Datenmanagement

Wenn Firma X weiß, was Firma X weiß

In Krankenhäusern quellen die Daten über, und alle suchen nach geeigneten Lösungen. Das Universitäts-Spital Zürich hat eine zufriedenstellende Lösung gefunden.
Der wachsende Leistungs- und Kostendruck im heutigen Gesundheitswesen erfordert insbesondere auch zukunftsorientierte Konzepte in der Informationstechnologie. Hochqualifizierte Ärzte und moderne Medizintechnologien als elementare Leistungsträger eines erfolgreichen Kleinbetriebes sind mehr denn je auf intelligentes Informationsmanagement angewiesen. Dabei gilt es, die enormen Datenmengen zumeist unterschiedlichster IT-Systeme, in eine zentrale Plattform zu integrieren. Innovative Systeme bringen Ordnung in das Informationschaos und schaffen auf Knopfdruck Übersicht in Echtzeit. Das Universitäts-Spital Zürich (USZ) setzt auf die zentrale Datenplattform Amalga von Microsoft. Die "Health Intelligence Plattform", mit der sämtliche relevante Daten und klinische Informationen individuell genutzt werden können, wurde hier in einer umfangreichen Pilotphase getestet.

Im Interview: Jürgen Müller, Direktor für Informations- und Kommunikationstechnologie am USZ über Erfahrungen und Erwartungen.

Was haben Sie gesucht, als Sie die Amalga-Plattform fanden?
"Ich habe längere Zeit nach einem Tool zur Generierung einer leistungsfähigen Echtzeit-Datenbasis gesucht, die in der Praxis das erfüllt, was sie in der Theorie verspricht. Amalga bestätigt bislang unseren Anspruch an ein System, das sowohl Diagnostik und Therapie unserer Patienten optimiert als uns auch eine strategische Langzeitsteuerung des Spitals ermöglicht."

Seit wann arbeiten Sie damit?
"Im Betrieb ist es seit Herbst 2011. Die Vorbereitungsphase jedoch hat gut ein Jahr gedauert. Die Zeit brauchten wir, da wir die erforderlichen Strukturen definieren und die Mitarbeiter ausbilden mussten.

Wie werden die ersten Erfahrungen allgemein bewertet?
"Wir haben die Software in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit den Microsoft-Spezialisten planmäßig implementiert und für uns wichtige Erkenntnisse sehr schnell gewonnen. So können wir inzwischen mit den verfügbaren Daten der umfangreichen OP-Dokumentationen die Soll-Planung und Ist-Situationen viel genauer einsehen und entsprechend reagieren. Auch bei der Auslastung von Intensivbetten bekommen wir jetzt präzisere Echtzeiten-Daten. Die Patienten profitieren durch schnellere Betreuung und kürzere Wartezeiten bei Operationen; die Klinik durch eine verfeinerte Steuerung ihrer Kapazitäten. Positiv sind auch die Reaktionen unserer Mitarbeiter in allen Bereichen der Klinik. Sie bewerten das Tool als eine deutliche Verbesserung in der Verfügbarkeit von Daten, um schnell und sicher die medizinisch wie wirtschaftlich richtigen Entscheidungen treffen zu können. Unsere neue Informationswelt gliedert sich nicht mehr aus vielen, kleinen Puzzles, die zusammenzufügen unnötige Zeit und Mühe erfordert."

Welche Auswirkungen im Vergleich zu früher hat die Datenplattform auf Planung und Auslastung im OP-Betrieb?
"Was früher oft Vermutung war, ist nunmehr belegte Gewissheit. Wir haben nun die Möglichkeit, planmäßig agieren und akut reagieren zu können. Ein wichtiges Beispiel ist ein dynamisches OP-Management. Wir erhalten durch die Daten-Aggregation einen wesentlich präziseren Einblick in die Auslastung der insgesamt über 30 OP-Säle und können somit unsere Kapazitäten viel besser verteilen. Diese flexible Planungsfähigkeit ermöglicht dank verkürzter Wartezeiten sowohl bei terminierten Eingriffen als auch in Notfällen eine noch bessere Versorgung unserer Patienten. Gleichzeitig vermeiden wir unwirtschaftliche Leerläufe und teure Überstunden für überlastete OP-Teams. Immerhin beschäftigen wir in allen Abteilungen mehr als 1.200 Ärzte und an die 2.500 Pflegekräfte. Unser jährliches OP-Volumen lag 2011 stationär und ambulant bei etwa 25.000 Eingriffen."

