Nervenkrieg um Rhön-Klinikum

Überraschungscoup von Asklepios

Am Krankenhausmarkt tobt ein Nervenkrieg um den Branchenriesen Rhön. Die geplante Übernahme durch den Marktführer Fresenius könnte in letzter Minute von der Konkurrenz gestoppt werden.

Die geplante Übernahme des Rhön-Klinikums wird für den Gesundheitskonzern Fresenius zur Zitterpartie. In einem überraschenden Coup hat sich der Konkurrent Asklepios aus Hamburg mehr als 5 Prozent der Rhön-Aktien gesichert, wie das Unternehmen vor Ablauf der Angebotsfrist mitteilte. Für eine Sperrminorität reichen 10 Prozent, weshalb Fresenius auch mindestens 90 Prozent plus eine Aktie übernehmen will.

Fresenius gibt sich gelassen
Durch das überraschende Dazwischenfunken von Asklepios lässt sich Fresenius aber nicht von seinem Übernahmeplan abbringen, wie der Konzern in Bad Homburg mitteilte: „Fresenius hat keine Information bezüglich einer konkurrierenden Offerte und ist nicht aufgefordert worden den Angebotspreis zu erhöhen.” Die Mitteilung, wonach Asklepios 5,01 Prozent der Rhön-Anteile halte, habe man zur Kenntnis genommen. Über die weiteren Absichten des Konkurrenten sei nichts bekannt. Nach eigenen Angaben war Fresenius aber knapp zwölf Stunden vor Ablauf des Angebots noch weit von der selbst gesetzten 90-Prozent-Marke entfernt. Am Mittwochmittag verfügten die Bad Homburger lediglich über 44,09 Prozent des Grundkapitals. Später teilte der Dax-Konzern mit, dass weitere 3,6 Prozent erworben worden seien. Die Angebotsfrist, bis zu der Fresenius 22,50 Euro pro Aktie zahlt, sollte um Mitternacht ablaufen. Frühestens am Freitag soll feststehen, ob die angestrebte Marke von 90 Prozent der Rhön-Anteile erreicht wurde.

Fresenius-Aktie stürzt ab
An der Börse wurde der Asklepios-Einstieg als Signal für ein Scheitern der Fresenius-Pläne angesehen. Der Kurs der Rhön-Aktie stürzte zunächst im zweistelligen Prozentbereich ab. Das Geschäft soll laut Angebot nur zustande kommen, wenn 90 Prozent der Aktien angeboten werden und zudem die Kartellbehörden zustimmen. Asklepios äußerte sich nicht zu den strategischen Optionen, die sich aus dem millionenschweren Einstieg ergeben. Man wolle sich alle Möglichkeiten offenhalten, erklärte ein Sprecher. Händler zeigten sich überrascht von dem Schritt. Die Einschätzungen bewegten sich zwischen „destruktiver Verhaltenstaktik” bis „cleverem Schachzug”. Während ein von der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX befragter Händler nun davon ausgeht, dass der Zusammenschluss nicht klappen wird, konnte sich ein anderer vorstellen, dass Asklepios die Anteile noch in der Nacht verkaufen könnte. Infrage kämen auch bilaterale Verhandlungen zwischen den Klinik-Konzernen. Rhöns Unternehmensgründer und Großaktionär Eugen Münch bezweifelte in der „Financial Times Deutschland” (Online-Ausgabe) die langfristigen Absichten von Asklepios.

Rhön, Helios und Fresenius Kopf an Kopf
„Uns sind die Absichten unklar”, sagte ein Fresenius-Sprecher. Er wies darauf hin, dass das Erreichen der 90-Prozent-Schwelle noch möglich sei. Fresenius habe sowohl von Vorstand und Aufsichtsrat der Rhön-Klinikum AG als auch von institutionellen Aktionären und Privatanlegern „breiten Zuspruch” zu seiner Übernahmeofferte erhalten. Alle drei Unternehmen gehören zu den großen privaten Krankenhausbetreibern in Deutschland, wobei die Fresenius-Tochter Helios zuletzt sowohl in Sachen Umsatz als auch bei der Profitabilität die Nase vorn hatte. Fresenius will beim Zusammenschluss mit Rhön den europaweit größten privaten Krankenhausbetreiber mit einem Umsatz von rund sechs Milliarden Euro formen. Insgesamt bietet Fresenius 3,1 Milliarden Euro für den fränkischen Konkurrenten. Inklusive einer Nettofinanzverschuldung von rund 800 Millionen Euro wird er mit etwa 3,9 Milliarden Euro bewertet. Asklepios verfügt bundesweit über 140 Gesundheitseinrichtungen und beschäftigt mehr als 44 000 Mitarbeiter. Im vergangenen Geschäftsjahr 2011 wurden über 1,7 Millionen Patienten in Einrichtungen der Asklepios-Gruppe behandelt. Der Konzern machte 2,56 Milliarden Euro Umsatz und 34,5 Millionen Euro Gewinn.

Gesundheitots