Übernahmekrimi Rhön-Fresenius

Auf Messers Schneide

In der Nacht auf Donnerstag läuft die Frist für die Aktionäre der Rhön-Kliniken ab, ihre Anteile an den Gesundheitskonzern Fresenius zu verkaufen. Die Übernahme steht auf Messers Schneide.

Der Übernahmekrimi um die beiden größten deutschen Krankenhauskonzerne Rhön und Fresenius-Helios spitzt sich zu. Kurz vor Ablauf der Erklärungsfrist war noch unklar, ob Fresenius tatsächlich wie geplant 90 Prozent und eine Aktie an dem bisherigen Konkurrenten aus Franken übernehmen kann. Bis Montagmittag hatten die Bad Homburger erst 29,4 Prozent zusammen. Allerdings ist es bei solchen Deals durchaus nicht unüblich, dass die großen Anleger bis zur letzten Minute warten. Die schlägt am Mittwoch (27.6.) um 24.00 Uhr.

Verlängerung der Offerte ausgeschlossen
22,50 Euro hat Fresenius den Rhön-Eignern angeboten, ein Aufschlag von immerhin 52 Prozent auf den letzten Kurs vor Bekanntgabe der Pläne. Die Übernahme der Nummer zwei am deutschen Krankenhausmarkt will sich Fresenius knapp vier Milliarden Euro kosten lassen: Zum Kaufpreis von 3,1 Milliarden Euro kommen noch rund 800 Millionen Nettoschulden in den Büchern der Rhön-Klinikum AG, die in Gießen-Marburg mit erheblichem Kostenrisiko die einzige privatisierte Uni-Klinik Deutschlands betreibt. Der zuletzt stark gewachsene Fresenius-Konzern hat in den vergangenen Tagen wiederholt klargemacht, dass er die Offerte weder verlängern noch erhöhen will. Möglich ist das dennoch jederzeit bis zum Fristablauf, solange ein neues Angebot auch für diejenigen Aktionäre gilt, die bereits zugesagt haben. Nachträglich geht hingegen nichts mehr: Nach Ablauf der Frist ist ein neues Angebot erst wieder nach zwölf Monaten möglich. Um die Privatanleger in letzter Minute zu überzeugen, schaltete Fresenius flächendeckend größere Anzeigen. Ergebnisse sollen frühestens am Freitagabend vorliegen.

Kleinanlegern droht Squeeze-out
Für einige Kleinanleger könnte der Zug aber schon abgefahren sein, meint die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), die das Fresenius-Angebot für "durchaus nennenswert" hält. Grund sind unterschiedliche Bearbeitungsfristen bei den Depotbanken, die schließlich den Verkaufswillen ihrer Kunden bis Mittwoch an Fresenius mitteilen müssen. Die Frist könnte bei einigen Banken schon nicht mehr erreicht werden, sagt DSW-Sprecher Jürgen Kurz. Verbliebene Kleinaktionäre müssen damit rechnen, über kurz oder lang mit einem sogenannten Squeeze-out aus dem Unternehmen gedrängt zu werden, denn an die Börse soll Helios-Rhön nicht zurückkehren. Nach Einschätzung der Commerzbank werden die Kleinaktionäre aber voraussichtlich ohnehin nicht das Zünglein an der Waage sein, weil sie nur rund sieben Prozent der Rhön-Aktien halten und mehrheitlich wohl auch auf das Angebot eingehen werden. Fresenius-Finanzchef Stephan Sturm hat jedenfalls bei Commerzbank-Analyst Volker Braun den klaren Eindruck hinterlassen, dass es bereits eine ausreichende Menge Zusagen von Fonds und institutionellen Anlegern gibt. Auf 92 Prozent Zustimmung schätzt Braun die Zustimmungsrate. Ein Investor, der selbst mehr als zehn Prozent sammeln könnte, um das Geschäft zu torpedieren oder zumindest den Preis hochzutreiben, sei bislang nicht in Sicht. Rhön-Gründer Eugen Münch, der gemeinsam mit seiner Frau 12,45 Prozent der Anteile hielt, hat die Übernahme selbst eingefädelt und auch den Unternehmensvorstand auf die Fresenius-Seite gebracht.

Kartellamt will gründlich prüfen
Mit dem Deal würde Deutschlands größter Krankenhauskonzern mit knapp 130 Kliniken, mehr als 80.000 Beschäftigten und zunächst knapp sechs Milliarden Euro Umsatz entstehen. Das wären etwa acht Prozent des gesamten Krankenhausmarkts. Hauptsitz soll die bisherige Helios-Zentrale in Berlin werden. Im gesamten Bundesgebiet gibt es Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft zufolge derzeit 2064 Krankenhäuser, 667 davon sind in privater Hand. Ein weiteres Fragezeichen hinter dem Geschäft ist daher die kartellrechtliche Bewertung. Obwohl die Übernahme deutlich oberhalb der Umsatzschwelle für ein Verfahren auf EU-Ebene liegt, kümmert sich zunächst die deutsche Wettbewerbsaufsicht darum und hat eine gründliche Prüfung angekündigt. Probleme einer regionalen Marktbeherrschung sieht Commerzbank-Experte Braun allerdings nur an wenigen Standorten in Thüringen, Sachsen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, die mit Teilverkäufen von nicht einmal vier Prozent der Betten beseitigt werden könnten.

dpa