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Notfallmedizin

Milliardenloch Notaufnahme

Notaufnahmen gelten als chronisch unterfinanziert. Wie sehr inzwischen die Schere zwischen Einnahmen und Kosten auseinandergeht, zeigt ein neues Gutachten. Danach stehen bei ambulanten Notfällen Erlösen von durchschnittlich 32 Euro reale Fallkosten von120 Euro gegenüber. Das beschert Kliniken mit Notaufnahmen ein Defizit von rund einer Milliarde Euro.
Foto: Thomas Möller (Thieme Verlagsgruppe)

"Die Notaufnahmen der Krankenhäuser sind vielerorts stark überlastet und absolut unterfinanziert. Sie werden immer stärker zum Lückenbüßer für die eigentlich zuständigen Bereitschaftsdienste der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) und dabei durch die Vergütungsregelungen der KVen und Krankenkassen sowie einen 10-prozentigen gesetzlichen Investitionsabschlag auch noch diskriminiert", kommentierte Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) die Ergebnisse des "Gutachtens zur ambulanten Notfallversorgung im Krankenhaus – Fallkostenkalkulation und Strukturanalyse". Die Studie war von der DKG gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) bei der Management Consult Kestermann GmbH (MCK) in Auftrag gegeben worden.

DKG fordert Änderung der Vergütung
Die Beratungsfirma untersuchte dazu im Rahmen einer aufwendigen Kalkulation die fallbezogenen Kosten- und Leistungsdaten von 612.070 ambulanten Notfällen, die in 55 Krankenhäusern behandelt worden. Das Gutachten bietet daher nach Auffassung der DKG eine "einzigartige, datenbasierte Diskussionsgrundlage für die dringend notwendige Weiterentwicklung der ambulanten Notfallversorgung", so die DKG. Und die ermittelte Datenbasis zeigt auch, wie sehr die Notfallversorgung inzwischen viele Häuser belastet. Bei einer durchschnittlichen Unterdeckung von mehr als 90 Euro pro ambulanten Notfall und derzeit mehr als zehn Millionen ambulanten Notfällen beträgt die Unterdeckung laut DKG inzwischen rund eine Milliarde Euro.

"Für die unverzichtbare ambulante Notfallversorgung im Krankenhaus muss eine geeignete Vergütung geschaffen werden, die den Behandlungsmöglichkeiten und den damit verbundenen Kostenstrukturen der Krankenhäuser Rechnung trägt", forderte der DKG-Hauptgeschäftsführer. Das Gutachten mache deutlich, dass die für die niedergelassenen Ärzte entwickelte Notfallvergütung nicht für die kostenintensiven Vorhaltungen und Leistungen der Krankenhäuser geeignet seien. Es werde höchste Zeit, dass das Mandat zur Regelung der Rahmenbedingungen einschließlich der Vergütungen für die ambulante Notfallversorgung durch Krankenhäuser auf diese übergehe. Die in den Eckpunkten für die Krankenhausreform vorgesehene Aufforderung an die KVen zu mehr Kooperation mit den Krankenhäusern reiche da nicht aus. "Ebenfalls abzuschaffen ist der 10-prozentige Investitionsabschlag", forderte Baum.

DGINA sieht Notfallversorgung gefährdet
Dringenden Handlungsbedarf sieht auch Timo Schöpke, Generalsekretär der DGINA. Er bezweifelte, dass angesichts der sich verschlechternden Bedingungen künftig ausreichend Krankenhäuser in der Lage sein werden, eine hochwertige Notfallversorgung aufrecht zu erhalten.

DKG