denen die Ärzte ihre Vorbehalte gegen die 2007 in Kraft getretene Gesundheitsreform deutlich machen wollten.

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