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Innere Medizin

Experten warnen vor Versorgungsengpass

In den Abteilungen für Allgemeine Innere Medizin regiert der Rotstift, kritisiert die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). Aus Kostengründen bauen bundesweit Krankenhäuser für Innere Medizin Stellen ab, reduzieren Betten und schließen diabetologische Abteilungen – zuletzt in der Hamburger Asklepios Klinik St. Georg oder den Städtischen Kliniken München. Der Abbau schade den Patienten, warnt die DGIM.
Foto: Thieme Verlagsgruppe

Millionen Deutsche leiden bereits an Diabetes. Experten fürchten Versorgungsengpässe.

In einem gemeinsamen Positionspapier mit der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie, Hormone und Stoffwechsel (DGE) heißt es, der Bedarf an einer am gesamten Menschen ausgerichteten Inneren Medizin mit gut ausgebildeten Diabetologen und Endokrinologen sei so groß wie nie, und er steige weiter. Durch die Schließungen "verlieren beispielsweise Patienten mit Diabetes eine wichtige Anlaufstelle. Sie werden künftig von Kardiologen mit betreut – sogar die Notfälle", klagt DDG-Präsident Baptist Gallwitz. Der Rückbau internistischer Expertise werde "einen eklatanten Mangel zutage fördern, den niemand kompensieren kann", warnt DGIM-Generalsekretär Ulrich R. Fölsch.

Die Experten erwarten, dass künftig noch mehr Spezialisten in Diabetologie und Endokrinologie fehlen werden als bisher schon. "Viele Kliniken können eine Ausbildung mit dem Schwerpunkt Endokrinologie und Diabetologie nicht mehr anbieten", sagt DGE-Präsident Martin Reincke. Es drohten ein Fachärztemangel und Versorgungsengpässe für Menschen mit Diabetes und anderen Stoffwechselerkrankungen.

Kritik am DRG-System
Die Gründe für die Schließungen sind dem Positionspapier zufolge meist wirtschaftlicher Art. "Kliniken machen mit internistischen, häufig multimorbiden Patienten nicht ausreichend Gewinn", sagt Ulrich R. Fölsch. Das DRG-Entgelt-System vergüte medizinische Leistungen in der Inneren Medizin im Vergleich zu operativen Eingriffen nicht ausreichend, oft nicht kostendeckend. Auch viele konservative Therapien würden über das DRG-System nicht ausreichend finanziert. So sei die Amputation eines diabetischen Fußes für die Klinik häufig lukrativer als die aufwändige konservative Wundbehandlung.

"Wenn dieser Entwicklung jetzt nicht gegengesteuert wird, kommt es in absehbarer Zeit zu schwerwiegenden Einschränkungen in der Patientenversorgung", warnen die Experten. Schon heute litten mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland an Diabetes. Bis 2030 werde ein Drittel der Bevölkerung 65 Jahre oder älter sein. Viele seien dann multimorbide – sprich an mehreren Krankheiten wie Krebs, Diabetes, Bluthochdruck oder Herzinsuffizienz erkrankt, waren die Fachleute: "Gerade diese Patienten mit mehreren komplexen Erkrankungen brauchen eine interdisziplinäre Betreuung durch mehrere Spezialisten."

DGIM