Inwiefern bieten Echtzeiten-Daten auch Vorteile für die direkte Patienten-Behandlung — in Form von beispielsweise schneller und sicherer Diagnostik...
"Sie sind tatsächlich eine wichtige Voraussetzung in unserer Radiologie, die wir mit einem großen Investitionsaufwand in weitere hochmoderne Medizingeräte für bildgebende Verfahren erweitern. Wie in der Chirurgie kommt es uns auch bei den über das gesamte Spitalareal eingesetzten Großgeräte darauf an, die Einsätze optimal zu steuern und die Auslastung der Ressourcen zu optimieren. Davon profitiert in erster Linie sogar der Patient, denn verkürzte Wartezeiten bedeuten in der Praxis frühestmögliche Diagnosen und vor allem auch Behandlungen."

Hat sich durch Amalga auch die Bettenauslastung erhöht?
"Hier geht es mehr um Qualität als um Quantität. Bei der Bettenplanung in einem Krankenhaus kommt es auf genügend Kapazitäten für Notfälle oder unvorhersehbare Ereignisse an. Deshalb ist ein System wie dieses das wichtigste Instrument für einen Bettenspiegel in Echtzeit. Damit können wir unsere rund 900 Betten in den Bereichen Notaufnahme, Chirurgie, Intensivmedizin und Stationen optimal managen. Das garantiert eine bestmögliche Versorgung aller stationären Patienten und verkürzt auch Wartezeiten bei Neuaufnahmen."

Welche Einflüsse hat die moderne Informationstechnologie auf das Qualitätsmanagement einer Uniklinik?
"Qualitätsmanagement stützt sich auf komplett erfasste und dargestellte Informationen. Das USZ dokumentiert in einem Klinik- Informationssystem höchst detailliert alle medizinischen Verläufe von der Aufnahme bis zur Entlassung. Es umfasst alle Daten wie Bilder und Befunde sowie Eingriffe, Behandlungen und Medikationen. Zusätzlich gibt es weitere Datenbanken aus der klinischen Forschung, die parallel erzeugt werden. Amalga soll hier alle verfügbaren Informationen auf Vollständigkeit prüfen und die verschiedenen Datenkontinente zu einer Gesamtwelt vereinen. Diese Aufbereitung ist die wesentliche Grundlage für ein anspruchsvolles Qualitätsmanagement. Für die Patienten bedeutet das noch mehr qualitative Sicherheit in den medizinischen und pflegerischen Leistungen auf Basis valider Daten."

Welche langfristigen Erwartungen haben Sie?
"So eine funktionierende, lernende und ausbaufähige Datenplattform ist kein Luxus, sondern eine sinnvolle und rentable Investition. Medizinisch und wirtschaftlich, für Patienten wie Mitarbeiter. Von dieser Informationstechnologie werden maßgeblich sogar auch unsere Forschung- und Lehre profitieren. Insgesamt sehen wir darin schon heute eine wesentliche Grundlage für die langfristige Leistungsfähigkeit des Universitäts-Spitals Zürich."

Universitäts-Spital Zürich
Am Universitäts-Spital Zürich werden jährlich über 170.000 Patienten stationär und ambulant behandelt. Das Universitätsspital verfügt über rund 900 Betten und beschäftigt etwa 8.000 Mitarbeitende aus zahlreichen Nationen. Mit 42 Kliniken und Instituten trägt das USZ mit hochspezialisierten diagnostische Methoden und Therapien maßgebend zur Gesundheitsversorgung der Zürcher Bevölkerung bei. Das Spital erwirtschaftet einen Jahresumsatz von über einer Milliarden Schweizer Franken. ICT-Direktor Jürgen Müller verfügt über Abschlüsse der Universitäten Passau, Deutschland und UC Berkeley, USA. Nach diversen Beratungsmandaten im Gesundheitswesen in Deutschland, Österreich und Liechtenstein war Müller seit Ende 2001 als Berater und externer Projektcontroller unter anderen für die beiden Universitätsspitäler Basel und Bern tätig. Seit Mitte 2008 leitet er am Universitäts-Spital Zürich das Programm "Change IT" und wurde 2009 zum Direktor für Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) sowie als Vorstandsmitglied der Spitaldirektion bestellt.



Claudia Dirks