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Arzt- und Kliniksuche

Wettbewerb

Apotheken bangen um ihre Sonderstellung

Die deutschen Apotheken bangen um ihre Vormachtstellung im Geschäft mit den Medikamenten.
Foto: Archiv
Denn in dem bislang abgeschotteten Apothekenmarkt könnten sie bald starke Konkurrenz bekommen. Am 3. September findet am Europäischen Gerichtshof (EuGH) die Anhörung im Rahmen des europäischen Verfahrens zur Liberalisierung des Apothekenmarktes in Deutschland statt. Eine Empfehlung des Generalanwaltes sollte dann nach drei bis sechs Monaten folgen. Sein Votum gilt als eine Art Vorentscheidung, denn der Europäische Gerichtshof in Luxemburg folgt in neun von zehn Fällen der Empfehlung. Mit einem Urteilsspruch wird dann bis zum Herbst 2009 gerechnet. An diesem Urteilsspruch werden sich dann die deutschen Behörden orientieren. Erste Schritte einer Liberalisierung des Apothekenmarktes gab es bereits. Schon 1958 fiel der Gebietsschutz für Apotheken in Deutschland weg. 2004 wurde dann das Versandhandelsverbot für nicht verschreibungspflichtige Medikamente aufgehoben und das Mehrbesitzverbot damit eingeschränkt. Nun soll der EuGH in einer Vorentscheidung klären, ob das Fremdbesitzverbot in Deutschland mit europäischem Recht vereinbar ist. Bislang dürfen nur Pharmazeuten mit Kammerzulassung Apotheken mit maximal drei Filialen besitzen. Kippt nun das Fremdbesitzverbot, dann fürchten Apotheken und ihre Verbände, dass internationale Konzerne die typischen deutschen Apotheken verdrängen könnten. Die Sorge ist nicht unberechtigt, da der deutsche Apothekenmarkt mit einem jährlichen Umsatz von rund 35 Milliarden Euro zu den größten der Welt zählt.

Liberalisierung nur eien Frage der Zeit
Verhandelt wird vor dem EuGH über eine gemeinsame Klage mehrerer Inhaber saarländischer Apotheken, der örtlichen Apothekenkammer und des Deutschen Apothekenverbandes (ABDA) gegen das Saarland. Der saarländische Gesundheitsminister Josef Hecken hatte im Sommer 2006 der niederländischen Versandapotheke und Celesio-Tochter <CLS1.ETR> DocMorris das Betreiben einer Apotheke in Saarbrücken genehmigt. Das dort ansässige Verwaltungsgericht hatte im März 2007 die bei ihm eingereichte Beschwerde an den EuGH verwiesen. Ebenfalls verhandelt wird über ein ähnliches Fremdbesitzverbot in Italien. Zu beiden Fällen wird der Franzose Yves Bot als Generalanwalt seine Empfehlung abgeben. Spricht sich der EuGH für einen Wegfall des Fremdbesitzverbotes aus, was von den meisten Experten erwartet wird, dann beginnt das Ringen um die Apotheken. Auch der auf den Pharmamarkt spezialisierte Anwalt Peter Homberg der US-Rechtsanwaltkanzlei JONES DAY räumt einer Liberalisierung des deutschen Apothekenmarktes gute Chancen ein. "Ich bezweifle, dass die Bedenken der deutschen Apotheker beim Europäischen Gerichtshof akzeptiert werden", sagte er der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Norwegen zeige, wie eine Deregulierung funktioniere. Allerdings könne eine Liberalisierung noch zwei bis drei Jahre dauern, fügte er hinzu. Der Apothekenmarkt in dem skandinavischen Land wurde bereits im Jahr 2001 freigegeben. Mittlerweile befinden sich mehr als 80 Prozent der norwegischen Apotheken in der Hand der drei großen Pharmahändler Celesio, Phoenix und Alliance Boots.

Firmen rüsten sich
Für den deutschen Apothekenmarkt haben sich bereits eine Reihe unterschiedlicher Spieler in Position gebracht. Neben Pharmagroßhändlern warten Drogerieketten, aber auch Lebensmitteleinzelhändler auf den Anpfiff. Mit dem Erwerb der größten europäischen Versandapotheke DocMorris sicherte sich die Stuttgarter Celesio schon im vergangenen Jahr eine hervorragende Startposition für die anstehende Liberalisierung. "DocMorris ist sicherlich die bekannteste Apotheken-Marke im deutschen Markt", sagte Analyst Marcus Konstanti von Sal. Oppenheim. Mit der niederländischen Versandapotheke habe Celesio einen Wettbewerbsvorteil vor seinen Konkurrenten. Zudem profitierten die mehrheitlich zum Haniel-Konzern gehörenden Pharmahändler von ihren Erfahrungen als Betreiber von Apothekenketten unter anderem in Großbritannien und in den Niederlanden. Insgesamt betreibt Celesio rund 2.300 Apotheken. Aber nicht nur Celesio macht mobil. So baut auch der Konkurrent Phoenix das Apothekengeschäft durch seine Tochter Tamro aus. Neben Norwegen verfügt die zu 100 Prozent zu dem schwäbischen Milliardär Adolf Merckle gehörende Gesellschaft auch in Lettland bereits über eine Apothekenkette. In Deutschland treibt Phoenix ebenfalls den Marktzugang voran. Zwar treten der Marketing-Verein deutscher Apotheker (MVDA) und die Apothekengruppe Linda mit insgesamt rund 3.400 Mitgliedern eigenständig auf, sind jedoch eng an Phoenix gebunden. Phoenix hingegen ist über den Mutterkonzern Merckle mit dem Generikahersteller ratiopharm eng verflochten.

Drogerien bauen Medikamentegeschäft aus
Wie begehrt der deutsche Apothekenmarkt jetzt schon ist, zeigt der Einstieg der beiden Drogerieketten dm und Schlecker in den Medikamentenmarkt. Beide Unternehmen kündigten jüngst an, den Handel mit Medikamenten ausbauen zu wollen. Der bundesweit zweitgrößte Drogerie-Betreiber dm startete bereits im vergangenen Sommer seinen Bestell- und Abholservice für apothekenpflichtige Medikamente. Er arbeitet dabei mit der Versandhandelsapotheke Europa Apotheek im niederländischen Venlo zusammen. Diese wurde im April von der weltgrößten Versandapotheke Medco Health Solutions (USA) übernommen. Schlecker bietet in mehr als 11.000 Märkten von Schlecker, Ihr Platz und Drospa Bestellshops der niederländischen Versandapotheke Vitalsana an. Die Kunden können direkt in den Märkten ihre Bestellungen aufgeben und abholen.

Aber das lukrative Geschäft mit Arzneimittel lockt auch den Handelsriesen REWE. "Wir stehen mitten in den Startlöchern", hatte Konzernvorstand Josef Sanktjohanser dem Düsseldorfer "Handelsblatt" kürzlich gesagt. Rewe prüfe mehrere Optionen. Am wahrscheinlichsten sei, "dass wir für den Apothekenverkauf, falls wir ihn starten, eine neue Marke schaffen", betonte Sanktjohanser. Gelingt den Kölnern der Coup, entstünde in Deutschland neben den derzeit über 100 DocMorris-Franchise-Standorten eine noch weitaus größere Apothekenkette und damit ein möglicher Marktführer im Arzneimittel-Einzelhandel, hieß in der Zeitung. REWE selbst rechnet sich im Medikamentengeschäft gute Chancen aus.

Michaela Nehren-Essing

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